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Robins Abenteuerwoche  
Eine Zeitreise zu den 
Cologne Summer Schools 2017

Eine Story von Hannah Edler, Victoria Busch und Christiane Biehl

 

Liebes Tagebuch,

ich bin’s, Robin, wieder zurück in Tasmanien und im Jahr 3150. Ich habe lange Zeit nichts mehr geschrieben, aber kürzlich erlebte ich etwas Außergewöhnliches. Ich machte eine Zeitreise in das Jahr 2017, um an verschiedenen Cologne Summer Schools der Universität zu Köln teilzunehmen. 

 

Vor meiner Reise

Ich schreibe zurzeit meine Abschlussarbeit zum Thema „die Geschichte der internationalen Beziehungen in der Bildung“, damit ich meinen Bachelor in „Internationalen Beziehungen und Kommunikation“ an der Universität von Tasmanien beenden kann. Ich hatte Schwierigkeiten, ein Thema zu finden, weshalb ich meine Professorin um Rat fragte. Schließlich kam sie auf eine gute Idee. Sie schlug vor, dass ich mich für ein Zeitreise-Stipendium bewerben könnte, um zu recherchieren, wie Menschen aus der Vergangenheit mit dem Thema der Internationalen Beziehungen in der Bildung umgegangen sind. Weil Zeitreisen aber immer noch sehr teuer sind und nur wenige Stipendien vergeben werden, war ich erst entmutigt, eine Bewerbung zu schreiben. Trotzdem sammelte ich alle notwendigen Unterlagen zusammen; zu sehr begeisterte mich die Idee, durch unterschiedliche Bildungsprogramme reisen zu können, um Daten für meine Arbeit zu sammeln. 

Einen Monat später erhielt ich endlich eine Antwort vom Australischen Bildungszeitreise- Service. Ich traute meinen Augen kaum, als ich die folgenden Zeilen las:
 

Sehr geehrte(r) Robin Ratforth,

im Namen des Auswahlkomitees des Australischen Bildungszeitreise-Service möchte ich Ihnen mitteilen, dass Sie für ein Zeitreise-Stipendium ausgewählt wurden. Bitte melden Sie sich bei mir, damit wir weitere Schritte organisieren können.

Freundliche Grüße

i. A.  Dan Walker
Australischer Bildungszeitreise-Service

 

Ich war so aufgeregt, dass ich sofort überlegte, wohin es gehen sollte. Ich erinnerte mich an eine Dozentin aus Deutschland, die einen virtuellen Talk über die Geschichte der Kommunikation gehalten hatte. Professorin Schmidt hatte betont, dass Kommunikation nicht immer so schnell, einfach und unpersönlich gewesen war wie heute.

Sie erklärte, dass Leute, die in den frühen 2000er lebten, auf eine physikalisch aktive Weise kommunizierten, indem sie sich von A nach B bewegten und persönlich miteinander sprachen. Da ich Australien noch nie verlassen habe und an digitale Kommunikation gewöhnt bin, war ich sehr aufgeregt, in ein anderes Land, eine andere Stadt UND in eine andere Zeit zu reisen – eine Zeit in der Vergangenheit, in der ich eine alte deutsche Universität besuchen könnte.

Ich recherchierte nach mehreren deutschen Universitäten und fand die Universität zu Köln. Es stellte sich heraus, dass sie eine der renommiertesten deutschen Universitäten ist. Einer der Gründe für ihre hervorragende Reputation sind die sogenannten Cologne Summer Schools, die vom International Office und anderen Institutionen der Universität zu Köln in Köln und in aller Welt organisiert wurden.

Während meiner virtuellen Teilnahme an einer Summer School auf dem Mars im letzten Jahr, stellte ich fest, dass sich Summer Schools sehr gut eignen, um sich effizient neues Wissen anzueignen. Ich war auf einmal sehr neugierig und wollte wissen, wie Summer Schools in der Vergangenheit als Kommunikationsmittel im akademischen Kontext verwendet wurden.

Mit meinem Zeitreise-Stipendium würde ich erfahren, wie Kommunikation in der internationalen und interdisziplinären Bildung, im Jahr 2017, funktionierte.

