Aktuelle Meldungen / en-gb Uni Köln Mon, 19 Feb 2018 02:32:57 +0100 Mon, 19 Feb 2018 02:32:57 +0100 TYPO3 EXT:news news-4771 Thu, 21 Dec 2017 10:06:46 +0100 Verflucht und eingeritzt /index.php?id=8506&tx_news_pi1%5Bnews%5D=4771&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=00b9940700fda8e4c6f7f5cdb540a158 Eine neue Technologie macht die Texte antiker Fluchtafeln sichtbar Ob vor Gericht, beim Sport oder in der Liebe – wer sich in der Antike einen unfairen Vorteil verschaffen wollte, konnte sich an Spezialisten wenden: Magier. Sie ritzten Flüche in Bleitafeln, die sie an Orten magischer Kraft ablegten. Dr. Robert Daniel von der Papyrussammlung der Uni Köln nutzt nun eine neue Technologie, um bisher unleserliche Texte lesbar zu machen.

»Iao Sabaoth Adonaie Eloaie!« Leise murmelt der Magier, während er eine Beschwörung mit geübter Hand in das Blei ritzt. »Ablanathananalba Akramachamarei pephtha, Sesengenpharanges«, die fremden Silben gehen ihm flüssig von den Lippen, »mächtigster Gott. Erhöre mich, Herr Abrasseilloa Abrasax pekaphy.« Im Auftrag einer Kundin ruft der Kundige die Götter der Unterwelt an, finstere Götter des Todes und der Hexerei, allmächtige und unbekannte Götter, deren Namen man nicht nennen darf. Er bittet sie um ihre Gunst für Irene, seine Kundin. »Ja, Ihr Herren Götter, unterwerft mir, Irene, die auch Flavia genannt wird, den gesamten Haushalt des Lamyros; Sklaven und Freie und alle, die schon genannt wurden, aber insbesondere meinen Ehemann, Lamyros selbst. Ja, Ihr Herren Götter, Phreu Bel ou Bel tepiachameneus, mächtigster Gott.«

Irene hat ein Problem: Ihr Mann will sie vor Gericht verklagen. Und noch schlimmer, er hat leider gut 40 Zeugen auf seiner Seite, die Irene zum Schweigen bringen müsste, damit sie den Prozess noch gewinnt. Da kann nur noch Höheres helfen. Irene sucht einen Magier auf, der sie beim Entwurf eines wirksamen Fluches berät und nun die Zeilen in ein Bleitäfelchen ritzt. Nachts wird Irene dann das zusammengerollte Täfelchen auf den einsamen Friedhof vor ihrer Stadt tragen und den Fluch in einem der Felsengräber deponieren. Dort, in der Nähe der Totendämonen und der unterirdischen Gottheiten, kann der Fluch seine Wirksamkeit entfalten. Die Botschaft ist überbracht und Irene darf hoffen.

40 Jahre in Sachen antiker Magie

Was vor gut 1.800 Jahren im jordanischen Gerasa, dem heutigen Jerasch geschah, mutet aus der Jetztperspektive bizarr an: Hexerei, Unterweltsgottheiten, finstere Rituale. Doch Archäologen finden immer wieder bei Ausgrabungen zusammengerollte Täfelchen aus Blei auf dem gesamten Gebiet des Römischen Reiches. Gut 1.600 Stück der sogenannten Fluchtafeln sind bis jetzt bekannt, viele davon sind aber nicht mehr lesbar. Der Zahn der Zeit hat die Buchstabenritzungen in Altgriechisch oder Latein erodieren lassen.


Die Fluchtafel (griechisch katádesmos, lateinisch defixio ) war ein in der Antike weit verbreiteter Schadenzauber. Sie ist ein dünnes Bleistück mit eingeritzten Inschriften, die Personen oder (in dem Fall von Rennbahnflüchen) Pferde mit magischen Mitteln in ihrem Handeln beeinflussen sollte. Die Tafeln wurden in einem Akt der Magie häufig gerollt, gefaltet, zusammengebunden und durchbohrt, um den Verfluchten magisch zu zwingen. Danach wurden die Tafeln an Orten abgelegt, die mit der Unterwelt (z. B. Gräber oder Brunnen) eine Verbindung hatten oder in der Nähe der Opfer (z. B. Wendeposten eines Hippodroms) lagen.


Um eine größere Gruppe solcher Täfelchen aus der antiken Levante, also dem Küstengebiet von Kleinasien bis Palästina, kümmert sich nun Dr. Robert Daniel von der Papyrussammlung des Instituts für Altertumskunde. Der Altphilologe ist seit gut 40 Jahren in Sachen antiker Magie unterwegs und ist international angesehener Fachmann für die antike Zauberei. Der Fall der Irene gibt dem Fachmann aus Köln eine Fülle neuer Informationen direkt aus dem Leben der Spätantike: Sprache, Sitten, Glaubensvorstellungen zeigen sich in dieser Tafel, aber auch rechtliche Fragen und Alltägliches.

Texte erscheinen wie von Zauberhand

Antike Magie begleitet den 67-Jährigen seit dem Anfang seiner Karriere. Nun betreut er das Projekt »Magica Levantina«, bei dem Fluchtafeln aus der Türkei, Syrien, Jordanien und Israel mit neuen Technologien entziffert werden.

»2002 wurde ich nach Jerusalem eingeladen, um Bleitafeln zu begutachten, Aber im Laufe der darauffolgenden zehn Jahre änderte sich das. Immer mehr unleserliche Tafeln wurden entdeckt. Und: Eine neue Technologie, das Reflectance Transformation Imaging (RTI), war entwickelt worden. Mit ihr konnte man nun die eingeritzten Texte aus verschiedenen Richtungen ausleuchten und danach am Computer jeweils im besten Beleuchtungswinkel und unter verschiedenen Filtern lesen.

Reflectance Transformation Imaging (RTI) — Die Fluchtexte sind häufig schwer lesbar auf Blei eingeritzt. Das Entziffern der Texte war bisher, wenn überhaupt, nur mit Hilfe eines Mikroskops möglich. Herkömmliche Digitalbilder halfen in der Regel nicht weiter. Einen Durchbruch bedeutet das Reflectance Transformation Imaging (RTI), ein digitales Photoverfahren, durch das kleinste Unebenheiten einer Oberfläche unter verschiedenen Licht- einfällen erfasst werden. Die so entstehenden und digital amalgamierten Bilder lassen sich mit einer speziellen Software am Bildschirm in unterschiedlichsten Verarbeitungsstufen anzeigen. Schriftzüge, die am Original unter statischem Lichteinfall kaum oder gar nicht sichtbar sind, werden auf diese Weise lesbar.


Mit bloßem Auge unlesbar, erscheinen die Buchstaben durch die Ausleuchtung wie von Zauberhand. »Die RTI-Technik revolutioniert das Lesen der Bleitafeln«, so Daniel. Gut 60 Texte will der Kölner Wissenschaftler auf diese Weise digitalisieren, entziffern, transkribieren und übersetzen. die amerikanische Archäologen 1995 ausgegraben hatten«, erinnert sich der Philologe. Eine davon war schwer lesbar, bei den anderen war gar nichts mehr zu erkennen. »Für ein Forschungsprojekt war das zu wenig.«

Wo Ben Hur wendete

Die Flüche erstrecken sich vom Gerichtsverfahren bis zum Sport. Wagenrennen etwa zogen in der Antike die Massen in den Circus, die Rennbahn. Tausende von Fans feuerten ihre Mannschaften an und wetteten auf den Sieg oder Niederlage der Teams.

