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Drittmittelerfolge: Neuer SFB erforscht Zelltod, verlängerter SFB misst arktische Klimaänderung

SFB 1403 soll grundlegende Fragen zu Regulation und Folgen des Zelltodes klären / SFB/TR 172 erforscht dramatischen Klimawandel in der Arktis

Die Universität zu Köln hat einen neuen Sonderforschungsbereich (SFB) bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingeworben und ein weiterer wurde verlängert. Der neue SFB 1403 „Zelltod in Immunität, Entzündungen und Erkrankungen“ verfolgt einen multidisziplinären Ansatz, um offene Fragen der Zelltodforschung zu bearbeiten. Sprecher sind Prof. Dr. Manolis Pasparakis vom Institut für Genetik der Universität zu Köln und Prof. Dr. Hamid Kashkar (Stellv. Sprecher) vom Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene der Universität zu Köln. In den insgesamt 17 Teilprojekten sind neben der Genetik auch die Biochemie, Botanik, Dermatologie, Innere Medizin und die Medizinische Mikrobiologie, das Max Planck Institut für Pflanzenzüchtungsforschung und das Max Planck Institut für Biologie des Alterns beteiligt sowie Partner an den Universitäten Bonn und der LMU München und vom Forschungszentrum Jülich. Der SFB wird für zunächst vier Jahre Laufzeit mit insgesamt rund 13 Millionen Euro inklusive einer Programmpauschale gefördert.

Außerdem geht der transregionale Sonderforschungsbereich SFB/TRR 172 „Arktische Klimaänderung (AC)³“ unter der Federführung des Meteorologen Prof. Dr. Manfred Wendisch von der Universität Leipzig in die zweite Förderperiode. Das Verbundprojekt mitbeantragt haben die Universität zu Köln und die Universität Bremen, weiter beteiligt sind das Alfred-Wegener-Institut, das Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) und das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung. Der SFB/TRR 172 wurde 2016 eingerichtet und jetzt für weitere vier Jahre bis 2023 verlängert. Damit hat die Universität zu Köln ab 2020 fünfzehn Sonderforschungsbereiche, die in Millionenhöhe gefördert werden, und bleibt NRW-weite Spitzenreiterin.

SFB 1403 „Zelltod in Immunität, Entzündungen und Erkrankungen“:
Zelltod ist ein grundlegender biologischer Prozess, der entscheidend ist, um die Funktionen von Gewebe aufrecht zu erhalten. Zelltod spielt zum Beispiel eine Rolle, wenn Tier- und Pflanzengewebe mit Krankheitserregern in Kontakt kommen und diese abwehren.
Jüngste Forschungen zeigen, dass Zellen zwischen verschiedenen Arten des regulierten Zelltods wählen können. Die Wahl der Todesart habe Auswirkungen auf das umliegende Gewebe und leitet eine entsprechende Reaktion von benachbarten Zellen ein. „Man kann also sagen, dass eine Zelle mit ihrem geplanten Tod das weitere Lebendgewebe entscheidend beeinflusst. Was bislang allerdings noch unklar ist, ist wie die Entscheidung für den einen oder den anderen Zelltod von Zelle zu Zelle kommuniziert wird“, so Professor Pasparakis. „Wir beginnen erst jetzt, die physiologischen und pathologischen Rollen von Zelltod-Typen und deren Verknüpfung miteinander zu verstehen. Dieses Grundlagenwissen wird für das Verständnis und die Therapie von vielen Krankheiten wertvoll sein, bei denen die Kontrolle von Zelltod aus der Bahn geraten ist.“

Das Ziel des SFB 1403 ist es, die Regulationsmechanismen sowie die physiologischen und pathologischen Folgen verschiedener Arten von Zelltod im Organismus zu verstehen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Immunität, Entzündung und Wirt-Mikrob-Interaktion.
Pasparakis: „Ganz besonders macht unseren neuen SFB, dass wir die Zelltod-Mechanismen sowohl in Pflanzenzellen wie auch in tierischen Zellen untersuchen, weil sich an der Universität zu Köln mit dem Exzellenzcluster CEPLAS für Pflanzenforschung und dem Exzellenzcluster CECAD für Alternsforschung eine herausragende Expertise auf beiden Seite verbindet.“

SFB/TRR 172 „Arktische Klimaänderung (AC)³“:
Ziel des bereits seit 2016 geförderten und nun verlängerten Forschungsverbundes ist es, die dramatische Klimaentwicklung in der Arktis mit verschiedenen Methoden zu beobachten, um die Verlässlichkeit von Modellen zur Vorhersage der beobachteten Erwärmung in der Arktis zu verbessern. Die Fördersumme für vier Jahre beträgt 14,5 Millionen Euro.
„In der ersten Projektphase haben wir erfolgreich hauptsächlich diejenigen lokalen Prozesse beobachtet und durch Modelle reproduziert, welche wesentlich zur Erklärung des Phänomens der Arktischen Verstärkung beitragen“, sagt Professor Wendisch aus Leipzig. Wolken spielten der Arktischen Verstärkung – also dem Phänomen, dass sich die Arktis im Vergleich zum globalen Durchschnitt etwa doppelt so schnell erwärmt – eine entscheidende Rolle. Dazu wurden drei aufwändige Wolken-Mess-Kampagnen in der Arktis durchgeführt. In der zweiten Phase sollen die bisherigen Untersuchungen auf die innere Arktis und auf ein ganzes Jahr als Beobachtungszeitraum ausgedehnt werden, um jahreszeitliche Unterschiede zu quantifizieren.

Mitantragstellerin Professorin Dr. Susanne Crewell von der Universität zu Köln sagt: „Unser Großgerät MiRAC ist derzeit an Bord des Forschungsschiffs Polarstern im Eis eingeschlossen und wird uns neuartige Einblicke in die Verhältnisse in der Polarnacht liefern. Im Frühling und Sommer wollen wir dies dann mit Flugzeugmessungen Richtung Polarstern komplettieren.“

Das Forschungsflugzeug HALO sowie die Polarflieger Polar 5 und 6 in Verbindung mit dem Eisbrecher Polarstern werden dabei zum Einsatz kommen. Letztere beide sind Bestandteil der MOSAiC Kampagne, bei der die Polarstern 14 Monate im Eis eingefroren wird. Der SFB/TRR 172 liefert den wesentlichen Beitrag deutscher Universitäten zu MOSAiC.

Inhaltlicher Kontakt:     
SFB 1403: Prof. Dr. Manolis Pasparakis
Institut für Genetik
+49 221 478-84351
pasparakisSpamProtectionuni-koeln.de


SFB/TRR 172: Prof. Dr. Susanne Crewell
Institut für Geophysik und Meteorologie
+49 221 470-5286
susanne.crewellSpamProtectionuni-koeln.de

Presse und Kommunikation:
Frieda Berg
+49 221 470-1704
f.bergSpamProtectionuni-koeln.de