 

 
Meine Zeitreise zu den Cologne Summer Schools 2017

 

Köln, Deutschland: International Perspectives in Teacher Education

Zur Webseite dieser Summer School

Gestern Abend kam ich von meinem einwöchigen Ausflug in das Jahr 2017 zurück. Ich habe sieben Cologne Summer Schools besucht, die in unterschiedlichen Ländern stattfanden und sich mit vielfältigen Schwerpunkten und Themen befassten. Das faszinierendste an diesen Summer Schools war die Anzahl der repräsentierten Länder durch die Studierenden.

Ich hatte das Gefühl, dass die ganze Welt vertreten war. Ich begann meine Reise in der Stadt Köln, die im Vergleich zu ihrer Größe im Jahr 3150, wie ein kleines Dorf wirkte. An der Universität zu Köln fand ich heraus, dass eine Summer School, die drei Wochen dauert, als Kurzzeitprogramm bezeichnet wird.

Das Thema der ersten Summer School, an der ich teilnahm, lautete: Cologne Summer School on International Perspectives in Teacher Education. Um mehr über das Konzept dieser Summer School herauszufinden, begann ich meine Recherche mit einem Interview über den Inhalt der Cologne Summer Schools. 

Ich dachte mir, dass es sinnvoll wäre, das Interview mit Rosie, dem Kaninchen, zu führen, da sie die Rahmenbedingungen der Summer Schools und ihre Ziele sehr gut kannte. Schließlich war sie seit einigen Jahren das Cologne Summer Schools Maskottchen und kannte sich aus.

Ich erhielt sehr interessante und überraschende Antworten in Bezug auf die Effekte, die die Summer Schools auf Studierende haben können.

Zuerst erklärte mir Rosie, dass das Verbessern der eigenen Fremdsprachenkenntnisse, an dem Ort, an dem eine Sprache gesprochen wird, der effizienteste und aufregendste Weg ist.

Man hat die Möglichkeit, neue Menschen in ihrer natürlichen Umgebung kennen zu lernen und ihre Akzente und Dialekte wahrzunehmen. Man kann sich seines erlernten Wortschatzes bedienen, aber auch Alltagssprache erlernen, indem man am Leben der Kommiliton*innen teilnimmt. Man kann interagieren und verschiedene akademische Themen aus unterschiedlichen Perspektiven diskutieren; all dies geschieht in realen Seminarräumen. So haben Studierende die Möglichkeit, lokale akademische Ansätze und Herangehensweisen durch die vor Ort lehrenden Professor*innen kennenzulernen.

Man verbringt mehrere Wochen in einer neuen Kultur und gewöhnt sich an andere Lebens- und Studienbedingungen. All diese Aspekte erweitern den eigenen Horizont enorm. Aus diesem Grund nehmen Studierende lange Reisen auf sich und investieren viel Zeit in solche Programme.

Obwohl ich über Rosie’s Art zu denken überrascht war, wurde ich zunehmend neugieriger und wollte unbedingt meine eigenen Erfahrungen machen. Ich versuchte zu erklären, warum ich immer noch skeptisch gegenüber dieser zeitaufwendigen und unbequemen Methode war. Rosie aber lächelte mich nur schelmisch an und begleitete mich zu einem Seminarraum.

Darin fand ich Studierende aus vielen Ländern der Welt vor: aus Kanada, den USA, Kamerun, China und Taiwan, Russland, Tschechien und Deutschland. Rosie stelle mich als einen Gast aus der Zukunft vor, was als Witz aufgefasst wurde; nichtsdestotrotz wurde ich herzlich willkommen geheißen. Plötzlich fand ich mich inmitten sehr lebhafter Diskussionen über die Relevanz der Naturwissenschaften im Lehramtsstudium und über die Auswirkungen der Globalisierung auf die Bildung wieder. 
 

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Ich blieb zwei ganze Tage, die unglaublich schnell vorübergingen, bei der Gruppe. Wir beschäftigten uns mit sehr verschiedenen praktischen Ideen, wie man das Feld der Lehre verbessern kann und reflektierten aktuelle Theorien und praktische Beispiele zu diesen Themen.

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Das Beste an dieser Erfahrung war, dass ich mit Menschen aus anderen Ländern von Angesicht zu Angesicht sprechen konnte. Ich konnte ihnen persönliche und kulturbezogene Fragen stellen und zum Ende meiner Zeit dort hatte ich sogar das Gefühl, neue Freunde gefunden zu haben. Nicht nur die Seminare gefielen mir sehr gut, auch freute ich mich sehr darüber, in der historisch und kulturell faszinierenden Stadt Köln sein zu dürfen; mit ihrem Kölsch, dem beeindruckenden Dom und dem wunderschönen Rhein. 