So zum Beispiel in der palästinensischen Küstenstadt Cäsarea, wo man in einem Brunnen im Hofe des Gouverneurspalastes eine Reihe von Fluchtafeln gefunden hat, von denen viele Täfelchen gegnerische Teams verfluchten. In einer Tafel liest man nach Daniels Übersetzung: »Oh mächtigste Cherubim, erniedrige die Pferde der grünen Fraktion. Oh mächtigste Cherubim, ich rufe den unsichtbaren und unbefleckten Gott an, den einen und einzigen Gott… Bindet für mich die Pferde der grünen Fraktion, deren Namen auf diesen Tafeln geschrieben sind.« Bei dem Bleiplättchen fand die Kölner Konservatorin Sophie Breternitz Reste von Salbei. Was hat das Kraut mit dem magischen Fluch zu tun? »Salbei heißt auf Altgriechisch Sphakelos«, erklärt Daniel. »Das Wort ist mit Sphakos verwandt, das ›Zuckungen‹ bedeutet. Sphakelismos ist ein Fachwort aus der antiken Pferdemedizin – Epilepsie bei Pferden. Der Magier wollte durch den Wortzauber Symptome bei den gegnerischen Pferden hervorrufen, die denen eines epileptischen Anfalles ähnelten.«

Besonders wirksam sollten die Flüche werden, wenn man das Täfelchen möglichst nahe an das verfluchte Objekt bringt. So fanden Archäologen die Tafeln an den beiden Wendepfosten einer der zwei Rennbahnen in Cäsarea. Dort, wo Ben Hur im Hollywood-Klassiker in die Kurve ging, kam es tatsächlich häufig zu Unfällen. Angebunden an den Fluch war diesmal eine Raupe. »Wendepfosten und Raupe: Das ist wieder ein Sprachspiel «, so Daniel. »Das Wort für Raupe heißt im Altgriechischen Kampe, das bedeutet ›sich wenden‹. Auch die Pfosten hießen Kampai. Außerdem gab es eine Raupengöttin Kampe, eine grausame Unterweltsgöttin. Die Pferde sollten in Panik geraten, wenn die Göttin ihnen beim Wendeposten erscheint.«

Heidnische Flüche im Heiligen Land

Für den Wissenschaftler sind die Tafeln vor allem eine Fundgrube für Sprache und Gesellschaft der Spätantike. Heidnische und jüdische Religion mischen sich in ihnen, die Welt des Circus offenbart sich, neue unbekannte Worte tauchen auf. »Man lernt zum Beispiel, dass ein Manager einer Faktion wie ein General beim Militär ›Strategos‹ hieß«, so Daniel. Beim Verfluchen von Pferden schrieb der Magier auch manchmal »Kopf runter!« oder »Hinterteil hoch!«, berichtet Daniel: »So wie es die Zuschauer wahrscheinlich schrien, die gerne einen Unfall auf der Rennbahn sehen wollten.«

Ob der umfangreiche Fluch der Ehefrau Irene aus dem spätantiken Gerasa, geritzt in ein Bleitäfelchen und deponiert am Felsengrab, ihr in ihrer Not geholfen hat, lässt sich heute nicht mehr ermitteln. Untypisch war der Gang zum Magier aber nicht, erzählt Dr. Robert Daniel: »Flüche mit einem juristischen Hintergrund sind sehr häufig. Als ich aber gelesen habe, dass Irene ihren eigenen Mann erst nach etwa 40 Namen seiner Sklaven und Mitarbeiter, also als letztes nannte, musste ich doch etwas lächeln.«

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Forschung
news-4772 Thu, 21 Dec 2017 10:03:00 +0100 Wie verändert künstliche Intelligenz den Arbeitsmarkt? /index.php?id=8506&tx_news_pi1%5Bnews%5D=4772&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=e492a18fda70aabcfc39cdeb983a4caa Es gibt Befürchtungen, dass die Künstliche Intelligenz menschliche Arbeit überflüssig macht. In jedem Fall stehen dem Arbeitsmarkt durch »Industrie 4.0« entscheidende Veränderungen bevor. Die International Federation of Robotics sagt voraus, dass 1,7 Milliarden neue Roboter bis zum Jahr 2020 weltweit die Produktion transformieren werden. Deutschland hatte im Jahre 2016 im produzierenden Gewerbe bereits eine hohe Roboterdichte von 301 Robotern pro 10.000 Arbeitnehmer. Die Automobilindustrie setzt derzeit die höchste Anzahl von Robotern ein. 

Die Elektro- und Elektronikindustrie und die Metallund Maschinenindustrie haben seit 2010 den Einkauf von Industrierobotern jährlich um 25 Prozent erhöht. Insgesamt wurden seit Mitte der 1990er Jahre 131.000 Industrieroboter in Deutschland installiert.

Mit dem zunehmenden Einsatz von intelligenten Robotern, die keine Bedienung durch den Menschen mehr erfordern, verändert sich der Arbeitsmarkt. Es gibt Anzeichen, dass die klassischen Tätigkeitsprofile in der Industrie zunehmend wegfallen. Diese werden aber laut einer Studie von Holger Bonin und Kollegen durch neue Jobs mit neuen Tätigkeitsprofilen kompensiert. Es findet also eine Umstrukturierung auf dem Arbeitsmarkt statt, die sicher eine veränderte Nachfrage nach bestimmten Qualifikationen mit sich bringen wird. Weniger nachgefragt werden standardisierte Tätigkeiten werden, wie zum Beispiel Maschinen bedienen. Tätigkeiten, die nicht oder nur schwer automatisierbar sind, werden weniger betroffen sein, wie beispielsweise Tätigkeiten im Zusammenhang mit Fortbildung, Kooperation und Management. In einer Fabrik ist dadurch der Job des Hausmeisters, der viel Interaktion mit Menschen erfordert, weniger von der Automatisierung betroffen als der des Maschinen- und Anlagenführers.

Der nächste Schritt ist die flächendeckende Einführung von »Industrie 4.0«. Dies bezeichnet das Zusammenspiel der realen mit einer virtuellen Produktion. Hersteller werden Roboter in Netzwerke einbinden, die dann in der ganzen Fabrik Maschin gefragt werden standardisierte Tätigkeiten werden, wie zum Beispiel Maschinen bedienen. Tätigkeiten, die nicht oder nur schwer automatisierbar sind, werden weniger betroffen sein, wie beispielsweise Tätigkeiten im Zusammenhang mit Fortbildung, Kooperation und Management. In einer Fabrik ist dadurch der Job des Hausmeisters, der viel Interaktion mit Menschen erfordert, weniger von der Automatisierung betroffen als der des Maschinen- und Anlagenführers. Der nächste Schritt ist die flächendeckende Einführung von »Industrie 4.0«. Dies bezeichnet das Zusammenspiel der realen mit einer virtuellen Produktion. Hersteller werden Roboter in Netzwerke einbinden, die dann in der ganzen Fabrik Maschinen und Systeme verknüpfen. Dort, wo intelligente Robotik-Systeme im Einsatz sind, ist »Industrie 4.0« bereits heute Realität. In Logistik- Unternehmen werden beispielsweise Tablets eingesetzt, mit denen der Mitarbeiter beim Blick auf ein Paket zusätzliche Informationen über dieses Paket sehen kann (»Augmented Reality«).

Einen Effekt hat der Einsatz von Künstlicher Intelligenz – hier in Form von Industrierobotern – auf die relevanten Beschäftigungsgruppen wie Maschinen- und Anlagenführer schon gehabt: Es hat zu geringeren Löhnen geführt. Dies könnte einer Studie von Wolfgang Dauth und Kollegen zufolge auf eine Kompromisshaltung der Gewerkschaften zurückzuführen sein: Lieber einen geringeren Lohn in Kauf nehmen, aber dafür Arbeitsplätze sichern.en und Systeme verknüpfen. Dort, wo intelligente Robotik-Systeme im Einsatz sind, ist »Industrie 4.0« bereits heute Realität. In Logistik- Unternehmen werden beispielsweise Tablets eingesetzt, mit denen der Mitarbeiter beim Blick auf ein Paket zusätzliche Informationen über dieses Paket sehen kann (»Augmented Reality«). Einen Effekt hat der Einsatz von Künstlicher Intelligenz – hier in Form von Industrierobotern – auf die relevanten Beschäftigungsgruppen wie Maschinen- und Anlagenführer schon gehabt: Es hat zu geringeren Löhnen geführt. Dies könnte einer Studie von Wolfgang Dauth und Kollegen zufolge auf eine Kompromisshaltung der Gewerkschaften zurückzuführen sein: Lieber einen geringeren Lohn in Kauf nehmen, aber dafür Arbeitsplätze sichern.

 

Szenario 2050

Welchen Einfluss hat KI im Jahr 2050 auf den Arbeitsalltag von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern?

JÖRN GRAHL ist Professor für »Digital Transformation and Analytics« an der WiSo-Fakultät. Er leitet die Seminare »Digital Tranformation« und »Data Science for Business Students«.

CLAES NEUEFEIND ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Linguistik mit dem Schwerpunkt »Sprachliche Informationsverarbeitung «. Er leitet die Seminare »Künstliche Intelligenz« und »Information Retrieval«.


Neuefeind:
Ich freue mich darauf, wenn mich KI-Programme in Zukunft bei bestimmten Tätigkeiten unterstützen werden. So zum Beispiel die Erstellung von semi-formalisierten Texten. Heute gibt es das schon für Sport- und Wetterberichte. In nicht allzu ferner Zukunft wird es mehr Vorlagen geben, so auch für die Darstellung von Forschungsergebnissen. Aus geisteswissenschaftlicher Sicht möchte ich dabei allerdings die Bedeutung von Stil und Stilistik hervorheben. Hier wird die KI uns auch so schnell nichts vormachen können.

Weitere Unterstützung erwarte ich durch den Bereich des »Text Mining«: Hier können KI-Programme auf eine große Menge an Daten zugreifen und Hypothesen generieren. So können neue Zusammenhänge aufgedeckt und neue interdisziplinäre Perspektiven entstehen. Aber auch hier gilt: Es obliegt dem Wissenschaftler, ob er diese Hypothesen für plausibel einstuft und es für einen Mehrwert hält, diesen nachzugehen. Denn Aufgaben wie das Hinterfragen und Interpretieren von Ergebnissen, die sinnhafte Verknüpfung von neuen Aspekten und nicht zuletzt die Auswahl und der Einsatz geeigneter KI-Programme wird weiterhin in der Hand des Wissenschaftlers liegen. Dabei wird der Einsatz von KI-Programmen kein Buch mit sieben Siegeln sein: Die Nutzung von Programm-Bibliotheken und modularer Analysesoftware wird hochspezielles IT-Wissen nicht mehr nötig machen. Außerdem wird das Wissen um KI dann kein Fachwissen mehr sein, sondern in vielen Bereichen zur methodischen Grundausbildung gehören.

Grahl: Trends zeichnen sich schon ab. Die allermeisten Forscherteams werden 2050 mit großen Datensätzen umzugehen wissen. Mindestens einer im Team ist Datenmensch, kann also Daten effizient verarbeiten, damit rechnen, Analysen fahren und Theorie und Empirie zusammenbringen. Die Tools dafür ändern sich, keine Ahnung, was 2050 gerade benutzt wird. Gute Forschung ist ein komplexes Produkt. Sie ist nur in kleinen Teilen automatisierund quantifizierbar. Viel ist Urteilsfindung und Abwägen. In diesem Zusammenhang gibt es auch einen Trend, dem ich nicht folgenden würde: dass eine starke Künstliche Intelligenz die Rolle klassischer Theorie und Statistik (oder Ökonometrie) einschränkt oder untergräbt. Die meisten KI-Methoden sind per Konstruktion schwach in der Identifikation von kausalen Zusammenhängen. Und sie können die Welt nicht erklären, auch dann nicht, wenn wir mal alle Daten der Welt verarbeitet haben. Manchmal liefert Künstliche Intelligenz nicht die richtige Art von Ergebnissen, und sie liefert auch kaum Argumente. Keine Antwort auf das »Warum?«. Und das »Warum?« steht nun mal oft im Zentrum der Forschung. Damit ist Forschung wohl »safe«. Außerdem ist 2050 das KI-Thema schon durch! Wer weiß was dann das »next big thing« ist. Beamen? Umsiedlung auf Mars oder Mond?


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Forschung
news-4770 Thu, 21 Dec 2017 09:51:18 +0100 „Ring frei“ für Peter Müller genannt „de Aap“ /index.php?id=8506&tx_news_pi1%5Bnews%5D=4770&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=9ee9737d16d991e704188e52f2928bee Erinnerung an ein kölsches Original "Ring frei jetzt komme ich" hat er gesungen und im Ring auch schon einmal Mundharmonika gespielt. Der Boxer Peter Müller war für viele Kölner damals der der "Weltmeister vum Rhing". Publikumsliebling nicht nur in Deutschland sondern auch in den USA.

Der am 24. Februar 1927 in Köln geborene Müller begann seine Karriere 1946 als Amateur. Seinen ersten Profikampf 1947 im Mittelgewicht gewann er gegen Walter Trittschak durch k.o. in der zweiten Runde. In seiner 20jährigen Karriere boxte er gegen alle, die Rang und Namen hatten, nicht nur in Deutschland, auch in Europa und den USA. Er bestritt 176 Kämpfe und gewann davon 132. Fünfmal wurde er Deutscher Meister im Mittelgewicht.  

Er galt als liebenswürdig und großmütig, konnte seine Argumente aber wenn nötig auch "schlagkräftig" verstärken. So am 7. Juni 1952 im ausverkauften Kölner Eisstadion als er den Ringrichter Max Pippow k.o. schlug, weil der ihn nach mehrfacher Ermahnung wegen Klammerns nach eigener Aussage als „Zigeuner“ bezeichnet habe. Es folgte eine lebenslange Boxsperre. Sein Manager und Schwiegervater Jupp Thelen konnte nach einem Jahr die Aufhebung der Sperre erreichen.

Vor 25 Jahren ist das Kölner Boxidol gestorben. Zeit für einen Besuch an seinem Grab auf dem Südfriedhof, das den Besucher darauf aufmerksam macht, dass hier ein Boxchampion zusammen mit seiner Frau Greta, mit der er 43 Jahre verheiratet war, seine letzte Ruhestätte hat.

Der Kölner Medizinprofessor Dr. Gerhard Uhlenbruck hat der "Aap" im Ring gegenübergestanden und erinnert sich.

"Der Original-Kölner gilt nicht nur als originell, sondern ist auch durch besonders witzige Originale bekannt geworden, als klassisches Beispiel seien nur die Figuren Tünnes und Schäl erwähnt. In diesen kölschen Adelsstand wird man meist nur erhoben, wenn man auch mit einem besonderen Adelstitel bedacht wird, der den Betreffenden im Volksmund unsterblich macht (z.B. "die Nas").

So war es auch mit Peter Müller, dem berühmten und äußerst beliebten Kölner Boxer: Man nannte ihn liebevoll "de Aap", also den Affen. Das bezog sich weniger auf sein Äußeres, als vielmehr auf seine Art zu gehen: Etwas breitbeinig und die Arme ein wenig abgewinkelt. Ich lernte ihn in den fünfziger Jahren kennen, als ich mich beim Sülzer Boxclub BC Heros angemeldet hatte. Da nicht damit zu rechnen war, schon in der ersten Stunde mit Boxhandschuhen trainieren zu dürfen, war ich völlig verblüfft, als ein freundlicher junger Mann mich ansprach (alles op Kölsch!) und fragte, ob ich mit ihm trainieren wolle. Hocherfreut nahm ich das Angebot an. Kurze Zeit später merkte ich recht spürbar, auf was und mit wem ich mich da eingelassen hatte: Es war Peter Müller, mit dem keiner gerne trainieren wollte, weil er weder stilgerecht noch taktisch boxen konnte, sondern einfach kräftig drauf los schlug, was ihm ein gewisses Vergnügen bereitete, indem er den Gegner in der Defensive zum Rückzug zwang. Mit "the noble art of self-defense" hatte das nicht viel zu tun! Leider sah ich nach wenigen Tagen des Sparrings (Trainingsboxen) so verblöscht aus, dass ich den Verein auf Anraten meiner Freunde wechselte und in Ehrenfeld beim heutigen BC Westen mit dieser in der Nachkriegszeit sehr beliebten Sportart anfing.

Dennoch blieb ich dem Sülzer Verein verbunden, und war nicht wenig erstaunt, als Peter Müller verkündete, ins Profi-Lager zu wechseln. Seine wilde, unorthodoxe Art zu fighten hatte die Box-Manager und Promoter mobilisiert. Es war purer Zufall, dass ich anlässlich einer Tagung seinen ersten Kampf als Profi in Hamburg miterleben konnte in  Planten und Blomen. Seinen Gegner Trittschak schlug er schon in der zweiten Rund  k. o.!.