Dadurch, dass einige der Studierenden dieser Summer School aus China kamen und die Universität zu Köln eine Summer School in Shanghai anbot, entscheid ich mich dafür, dass China mein nächstes Ziel sein sollte. 

 

Shanghai, China: Chinese Language and Culture

Zur Websiete dieser Summer School

Ich habe in Australien einen Kurs zur Sprache und Geschichte Chinas im 21. Jahrhundert belegt. Daher war ich der Meinung, dass ich nicht zu überrascht über den Aufenthalt in Shanghai sein würde.

Aber in dem Moment, als ich den Fuß auf Shanghai‘ s Boden setzte, realisierte ich, dass ich völlig falsch gelegen hatte. Diese farbenfrohe und lebendige Stadt in Person zu besuchen und die Studierenden und Professor*innen von der Tongji Universität kennen zu lernen, eröffnete mir eine komplett neue Perspektive. Dieses Gefühl verstärkte sich, als ich anfing, eine Beziehung zu meinen chinesischen Kommiliton*innen aufzubauen; dies gab mir die Möglichkeit, die Sprache auf einem völlig neuen und unbekannten Niveau zu sprechen. 

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Während des Unterrichts in chinesischer Kaligraphie und in Tai-Chi, den Exkursionen in die altertümliche Wasserstadt Xitang und zu der unglaublichen Stadt Hangzhou, realisierte ich, dass es so viel erfüllender ist, etwas über einen Ort an diesem Ort selbst zu lernen. Ich begann die Hintergründe der Sprache zu verstehen und die Kultur erwachte förmlich zum Leben. 

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Spanien: Identidades inestables

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Ich fühlte mich so überwältigt von den beiden Cologne Summer Schools, dass ich Schwierigkeiten hatte, mein nächstes Ziel auszuwählen. Die Entscheidung fiel auf Europa, genauer auf Spanien, das ich näher kennen lernen wollte.

Masterstudierende, Doktorand*innen und Dozierende, die an der Summer School in Andalusien teilnahmen, kamen aus den unterschiedlichsten Disziplinen, so zum Beispiel Literatur, Sprachwissenschaften, Kulturwissenschaften, Geschichte, Kunstgeschichte, Musik, Soziologie und Wirtschaft. Die Summer School beschäftigte sich unter anderem mit Migration, was sehr hilfreich war, da dieses Phänomen auch in meiner Zeit nicht verschwunden ist.

Daher ist essentiell für die Zukunft, dass sich die Menschen im Jahr 2017 mit diesem Thema auseinandersetzen und versuchen, gemeinsam Lösungen zu finden.
 

Die unzähligen Ausflüge durch Andalusien waren eine unglaubliche und authentische Erinnerung daran, dass Vielfalt und Unterschiede Menschen nicht daran hindern müssen, miteinander zu leben. Natürlich sind internationale Treffen auch geprägt durch ein Aufeinandertreffen verschiedenster wertvoller Perspektiven, doch finden diese während einer Summer School in einer sicheren und geschützten Umgebung statt.

In meiner Zeit ist die Thematik des emotionalen Lernens kaum vorhanden, da der enorme Einfluss der digitalen Medien dazu führt, dass man fast ausschließlich zu Hause ist und keine fremden Kulturen und unterschiedlichen Gesellschaften mit all seinen Sinnen erlebt.

 

Israel: Helios Schools – Inclusive University Schools of the City of Cologne meets the International Democratic Education Conference (IDEC) 2017

Ein überraschender Aspekt der 2000er war, dass es eine ganze Weile dauerte, bis die Gesellschaft homosexuelle Menschen akzeptierte und respektierte und ihnen dann schließlich auch die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubte.  

Warum ist dieses Thema von Bedeutung? Ich besuchte Israel, weil sich die Summer School „Helios Schools – Inclusive University Schools of the City of Cologne meets the International Democratic Education Conference (IDEC) 2017“ mit den verschiedenen Bereichen der Diskriminierung con Mitgliedern der LGBT-Gemeinschaft sowie dem Holocaust, bei dem mehrere Millionen Juden, in der Mitte des 20. Jahrhunderts ermordet wurden, beschäftigte.

Die Teilnehmer*innen sprachen daher hauptsächlich über die Wichtigkeit, sich darüber gewahr zu sein, was demokratische Bildung ist, sein kann und sein sollte und was aus den vergangenen und gegenwärtigen Problemen gelernt werden kann. Die Möglichkeit zu haben, über diese Themen mit Betroffenen zu sprechen und die damit verbundenen Emotionen zu erleben, war sehr beeindruckend.