Es war der Beginn einer spektakulären Karriere, welche den Sportteil der Kölner Presse über Jahrzehnte beschäftigen sollte, weil Peter Müller auch durch viele Anekdoten und legendäre Auftritte (z.B. in USA) immer wieder von sich reden machte. Er wurde zum kölschen Original!

Der Zufall wollte es, dass mein Verein gegen den von Peter Müller, als er noch Amateur war, boxen musste. Wir beide waren damals in der gleichen Gewichtsklasse. Natürlich stand der Sieger schon vorher fest, und mein Trainer, Herr Engels, flüsterte mir in der Ring-Ecke zu: "Spätestens zweite Runde schlafen legen!", was ich dann schon in der ersten tat: Nach einem  harmlosen linken Haken ging ich zu Boden und ließ mich auszählen. Gegen Peter Müller hatte ich keine Chance.

Die Aap, über deren Kämpfe und Karriere man heute überall nachlesen kann, habe ich viel später erneut wieder gesehen, als er in Deckstein einen Schrebergarten hatte. Ich joggte oft vorbei und machte, wenn er da war, an seinem Gartenzaun immer ein Päuschen, um mit ihm über Sport und die Welt zu quatschen. Er behauptete dann immer: Durch dat Laufen lebst Du auch nicht länger! Fatalerweise hatte er sich aber das Rauchen angewöhnt, ließ sich  jedoch von der Schädlichkeit dieses Genusses nicht überzeugen: Die Angst vor Übergewicht war stärker! Auf dem alljährlichen Fest seines Kleingärtner-Vereins gab er seine bekannten Gesangseinlagen zum besten, da war er wieder der King! Wo er auch auftrat: Er wurde gefeiert und freute sich darüber. Etwas pikiert war er nur, wenn einer ihn nicht kannte oder nichts mit seinem Namen anzufangen wusste. Und anreden musste man ihn mit "Pitter": Auf seine Familie war er stolz: So was wie mich, also  Akademiker, gäbe es jetzt da auch!

Ach, man musste ihn einfach gern haben diese kölsche Aap! Mir gab er immer den Rat: Maach dich nit kapott! Und: Loss dich nit kapott maache!  Sinngemäß lautete seine Boxerweisheit: Sieh zu, dass Du gut über die Runden kommst ohne die Bretter aufsuchen zu müssen oder in den Seilen zu hängen. Ihm selbst fehlte am Ende ein guter Coach: Dann hätte er sich nicht selbst ausgeknockt. Denn es wären noch einige Runden drin gewesen. Ring frei für die Legende: Die bleibt er ohnehin!"

Professor Dr. Gerhard Uhlenbruck ist am 4. September mit dem Lehrer-Welsch-Sprachpreis des Vereins Deutsche Sprache e.V. ausgezeichnet worden.

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In Köln unterwegs
news-4769 Thu, 21 Dec 2017 08:57:39 +0100 Verlässliche Daten für eine bessere Medizin /index.php?id=8506&tx_news_pi1%5Bnews%5D=4769&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=7c65c4a23b2feb0228406a9c660c466c Medizinethikerin Christiane Woopen im Gespräch über die Digitalisierung des Gesundheitswesens Elektronische Patientenakten, Diagnostik mit dem Smartphone oder eine digitale Sprechstunde ohne lästige Wartezeiten – die Möglichkeiten, die Digitalisierung und »Big Data« in der Medizin bieten, sind enorm. Dessen ist sich auch Professorin Dr. Christiane Woopen, Medizinethikerin und geschäftsführende Direktorin von ceres, dem Cologne Center for Ethics, Rights, Economics, and Social Sciences of Health, sicher. Gleichzeitig sind die Datenmenge und -vielfalt, die komplexen Programme zur Datenanalyse und die Qualitätssicherung eine große Herausforderung.

Frau Professorin Woopen, wenn es um die Digitalisierung in der Medizin geht, fällt unweigerlich das Schlagwort »Big Data«. Welche Chancen bietet Big Data für die Medizin von morgen?

Woopen: Big Data bedeutet in der Medizin, dass wir große Mengen gesundheitsrelevanter Daten aus verschiedenen Quellen zusammenführen. Die große Chance besteht dabei in einer ganzheitlicheren Betrachtung des Menschen. Denn der Mensch scheint doch etwas Größeres zu sein als das, was eine einzelne Disziplin beschreiben kann. Er ist aber auch mehr als seine Daten. Ich glaube nicht, dass man mit Big Data den Menschen endgültig verstehen wird, aber sicher bekommen wir in der Medizin neue Aufschlüsse zu bislang unbekannten Zusammenhängen. Der Internationale Bioethik-Ausschuss der UNESCO hat soeben einen Bericht über »Big Data and Health« veröffentlicht. Dort werden auf wenigen Seiten die wesentlichen Hoffnungen, aber auch Herausforderungen dargestellt und wichtige Empfehlungen gegeben.

Woran ließe sich dies verdeutlichen?

Woopen: Wenn man etwa eine Genveränderung findet, die mit einer bestimmten Krankheit korreliert, bedeutet das noch nicht zwangsläufig, dass dieses Gen die Krankheit auch verursacht. Möglicherweise hat die Genveränderung ganz andere Ursachen, etwa in bestimmten Umweltfaktoren. Dafür muss man Daten außerhalb der Genetik einbeziehen. Big Data könnte uns dabei helfen, ein Netzwerkverständnis der Funktionen des menschlichen Körpers weiterzuentwickeln. Man bekäme ganz andere Ansatzpunkte für Therapien, anstatt sich auf die genetische Ebene zu fokussieren.

Ist also eine Verbindung von verschiedenen Datensätzen und Disziplinen schon in der medizinischen Forschung sinnvoll?

Woopen: Wo man heute noch weitgehend etwa zwischen biologischer, soziologischer und ethischer Forschung unterscheidet, könnten verschiedene disziplinäre Sichtweisen zukünftig von vornherein viel enger zusammengeführt werden. Das würde die Methoden bereichern und die Datenintegration erleichtern.

Daten sind heute in vielen Gebieten eine wertvolle Ressource. Sehen Sie neben neuen Ansätzen für die Forschung auch Potenziale für eine Verbesserung des Gesundheitssystems?

Woopen: Big Data und gute Algorithmen können uns helfen, ein lernendes Gesundheitssystem zu etablieren. Aktuell gehen täglich Millionen von Daten aus der Gesundheitsversorgung verloren. Ein Beispiel: Ein Medikament wird in klinischen Studien unter standardisierten Bedingungen getestet. Im Alltag stellt sich dann vielleicht erst nach Jahren heraus, dass dieses Medikament zwar die Symptome lindert, die Patienten und Patientinnen aber früher sterben. Welche Neben- und Wechselwirkungen Medikamente haben, findet man letztlich nur heraus, wenn man Daten systematisch unter Alltagsbedingungen erhebt, aufbereitet und auswertet.

CERES IM ÜBERBLICK: ceres bietet ein einzigartiges Forum für den interdisziplinären und internationalen Austausch rund um gesellschaftlich relevante Fragen im Bereich der Gesundheit. Aktuelle Themenschwerpunkte sind Altern und demografischer Wandel, Gesundheitskompetenz in komplexen Umwelten sowie Gesundheit und Gesellschaft im digitalen Zeitalter. Aktuelle Forschungsprojekte aus dem Digitalisierungs-Schwerpunkt:

— Digitalisierung für ein Lernendes Gesundheitssystem: Entwicklung eines Mehrebenen-Modells von Ethical Governance (LEG2ES)
http://ceres.uni-koeln.de/forschung/projekte/leg2es/
— Entwicklung einer Orientierungshilfe zur Stärkung der Verbraucherkompetenz beim Umgang mit digitalen Gesundheitsinformationsangeboten (OriGes)
http://ceres.uni-koeln.de/forschung/projekte/origes/

— Selbstbestimmtes Einverständnis bei Gesundheits-Apps (AutCons-App)
http://ceres.uni-koeln.de/ forschung/projekte/autcons-app/


Dabei geht es allerdings um sehr sensible Daten. Welche rechtlichen und ethischen Voraussetzungen müssen geschaffen werden, damit ein lernendes Gesundheitssystem funktionieren kann?