Da ich diese Gefühle, die nicht nur positiv waren, mit einer Gruppe von wunderbaren jungen Menschen teilen durfte, musste ich sie nicht mit mir allein ausmachen. Selbst wenn eine Zeitreise in die Zeit des Zweiten Weltkrieges nicht verboten wäre, hätte ich mich nicht getraut, dort allein hinzureisen. 

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Deutschland, Italien, Griechenland: Grand Tour 2017

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Es war toll zu erfahren, dass ich mich für die Grand Tour Cologne Summer School bewerben konnte, wenn ich zu mehreren Orten gleichzeitig reisen wollte.

Während dieser Tour ging es von Kassel in Deutschland nach Venedig in Italien und nach Athen in Griechenland. So könnte ich mehr als nur ein Land und eine Sprache erleben und mehr als ein Thema behandeln. Jeder, der sich für bildende Kunst, ästhetische Bildung, Intermedia oder Medien und Kulturwissenschaften interessiert, wäre in dieser Summer School genau richtig gewesen.

Die verschiedenen Ausstellungen und die beeindruckende Street Art in den unterschiedlichen Städten waren wunderbar und ermöglichten es mir, Kunst hautnah zu erleben. Zusammenfassend: Man ist quasi eins mit der Kunst.

 

Ägypten: Cologne Aswan Summer School

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Apropos „Zurückreisen in die Zeit und Vergangenes erfahren“; dies führt mich direkt zu dem Thema der Köln Aswan Summer School in Ägypten. Die Themen waren „Heritage Management“ und „Storytelling“. Dieses Programm hat mich besonders berührt, da ich die Chance bekam, mein neu erlangtes Wissen direkt mit meinem Aufenthalt in 2017 und meinen Ideen für die Abschlussarbeit zu verknüpfen.

Um diesen Tagebucheintrag zu verfassen habe ich versucht einige der Elemente, die für ein gutes „Storytelling“ notwendig sind, anzuwenden. Zuerst brauche ich einen guten Grund eine Geschichte zu schreiben. Dies erscheint mir nicht allzu schwer, da der Abgabetermin meiner Abschlussarbeit bevorsteht.

Zweitens benötige ich eine Heldin oder einen Helden. Ganz eindeutig sind die Held*innen die Summer Schools, die Teilnehme*innen und – natürlich ich selbst, da ich mich gewagt habe, diese Reise anzutreten.

Drittens ist eine konfliktreiche Situation ein guter Anfang für eine Erzählung. In diesem Sinne haben mich meine Schwierigkeiten, ein gutes Thema für meine Abschlussarbeit zu finden, in Konfliktsituationen gebracht, die zu meiner Zeitreise-Erfahrung führten.

Zuletzt sind Emotionen und ein Gefühl für „Teilbarkeit“ essentiell für eine gute Geschichte. Einerseits, macht das Sinn. Andererseits ist das Vermitteln von Emotionen nie so einfach wie es scheinen mag. Ich erkannte, dass Menschen kennenzulernen mich automatisch dazu drängt, selbstreflexiver zu sein. Ich fühlte mich teilweise sogar überwältigt und brauchte einige Pausen zwischen Seminaren um meine Gefühle und Eindrücke zu sortieren.

Glücklicherweise achteten die Koordinatorinnen der Summer Schools immer auf unseren emotionalen Zustand und versorgten uns ausreichend mit Pausen und Nahrung.

Ich bin davon überzeugt, dass meine Geschichte eine sehr große „Teilbarkeit“ aufweist. Jeder, der das Interesse daran hat, ins Ausland zu gehen und neue Kulturen, Länder, Sprachen, Menschen und Themen zu kennenzulernen, ist herzlich willkommen, sich an der Universität zu Köln für ein Summer School zu bewerben.

In terms of heritage management I have learned that there exist three aspects to focus on: Conserving heritage, pluralizing pasts, and promoting and raising awareness of a heritage. Pluralizing pasts in this case means to remind us that perspectives on past events can change and vary within a society. Witnessing all these students from different areas in the world made me realize that this pluralization can develop into a number of various identities we need to be aware of, and it can build a diverse society that needs to be promoted.

 

Kambodscha: Cambodian History and Culture

Indien: Indian History and Culture

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So wichtig und wunderbar es ist, über alle diese relevanten Themen zu sprechen, so passiert es doch oft, dass wir an gewisse Länder nicht denken. Dies sind häufig Länder und Menschen, denen es nicht möglich ist, von den Vorteilen und Chancen einer globalisierten Welt zu profitieren. Ein solches Land ist zum Beispiel Kambodscha. Die Universität zu Köln konzentriert sich jedoch, dank ihres Forschungsschwerpunktes in Südasien- und Südostasien-Studien, auch auf Länder wie Kambodscha oder Indien

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Deshalb konnten im Jahr 2017 Studierende entweder drei Wochen in Kambodscha oder zwei in Indien verbringen. Beides, eine Gelegenheit, die man nicht verpassen sollte. Ich muss zugeben, dass meine Erfahrungen in der Cologne Summer School on Cambodian History and Culture mehr als jede andere theoriebasierte Vorlesung dazu geführt hat, dass ich besser verstehen kann, was es heißt in einem Land zu leben, das im Jahr 2017 auf Platz 143 von 188 der „am wenigsten entwickelten“ Länder der Welt steht. Kambodscha hatte mit dem sogenannten Khmer-Regime zu kämpfen, das die Ermordung von mehr als drei Millionen Menschen zu verantworten und einen Bürgerkrieg ausgelöst hat, dessen Auswirkungen bis heute zu spüren sind.

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Die Chancen auf eine Ausbildung im Vergleich zu Australien sind viel kleiner. Jedoch wäre es kein vollständiges Bild, wenn ich nur von den negativen Aspekten spräche. Ehrlich gesagt, wird hier jeder immer mit einem großen Lächeln willkommen geheißen. Die Menschen Kambodscha‘s haben sich an verschiedenste Lebensbedingungen angepasst, sei es in ländlichen Regionen oder auf dem Wasser, da es in Kambodscha viele große Seen und Flüsse gibt.

Schwimmende Häuser verhindern, dass die Wohnungen bei Überschwemmungen überflutet werden. Sehr schnelle Kanus bringen einen praktisch überall in kürzester Zeit hin. Großartige Freiwilligenarbeit und beeindruckende Projekte helfen Kindern in ganz Kambodscha mehr Chancen auf eine bessere Bildung zu erhalten. Neben all diesen eher ernsten Themen hat Kambodscha aber auch beeindruckend Schönes zu bieten, so zum Beispiel eine außergewöhnliche Anzahl an Tempeln, die unglaubliche Erzählungen aus der religiösen Geschichte Kambodschas‘s erzählen und viele Traditionen und Glaubensrituale wiederspiegeln, die bis heute eine wichtige Rolle spielen. Ich hatte schon einmal gehört, dass Indien sehr berühmt sei für seine Vielfalt und seine kulturelle Breite wie Tiefe.

 

 

Indien: Graphic Literature

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Während meiner Teilnahme an der Cologne Summer School on Graphic Literature in Indien, hatte ich das Gefühl, dass die kulturellen Eindrücke unendlich waren.

Alles, was man mir bis dahin über Indien erzählt hatte und all die Bilder, die ich gesehen hatte, beschrieben nicht annähernd die überwältigenden Momente, die ich fühlte, als ich zum Beispiel den außergewöhnlichen und sagenhaften Taj Mahal persönlich besuchte. Auch das Durchkommen durch die Menschenmassen auf den berühmten farbenfrohen Märkten Indiens war ein echtes Abenteuer; es gab so viel zu sehen: Kunst, Essen, Musik, Farben, Handmalereien und Kleidung. Es war wie eine niemals enden wollende Kette an Schätzen für meine Sinne. Indien sowie Kambodscha hatte nicht immer die einfachsten Beziehungen zur westlichen Welt.

Der westliche Einfluss hat diese Länder einerseits positiv und andererseits negativ beeinflusst. Religiöse Konflikte eskalierten in der Vergangenheit und teilweise auch im Jahr 2017. Frauenrechte sind stark eingeschränkt. Die ländlichen Gebiete erstrecken sich über das ganze Land und Arbeit ist körperlich sehr hart und fordernd. Solche und andere Themen – wie die „Übertretung der gesellschaftlichen Normen und Grenzen“, „(modernere) Landwirtschaft und Industrialisierung“, „Wiedergeburt“, „ökologische und menschenrechtliche Problematiken“ sowie „Indiens Aufstieg in die Moderne und der Eintritt in den globalen Wettbewerb“ – wurden anhand von sogenannten Graphic Novels diskutiert.