Woopen: Ein lernendes Gesundheitssystem kann natürlich nur dann funktionieren, wenn es Regulierungen auf unterschiedlichen Ebenen gibt. Wichtig ist dabei, dass die Menschen darauf vertrauen können, dass mit ihren Daten kein Missbrauch getrieben wird. Wir haben bei ceres gerade das Forschungsprojekt »Digitalisierung für ein Lernendes Gesundheitssystem« gestartet, in dem wir ein Mehrebenen-Modell einer Ethical Governance entwickeln wollen, das Politik und Praxis bei der Einführung eines lernenden Gesundheitssystems unterstützen soll.

Ein großes Problemfeld in diesem Zusammenhang ist der Datenschutz. Man denke nur an die zahlreichen Gesundheitsapps, bei denen sich doch niemand tatsächlich die Mühe macht, sich die Datenschutzbestimmungen durchzulesen.


Woopen: Das stimmt leider. Als Nutzer möchte ich wissen, wo meine Daten gespeichert werden, an wen und zu welchem Zweck sie weitergegeben werden. Und das, ohne vorher seitenlang schwer verständliche, juristische Texte lesen zu müssen. Da besteht dringend Nachholbedarf. Im Projekt »Selbstbestimmtes Einverständnis bei Gesundheits-Apps« beschäftigen wir uns bei ceres daher damit, wie man die Einwilligung zur App- und Datennutzung so gestalten kann, dass die Datenschutzbestimmungen eben nicht einfach akzeptiert und weggeklickt werden. Die besonders relevanten Fragen zur Datennutzung sollten auf einen Blick zu erkennen sein. Nutzer und Nutzerinnen sollten auch ohne großen Aufwand die Möglichkeit haben, die Weitergabe der Daten zu untersagen. Wünschenswert wäre der Weg, dass die Grundeinstellung einen maximalen Datenschutz vorgibt, und die Freigabe zur Datenweitergabe jeweils aktiv angeklickt werden muss. Zudem müssen ein unautorisierter Zugang zu den Daten und ihre nicht autorisierte Verwendung hart bestraft werden.

Die medizinischen Daten könnten ja auch von Ärztinnen und Ärzten genutzt werden, etwa in einer digitalen Gesundheitsakte. Die e-Akte wird immer mal wieder diskutiert, aber aus Datenschutzgründen natürlich mit Skepsis gesehen. Würden Sie deren Einführung befürworten?

Woopen: Ja, unbedingt. Ich begleite ja beratend die Entwicklung der digitalen Gesundheitsakte der Techniker Krankenkasse aus ethischer Perspektive. Dabei kommt es mir darauf an, dass die Patientin und der Patient im Mittelpunkt stehen. Wir haben bei ceres vor einiger Zeit zum Beispiel ein Konzept digitaler Selbstbestimmung mit sieben Komponenten entwickelt: Kompetenz, Informiertheit, Werte, Wahlmöglichkeit, Freiwilligkeit, Willensbildung und Handlung. Für mich ist dieses Konzept wichtig, um prüfen zu können, ob die Gesundheitsakte die Selbstbestimmung der Patientinnen und Patienten auch tatsächlich unterstützt.

Welche Vorteile haben denn die Nutzer und Nutzerinnen von der digitalen Gesundheitsakte?

Woopen: Die Akte kann eine wichtige Informationsquelle sein und die Gesundheitskompetenz unterstützen. Man hat unmittelbaren Zugriff auf die eigenen Daten, kann sie in ihrem Zusammenhang verstehen und auch im Behandlungsverlauf selbst verwalten. Wenn man zum Beispiel zu einem neuen Arzt gehen möchte, muss man nicht erst eine Reihe früherer Ärzte kontaktieren und Kopien beantragen. Ich habe neulich eine Patientin gesprochen, die an einer Form der Glasknochenkrankheit, also sehr leicht brechenden Knochen, leidet. Sie darf nicht schwer heben, ihre gesammelten Papierakten wiegen aber inzwischen 16 Kilogramm! Sie kann diese Infos alle auf ihrem Smartphone haben, weil sie eine Akte entwickelt hat, die webbasiert ist. Sie selbst und die jeweiligen Ärztinnen und Ärzte können sich damit viel schneller einen Überblick verschaffen.

Ließe sich vielleicht sogar ein Gang zum Arzt oder zur Ärztin sparen, weil der Patientenkontakt digitalisiert wird?

Woopen: Gerade in ländlichen Gegenden spricht meiner Meinung viel dafür, dass man sich – anstatt zur Praxis zu fahren und sich dort lange ins Wartezimmer zu setzen – über eine geschützte Internetverbindung per Videokonferenz austauschen kann. Außerdem werden Patienten und Patientinnen zukünftig sicher auch viele Daten generieren, die sie an den Arzt oder die Ärztin übertragen können, um telemedizinisch individuell betreut zu werden. Ein Beispiel sind Blutdruckerhebungen zur Vermeidung von Spitzenwerten, die die Gefahr für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erhöhen würden. Das erleichtert also nicht nur den Fachkräften die Arbeit, sondern kommt auch Patienten und Patientinnen zugute.

Sind diese Daten denn überhaupt verlässlich? Schließlich werden sie dann von medizinischen Laien erhoben.

Woopen: Das kommt vor allem auf die Instrumente an. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass der größte Teil der sogenannten Gesundheitsapps, die aktuell auf dem Markt sind, nicht qualitätsgestützt ist. Nur wenige Apps sind in Deutschland nach dem Medizinproduktegesetz zugelassen. In der Qualitätskontrolle müssen wir noch große Fortschritte machen, damit transparent wird, um welche Qualität es sich bei diesen Apps handelt. Eine weitere Herausforderung: Es werden inzwischen Geräte entwickelt, mit denen Nutzerinnen und Nutzer selbst fünf Vitalparameter erfassen und mehr als zehn Krankheiten, etwa eine Schilddrüsenfunktionsstörung oder ein Melanom, diagnostizieren können – und das auf einem qualitativen Niveau, das einer Gruppe von angesehenen Fachärzten entspricht. Es handelt sich dabei nicht um irgendwelche Paradiesprojekte, sondern es ist tatsächlich beabsichtigt, sie in absehbarer Zeit in den USA offiziell zuzulassen. 

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Forschung
news-4775 Thu, 21 Dec 2017 07:43:00 +0100 Mehr als Scannen /index.php?id=8506&tx_news_pi1%5Bnews%5D=4775&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=d712c78af3f08a4615b0f985fab8ce55 Uni-Bibliothek bewahrt Buch-Schätze mittels digitaler Technik für die Zukunft »Das Alte Testament mit fleyss verteutscht« von Martin Luther schlummert im Bestand der Universitäts- und Stadtbibliothek (USB) – eines von zahlreichen Bänden aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert. Diese Schätze mittels digitaler Technik zugänglich zu machen und für die Zukunft zu bewahren, hat die Bibliothek sich zur Aufgabe gemacht.

Das Buch aus Venedig mit dem Erscheinungsjahr 1484 trägt den Titel »Confessionale« von Antonius Florentinus und sieht mit seinem schlichten, marmorierten Einband auf den ersten Blick nicht besonders aus. Im Inneren wird klar, um was für einen Schatz es sich handelt: Kunstvoll gestaltete Initialen und aufwändig gedruckte Lettern auf mittlerweile vergilbten Seiten lassen das Alter und den Wert des Bandes erahnen. Das Exemplar befindet sich sicher verwahrt im Bestand der USB – und mit Volltext frei zugänglich im Internet-Portal der Inkunabel-Sammlung.

Inkunabelsammlung
http://www.ub.uni-koeln.de/sammlungen/inkunabeln/index_ger.html

 

Alte Schätze ausheben

Die USB zählt wertvolle Bücher aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert zu ihrem Bestand. Mehr als 2.000 Inkunabeln – das heißt Drucke bis zum Erscheinungsjahr 1500 – werden dort aufbewahrt und erhalten. Um die historischen Bände einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und die Arbeit an den Quellen zu erleichtern, setzt die Bibliothek seit etwa fünfzehn Jahren darauf, ihre Altbestände digital anzubieten. Mit speziell dafür ausgestatteten Scannern digitalisieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter systematisch historisch wertvolle Bestände, die dann im USB-Portal und in Sammlungsportalen nach Open Access-Prinzip frei zugänglich sind. »In unserem Dezernat 4 ›Historische Bestände und Sammlungen, Bestandserhaltung und Digitalisierung‹ erforschen und verzeichnen wir auch die Herkunft der gescannten Bücher«, sagt Christiane Hoffrath, die Dezernatsleiterin: »Wem hat das Buch gehört? Wo wurde es geschrieben oder gedruckt? Ist es Teil einer größeren Sammlung? Handelt es sich vielleicht um NS Raubgut? All diese Informationen finden Eingang in die jeweiligen Online-Kataloge und bieten Interessierten weit mehr Informationen als das gedruckte Buch.« Ein Hinweis auf das jeweilige Sammlungsportal bei Wikipedia macht den Arbeitsgang komplett.

Adel und vergessene Pop-Literatur

Wer sich also zum Beispiel dafür interessiert, welche Literatur der ehemalige deutsche Botschafter Herbert von Dirksen (1882 bis 1955) in seiner Privatbibliothek gesammelt hat, kann sich darin digital umsehen. Neben Biographien bekannter Persönlichkeiten und Literatur zur Geschichte des 20. Jahrhunderts beinhaltet die von Dirksen-Bibliothek Broschüren und Flugschriften zu damals aktuellen politischen Geschehnissen. Wer Literaturproduktion und Leserinteressen der Goethezeit erforschen möchte, findet populäre Romane und Aufklärungsliteratur in der Adelsbibliothek der Gräfin Wilhelmine von Westerholt aus dem Zeitraum 1770 bis 1830. Viele der Texte sind heute vergessen.

Die USB bietet bereits ein breites Spektrum an vollständig digitalen Buch-Kollektionen an, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über eine separate Suchfunktion durchsuchen und die Texte einsehen können. »Dadurch, dass wir Privatsammlungen komplett erben oder sie virtuell wieder zusammenstellen, lassen sich mehrere Forschungsansätze gleichzeitig ins Auge fassen«, sagt Hoffrath. »Zum einen kann man die alten Texte selbst erforschen und in ihre Zeit einordnen, zum anderen gibt die Zusammenstellung der Bände Aufschluss über den Sammler oder die Sammlerin.« Auch etwa 600 Inkunabeln stehen derzeit online zur Verfügung.

Spuren der Zeit

Neben dem weltweiten, freien Zugang zu historisch interessanten Werken bietet die Digitalisierung des Altbestands noch einen weiteren Vorteil: Wenn Interessierte die Bücher digital einsehen können, müssen sie die empfindlichen Bände nicht physisch beanspruchen. So kann die Bibliothek das kulturelle Erbe besser erhalten. Das Prinzip, Volltexte digital bereitzustellen und dadurch die Ausleihe der wertvollen Altbestände zu reduzieren, scheint aufzugehen: Während die Zahl der digitalisierten Bände jährlich steigt, von 1.240 Bänden im Jahr 2014 auf 2.188 Bände allein im ersten Halbjahr 2017, sank die Zahl der in den Lesesaal Historische Sammlungen ausgegebenen Medien im gleichen Zeitraum von 2.162 auf 411.

 

Lesesaal Historische Sammlungen
Wertvolle Altbestände können nur in den Lesesaal Historische Sammlungen bestellt und dort unter Aufsicht eingesehen werden.


»Neben dem systematischen Scannen und Katalogisieren der historischen Werke bieten wir auch an, Printmedien nach Auftrag für den persönlichen und wissenschaftlichen Gebrauch zu digitalisieren«, fügt Hoffrath hinzu. Diese Möglichkeit nutzen Forscherinnen und Forscher, aber auch Sehbehinderte, denen digitalisierte Materialien per Screenreader vorgelesen werden. Für Lehrende gibt es die Möglichkeit, direkt über ILIAS gewünschtes Material scannen und in den elektronischen Semesterapparat einstellen zu lassen.

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Hochschule
news-4774 Thu, 21 Dec 2017 07:33:00 +0100 1939, Stud. Phil. Heinrich Böll /index.php?id=8506&tx_news_pi1%5Bnews%5D=4774&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=4bdb33f9a3ed1cb406f89c4d222671f0 Am 21.12.2017  hätte  Heinrich  Böll  seinen   100.  Geburtstag  gefeiert.  Eine  Etappe  auf  seinem Weg zum Schriftsteller war die Uni Köln. Die akademischen   Studien   des  späteren   Literaturnobelpreisträgers waren allerdings durch die Zeitläufte und seine persönliche Entwicklung recht kurz. Mehr Licht auf die bisher  obskure  Episode  im  Leben  des  Kölner  Schriftsteller s wirft jetzt eine Studie des Universitätsarchivars Dr. Andreas Freitäger.  

Heinrich Böll an der Universität? An der Universität zu Köln? Bei der Betrachtung von Heinrich Bölls Biographie gerät die Universität zu Köln  »sicher  nicht  als  erstes  in   den Blick«, formuliert es Andreas Freitäger  vorsichtig. Und  doch hat der  international  bekannte  deutsche Schriftsteller, der durch sein Werk als moralisches Gewis- sen der Nachkriegszeit galt, hier studiert – allerdings nur  für drei Semester: Über die kurze Studienzeit des Schriftstellers  war  bis  jetzt wenig  bekannt. Freitäger  hat  deswegen den ersten Band der Reihe »Sedes Sapientiae« – Beiträge  zur Kölner  Universitäts-  und  Wissenschaftsgeschichte – dem Studium Bölls gewidmet.  

Lateinische Stilübungen und Goethe

Im Sommer 1939 immatrikuliert sich der Abiturient Böll  für  das  Studium  der  Alt-Philologie  und  der  Germanistik, im Herbst wird er zur Wehrmacht einberufen. Sechs  harte,  prägende Kriegsjahre  folgen.  Erst  im  Mai 1946 kann Böll sich erneut  immatrikulieren  und  sein Studium fortsetzen – bis er sich 1947 nach zwei weiteren Semestern exmatrikuliert.

 Das  von  Böll  geführte  Studienbuch  gelangte im Februar   2009   mit    weiteren   Nachlassunterlagen   in das Historische Archiv der Stadt Köln und befand sich dort,    als am 9. März 2009 das Magazingebäude einstürzte. Es gilt derzeit als vermisst. Im Archiv der Universität liegen jedoch seit Jahrzehnten die Matrikelkarte des Nobelpreisträgers und die von 1926/27 bis 1952 lückenlos erhaltenen Kolleggeldrechnungen der Universitätskasse. Aus ihnen lässt sich der Studienverlauf Heinrich Bölls lückenlos rekonstruieren. Zum Vergleich zog Archivar Freitäger Unterlagen von Kommilitonen und akademischen Lehrern des Schriftstellers heran.

Böll besuchte vor wie nach dem Krieg Vorlesungen Ernst Bertrams über Goethe – Reminiszenzen daran finden sich später in seinen Werken. Daneben belegte Böll 1939 Veranstaltungen von Gottfried Weber über die Geschichte der Deutschen Dichtung im Spätmittelalter, griechische und lateinische Stilübungen bei Wolfgang Schmid und zusätzlich Veranstaltungen in Philosophie. Einen Berufswunsch für die Zeit nach seinem Studium hatte er damals offengelassen. »Bölls Studien lassen aber am ehesten den Schluss zu, dass er eine Lehrerkarriere ins Auge gefasst hatte«, so Freitäger. Sein Studium dauerte nicht lange. Anfang September wurde Böll zur Wehrmacht einberufen und von der Uni »als Wehrmachtsangehöriger ohne Gebühr beurlaubt«.