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Die Graphic Novels halfen den Summer School Teilnehmer*innen, sich mit den Charakteren der Geschichten sowohl visuell als auch textlich zu identifizieren. Dadurch gelang es ihnen aus ihrem bisherigen Textbuchdenken auszubrechen. Während der Seminare und den Workshops über die Kolonialzeit Indiens konnten sie die Konsequenzen vor Ort erleben und Indiens politischen, wirtschaftlichen und sozialen Status-quo umfassender und tiefgreifender diskutieren.

Dank der Chance mit Inderinnen und Indern zu sprechen, war es schließlich möglich, anstatt „über“ Indien „mit“ Indien zu sprechen. Genau das ist eines der Ziele der Cologne Summer Schools, die außerhalb Deutschland stattfinden. Selbstverständlich können zum Beispiel Studierende aus Australien ihre „westlich beeinflusste“ Denkweise nicht innerhalb von zwei bis drei Wochen völlig aufgeben, aber wenigstens haben sie die Chance, eine bessere und emotionalere Beziehung zu Indien und seinem Erbe zu entwickeln, die wiederum helfen kann, ein Bewusstsein für die indische Lebensart im eigenen Land zu verbreiten. Denn das ist schließlich der Anfang von einem besseren interkulturellen Verständnis und einer diverser denkenden Gesellschaft. 
  

Zurück in Köln,

war ich sehr traurig, als ich realisieren musste, dass meine Reise fast vorbei war. Allerdings traf ich noch einmal Rosie, das Kaninchen. Sie munterte mich wieder auf, indem sie mir erklärte, dass es nächstes Jahr, 2018, eine Cologne Summer School in Köln zu einem sehr interessanten, interdisziplinären Thema, nämlich: „Challenges and Opportunities for a Multilingual Society – Migration, Movement, Language, Psychology and Education“ geben würde, wofür man sich ab jetzt bewerben könne.

Rosie fragte mich, ob ich wüsste, dass die Universität zusätzlich auch Summer Schools für internationale Alumni anbietet, die vom Alumni Netzwerk KölnAlumni WELTWEIT organisiert werden. Jede/r, die/der an den Summer Schools teilgenommen hat, hat die Möglichkeit zurückzukehren und mit all den wunderbaren Menschen, der Stadt Köln und der Universität in Verbindung bleiben.

 
Nach meiner Rückkehr in das Jahr 3150

Ich brauchte eine ganze Nacht, um die Fülle der Erfahrungen zu verarbeiten, die ich gemacht habe. All das neu gewonnene Wissen, die Freude, die Emotionen, die Freundschaften, die aufregenden Kulturen und Sprachen und Themen der Summer Schools werde ich nie vergessen. Studierende aus dem Jahr 2017/18, ihr habt ein solches Glück diese Reisen machen zu können und ein Teil von solch speziellen und gut organisierten Programmen sein zu können, die an so vielen unterschiedlichen Orten stattfinden.

Es ist definitiv eine der besten Möglichkeiten aus dem Trott der intensiven und durchstrukturierten Studienpläne auszubrechen und verschiedene Orte in der ganzen Welt, mit allen Sinnen zu erleben. Darüber hinaus kann man lernen, sich auf Menschen mit anderen kulturellen Hintergründen einzulassen und über unzählige bedeutende Themen zu sprechen; sowohl über solche, die das alltägliche Leben als über auch solche, die unsere Studiengänge betreffen.

Die Interaktionen mit Einheimischen lassen die bisher theoretische Idee, dass akademische Diskussionen lebendig und entscheidend sind, zu echten praktischen Erfahrungen werden. Hinzu kommt, dass die Cologne Summer Schools, als eine Antwort auf die in 2017 aufkommenden nationalistischen und autoritären Stimmen, einen wichtigen Beitrag dazu leisten, daran zu erinnern, dass jeder Mensch ein Recht auf freie Meinungsbildung und offene Diskussionen hat; ebenso auf einen Austausch über gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische und soziale Entwicklungen jeder Art, zu jeder Zeit und an jedem Ort. Um es zusammenzufassen:  sie ermöglichen es dir als Person zu wachsen. Vertraut mir: ihr werdet es nicht bereuen!

Und wer weiß, vielleicht begegnet ihr mir ja: einer fremden Person aus einer unbekannten Zukunft.           

Robin