Neustart nach dem Krieg

Im Mai 1946, wenige Monate nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft, immatrikulierte sich Böll erneut an der Uni. Im Wintersemester 1946/47 belegte er noch Veranstaltungen zur Philosophie, dem jungen Schiller und zur Deutschen Dichtung der jüngeren Zeit. Zu dieser Zeit waren schriftstellerische Arbeiten bereits in den Vordergrund getreten. Im August 1946 hatte er die Beurlaubung für das Wintersemester beantragt, um sich ganz seinen freien schriftstellerischen Arbeiten widmen zu können. Dies wurde nicht bewilligt. Am 21. April 1947 exmatrikuliert sich B ren schriftstellerische Arbeiten bereits in den Vordergrund getreten. Im August 1946 hatte er die Beurlaubung für das Wintersemester beantragt, um sich ganz seinen freien schriftstellerischen Arbeiten widmen zu können. Dies wurde nicht bewilligt. Am 21. April 1947 exmatrikuliert sich Böll schließlich. Grund: Aufgabe des Studiums.

Weiterlesen
Andreas Freitäger: Stud. Phil. Heinrich Böll. Die Kölner Studiensemester des Nobelpreisträgers: Chronologie, Kommentar und literarische Reflexe. (Sedes Sapientiae – Beiträge zur Kölner Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte; 1). Universität zu Köln, Historisches Archiv, 2017 (ISBN: 978-3-7450-0162-4). 

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Damals
news-4773 Thu, 21 Dec 2017 05:51:00 +0100 Remixen im Unterricht /index.php?id=8506&tx_news_pi1%5Bnews%5D=4773&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=bb07d9c80171a7620d653e4ac04c804e Offene digitale Lehrmaterialien ermöglichen alternative Formen von Unterricht und Lehre Viele kennen es noch aus ihrem Schulunterricht: Lehrerinnen und Lehrer greifen zur Schere und collagieren ihr Unterrichtsmaterial aus verschiedenen Quellen und Materialien. Unterrichtsmaterialien zu erstellen, geht heute dank Digitaltechnik einfacher und schneller, vor allem wenn es sich um offene Lehrmaterialien handelt. Dabei gibt es jedoch einige Hindernisse und Fallstricke zu bedenken – insbesondere rechtlicher Art. Die Juniorprofessorin für Mediendidaktik und Medienpädagogik Dr. Sandra Hofhues forscht über die Verwendung von Open Educational Ressources (OER) in Schule und Hochschule.

Offen, frei und Remix sind Begriffe, die häufig fallen, wenn Sandra Hofhues über ihr Forschungsgebiet und das konkrete Forschungsprojekt spricht. „Bei OER handelt es sich um Unterrichtsmaterialien, die in der Regel in digitaler Form vorliegen und dabei offen zugänglich sind. Entscheidend ist der freie Zugang zu diesen Materialien, geregelt durch offene Lizenzen von Creative Commons (CC)“, erläutert Hofhues. Mit solchen Creative Commons-Lizenzen können beispielsweise Kursmaterialien, Aufgabensammlungen, Videos oder Simulationsprogramme versehen sein, die im Schulunterricht, in der Hochschullehre oder in der Weiterbildung genutzt werden.

Creative Commons (CC)
Mit offenen Lizenzen von Creative Commons (CC) räumt der Urheber den Nutzerinnen und Nutzern bestimmte Rechte an seinem Werk ein, zum Beispiel das Recht, ein Werk zu kopieren, zu verändern oder zu verbreiten. Das Lizenzmodell von CC umfasst sechs „freie Lizenzen“, die es der Nutzerin oder dem Nutzer gestatten, ein Werk unter festgelegten Bedingungen in einer bestimmten Art zu verwenden.

 

Indem die Lernenden in die Entwicklung von OER einbezogen werden, können unterschiedliche und zum Teil auch neue Unterrichtskonzepte umgesetzt werden. Offene Lehrmaterialien sind zudem unter Kostengesichtspunkten eine Alternative, da sie gemeinfrei von vielen Lehrenden für ihren Unterricht eingesetzt und gegebenenfalls individuell angepasst werden können.

Mehrwert gegenüber Verlagsangeboten

Es geht jedoch bei OER nicht nur um den reinen Zugriff auf die Bildungsmaterialien. Die Nutzerinnen und Nutzer sollen zudem das Recht haben, die Materialien für ihre jeweiligen Zwecke zu verändern und weiter zu verbreiten. Offene Bildungsressourcen bieten in dieser Hinsicht einen deutlichen Mehrwert gegenüber geschlossenen Unterrichtsmaterialien, etwa von Verlagen. Einschränkungen, die bei Verlagsangeboten aus urheberrechtlichen Gründen gelten, bestehen in dieser Form bei der Verwendung von offenen Bildungsressourcen nicht. Hinzu kommt, dass sich Verlagsangebote am Markt amortisieren müssen und dadurch einige Zeit unverändert eingesetzt werden. In digitaler Form vorliegende offene Lehrmaterialien können demgegenüber ständig aktualisiert werden. Das Produzieren von offenen Bildungsressourcen ist zwar auch mit Kosten verbunden, dennoch werden OER für die Lehrenden und Lernenden in der Regel kostenfrei angeboten und entstehende Kosten anders getilgt oder verteilt. So besteht zum Beispiel die Forderung, dass jegliches Material, das in Schulen und Hochschulen entsteht, frei weitergegeben werden kann beziehungsweise soll.

Remixen – Unterrichtsmaterialien individuell gestalten

Durch offene Lehr-Lernmaterialien soll sich, ähnlich wie im Musikbereich, eine „Remix-Culture“ entwickeln. In der Pop-Musik ist es sehr verbreitet, kurze Passagen und Klänge aus vorhandenen Musikstücken zu entnehmen, diese Teile zu verändern und für die eigene Musikproduktion neu zu arrangieren. Dementsprechend sollen Lehrende und Lernende gemeinsam geeignete offene Lehrmaterialien recherchieren, diese Materialien für den Unterricht anpassen und aus verschiedenen Unterrichtsmaterialien neue offene Lehrangebote erstellen. Ein Vorteil von OER ist, dass diese offenen Materialien in vielen verschiedenen Lehrveranstaltungen eingesetzt werden können. „So können beispielsweise Vorbereitungskurse in der Mathematik von anderen Dozenten genutzt und gegebenenfalls angepasst werden. Ein anderes Beispiel wären Übungsaufgaben und deren Lösungsskizzen, die als offenes Bildungsmaterial zur Verfügung gestellt und so für die Bedürfnisse des eigenen Unterrichts überarbeitet werden könnten“, erläutert Hofhues. Ob offene Bildungsressourcen im schulischen Unterricht oder in der Hochschullehre sinnvoll eingesetzt werden können, bleibt allerdings die zentrale didaktische Entscheidung. Denn Unterrichtsmaterialien machen nur Sinn, wenn eine Lehrkraft diese im Kontext eines bestimmten didaktischen Szenarios einsetzt oder bearbeitet. Gestalten und Remixen von OER sind entsprechend Methoden, um angestrebte Lernziele über Medieneinsatz in Schule und Unterricht hinaus zu erreichen.

Hofhues will Lernende dabei mit sogenannten „OERlabs“ unterstützen. „Die OERlabs verstehen wir nicht als physische Laborräume, sondern eher als symbolische Räume, die sich jede oder jeder aneignen kann. So entstehen im Bereich von Medien und Bildung unter anderem Netzwerke für den sozialen Austausch über OER und Medien ganz allgemein“, erklärt die Bildungswissenschaftlerin. „Es gibt in der Uni Köln bereits viele Einrichtungen und Gremien mit Bezug zu digitalen Medien, die wir für die Entwicklung von offenen Bildungsressourcen motivieren und vernetzen möchten", erläutert Hofhues und denkt dabei unter anderem an das Netzwerk Medien in der Humanwissenschaftlichen Fakultät und die Universitäts- und Stadtbibliothek.

Das BMBF-geförderte Praxis- und Entwicklungsprojekt „OERlabs“ (Kooperation der Universität zu Köln mit der TU Kaiserslautern):
https://oerlabs.de/
Film:
Der Mehrwert von OER für den Schul- und Bildungsbetrieb
https://youtu.be/mlIi3uTmRdE

 

Hofhues und ihr Team möchten die bestehenden Angebote so verbinden, dass Lehrende und Lernende künftig auf dieses Netzwerk zugreifen können, um OER zu entwickeln. Die auf diese Weise entstehenden OERlabs zielen vor allem auf die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer. In den OERlabs erstellen Lehramtsstudierende und Studierende des Studiengangs Intermedia unter anderem gemeinsam offene Lehrangebote oder remixen diese, damit sie im Schulunterricht eingesetzt werden können.

Medienkompetenzen bei Lehrenden und Lernenden
Gemeinsam digitale, offene Lehrmaterialien zu erstellen und zu remixen, erfordert von Lehrenden und Lernenden Kenntnisse und Fähigkeiten in der Gestaltung digitaler Medienprodukte. Außerdem ist es wichtig, fremde Informationen, die für das Produzieren von OER genutzt werden sollen, hinsichtlich ihrer Qualität bewerten zu können. Geeignete Verfahren der Qualitätskontrolle müssen für offene Bildungsressourcen allerdings noch entwickelt und etabliert werden. Gute Kenntnisse im Urheberrecht und verwandter Rechtsgebiete sowie der verschiedenen Arten von Creative Commons-Lizenzen sind notwendig, wenn fremde Inhalte verändert und als OER weiterverbreitet werden sollen. Ein Problem ist es, fremde offene Inhalte, die für die Gestaltung eigener Lehrmaterialien genutzt werden sollen, überhaupt im Internet zu finden. „Es gibt noch keine Suchmaschine oder ähnliches, wo man ganz gezielt nur nach offenen Bildungsressourcen recherchieren kann. Es ist nach wie vor sehr schwierig, die Lizenzbedingungen von einzelnen Materialien herauszufinden, weil viele Informationen im Netz nicht mit entsprechenden Lizenzen und Metadaten versehen sind“, sagt Hofhues. In Zukunft könnten OER in den Datenbanken der Hochschulbibliotheken gelistet und dabei mit Lizenzangaben versehen werden.
Das gemeinsame Erstellen von offenen Lehrmaterialien bedingt bei allen am Prozess Beteiligten eine „Kultur des Teilens“. Es sollte die Bereitschaft bestehen, fremde Inhalte beim Produzieren eigener OER anzunehmen und eigenes Wissen ohne unmittelbare Gegenleistung weiterzugeben. „Dafür ist es sehr hilfreich, dass es derzeit viele Förderlinien gibt, die dazu auffordern, Forschungsergebnisse im Sinne von Open Access frei zur Verfügung zu stellen. Der Weg, um von Open Access ausgehend auch die Lehrmaterialien frei zur Verfügung zu stellen, ist dann nicht mehr so weit, weil sich das Verständnis bezüglich Lehrmaterialien verändert.“

 

Diggi17 – Enter Next Level Learning
Die Tagung „Diggi17 – Enter Next Level Learning“ fand im Rahmen des ZfL-Themenjahres 2017 „Digitalisierung meets LehrerInnenbildung“ vom 27. – 29. September 2017 an der Universität zu Köln statt. Die vom Zentrum für LehrerInnenbildung (ZfL) organisierte Tagung bot für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Gelegenheit, über Entwicklungen der Digitalisierung im Kontext von Lehren und Lernen zu diskutieren.
Weitere Informationen zur Tagung Diggi17: https://diggi17.uni-koeln.de/
ZfL-Themenjahr „Digitalisierung meets LehrerInnenbildung“: http://zfl.uni-koeln.de/digitalisierung.html

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Studierende
news-4776 Wed, 20 Dec 2017 15:03:00 +0100 Gibt es einen Zusammenhang zwischen Asylanträgen und dem Erstarken des Populismus? /index.php?id=8506&tx_news_pi1%5Bnews%5D=4776&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=a78b94b2e879240244fc0775c665d6fc Es antwortet Prof. Dr. Christian Unkelbach, Sprecher des Social Cognition Center Cologne (SOCCO) Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) registrierte in den Jahren 2015 und 2016 mehr als eine Million Asylanträge. Gleichzeitig zeigte sich ein Erstarken populistischer Positionen in Deutschland – prominent sichtbar durch die PEGIDA-Märsche und im Erstarken der Partei »Alternative für Deutschland« (AfD). Wie lässt sich dieser Zusammenhang erklären?

Eine mögliche Antwort ist, dass Flüchtlinge als eine Beeinträchtigung wahrgenommen werden, beispielsweise aufgrund der Angst vor der Reduzierung verfügbarer öffentlicher Gelder. Um dieser befürchteten Umverteilung entgegenzuwirken, könnten Wählerinnen und Wähler populistischen Positionen unterstützen. Zahlen legen jedoch nahe, dass dies nicht die Erklärung für den Zusammenhang von Populismus, Flucht und Asyl ist. Tatsächlich zeigt sich über alle 16 Bundesländer hinweg der umgekehrte Zusammenhang: je mehr Asylanträge in einem Bundesland gestellt wurden, desto geringer ist dort die Zustimmung der Bevölkerung zu den Positionen der AfD. So gab es in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2016 insgesamt 190.625 Asylanträge bei einer Bevölkerung von fast 18 Millionen. Dies entspricht etwa einem Asylantrag pro hundert Einwohner. Neun Prozent gaben bei einer Umfrage an, die AfD wählen zu wollen. NRW ist damit das Bundesland mit den relativ (und absolut) meisten Asylanträgen und zugleich der geringsten AfD-Zustimmung.

Eine psychologische Erklärung ist, dass der Zustrom von Flüchtlingen eine hohe Verunsicherung bei vielen Menschen erzeugt (»Mehr als eine Million!«). Unsicherheit ist für Menschen ein sehr unangenehmer Zustand – und populistische Positionen versprechen eine einfache und schnelle Reduzierung dieser Unsicherheit. Wenn Verunsicherung durch menschlichen Kontakt reduziert wird, reduziert sich auch der Ruf nach schnellen populistischen Lösungen. Dies ist ein Teil der sogenannten »Kontakt-Hypothese« in der Sozialpsychologie. Die große Zahl von einer Million Asylanträgen mag Unsicherheit erzeugen, aber der direkte Kontakt mit nur einigen wenigen Geflüchteten reduziert eben diese Unsicherheit; und damit auch die Zustimmung zur AfD. 

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Wissenschaft im Alltag
news-4777 Wed, 20 Dec 2017 07:35:00 +0100 12,5 Tonnen Hochleistungsrechner /index.php?id=8506&tx_news_pi1%5Bnews%5D=4777&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=cdf5058869d10d4e99b491d1d5fbd115 12,5 Tonnen schwer ist der Hochleistungsrechner des Regionalen Rechenzentrums der Universität zu Köln. Das High-Performance-Computing-Cluster CHEOPS (Cologne High Efficiency Operating Platform for Science) ist das digitale Superhirn der Universität zu Köln. Während ein handelsüblicher PC über zwei bis acht Rechenkerne verfügt, ist CHEOPS mit satten 9.376 Kernen bestückt, die je nach Bedarf miteinander kombiniert werden können. Daraus ergibt sich eine theoretische Rechenleistung von 100 TeraFLOPS, also 100 × 1012 beziehungsweise 100 Billionen mathematischer Operationen pro Sekunde. Je nach Leistungsklasse entspricht dies etwa dem 3.000- bis 5.000-fachen eines aktuellen PCs.

Hochleistungsrechner wie CHEOPS werden für die Berechnung, Modellierung und Simulation komplexer Systeme sowie die Verarbeitung von Big Data immer wichtiger. »Wir sind sehr breit aufgestellt und haben Kunden aus den verschiedensten Bereichen der Physik, Chemie, der numerischen Mathematik, Meteorologie/Klimaforschung, Biologie, Genetik, Informatik, aber auch aus den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften«, sagt Diplom-Wirtschaftsinformatiker Viktor Achter vom Rechenzentrum der Universität zu Köln.

Genutzt wird das HPC-Cluster nicht nur von Kölner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sondern auch von Universitäten und Instituten aus ganz NRW. Nach inzwischen fast sieben Jahren Betriebszeit und circa zehn Millionen wissenschaftlichen Rechenaufträgen, für deren Bearbeitung ein einzelner Rechenkern astronomische 388 Millionen Stunden gebraucht hätte, ist für CHEOPS der wohlverdiente Ruhestand in Sicht. Ersetzt wird er durch einen neuen Supercomputer, der CHEOPS voraussichtlich um das Zehnfache übertreffen und mit einer Rechenleistung von über einer Billiarde Operationen pro Sekunde in den PetaFLOPS-Bereich vordringen wird. 

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Uni in Zahlen