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Sprachwissenschaftliche Konferenz reflektiert, wie wir uns verständigen

Tagung des Sonderforschungsbereichs „Prominence in Language“ vom 11. bis 13. Juli 2018 / Austausch über aktuelle Sprachdebatten

Rund 150 Expertinnen und Experten aus nahezu allen Disziplinen der Sprachwissenschaft kommen vom 11. bis 13. Juli 2018 zur internationalen Konferenz „Prominenz in Sprache“ an der Universität zu Köln zusammen. Gastgeber sind der Sonderforschungsbereich „Prominence in Language“ (SFB 1252) und das Cologne Center of Language Sciences (CCLS). Vertreterinnen und Vertreter der Presse sind herzlich eingeladen, mit den Forschern und Forscherinnen über „Prominenz“ sowie über in den Medien diskutierte Fragen nach Sprachwandel, Gendersprache oder Sprachideologie ins Gespräch zu kommen.  Neben dem Vortragsprogramm stellen die Linguisten und Linguistinnen der Uni Köln und internationaler Hochschulen ihre Forschungsarbeit auf Postern vor und beantworten gerne Fragen.

Termin:
Mittwoch, 11. Juli 2018, ab 10.30 Uhr
„Zweite Internationale Konferenz zu Prominenz in Sprache“
KOMED, Am Medienhafen, 50923 Köln

Bei „Prominenz“ handelt es sich um ein Konzept, das erst in jüngerer Zeit systematisch in der Linguistik untersucht wird. Es geht dabei um ein Organisationsprinzip, durch das sich ein sprachliches Element (wie eine Silbe oder ein Protagonist in einer Geschichte) von anderen gleichwertigen Elementen auffällig („prominent“) abhebt. Dem Sonderforschungsbereich liegt die Annahme zugrunde, dass Prominenz in allen Sprachen der Welt eine entscheidende Rolle spielt und dass das Prinzip eine wichtige Schnittstelle von Sprache zu anderen Aspekten des menschlichen Kognitionssystems darstellt. Prominenz organisiert unsere Verständigung maßgeblich mit.

Privatdozent Dr. Stefan Hinterwimmer hat die große Konferenz organisiert und sagt: „Wir freuen uns, dass wir hier in Köln mit der internationalen Fachcommunity in Austausch treten und unsere SFB-Forschung präsentieren können. Außerdem konnten wir hervorragende Gastredner gewinnen, auf die ich mich besonders freue.“

Ob das System hinter der „Prominenz“ von etwas Gesagtem in den Sprachen der Welt gültig ist oder nur auf einzelne Sprachen zutrifft, darüber spricht die Gastvortragende Eva Schultze-Berndt von der Universität Manchester, UK, am Beispiel australischer Sprachen. Seit über 25 Jahren erforscht die renommierte Linguistin kleine Sprachen im Norden Australiens wie Jaminjung oder Ngaliwurru. Funktioniert das Verständigungssystem hier radikal anders als in den „großen“ Sprachen, wie die meisten von uns sie kennen? Sprachliche Wahlverwandtschaften können trügen: Allein die „Kölsche Sproch“ ist in ihrer Melodie dem Japanischen näher als dem Hochdeutsch.

Wie wir Sprache für unser Gegenüber mit stimmlichen Kniffen so gestalten, dass wir den für uns zentralen Aspekt „prominent“ artikulieren (Lautstärke, Dehnung, Singsang), darüber spricht Gastredner Jason Bishop aus New York. Er ist Experte für Laute, für Sprachverarbeitung und Sprachverstehen. Auch wenn wir in spontanen Äußerungen mal Wörter suchen, Lücken durch „ähms“ füllen oder Sätze abbrechen – wir sind dennoch in der Lage, dabei wichtige Informationen miteinander auszutauschen. Der Einsatz von Prominenz spielt eine entscheidende Rolle für den Gesprächserfolg.

Der dritte internationale Gastredner ist Andrew Kehler aus San Diego, USA. Er untersucht, wann eine Information so erwartbar – oder zwischen allen Gesprächsbeteiligten so bekannt – ist, dass man sie auslässt (man nennt dies ‚Ellipse’). Diese Lücken zu erkennen, ist zum Beispiel für die Sprachverarbeitung von Alexa & Co oder für Übersetzungsprogramme wie „Google Translate“ oder „DeepL“ noch immer ein Problem. Kehler arbeitet an der Schnittstelle von sprachlicher Theoriebildung und Computerlinguistik, um Ellipsen zu beschreiben.

Im SFB 1252 „Prominence in Language“ arbeiten über siebzig Forscherinnen und Forscher der Universität zu Köln in einem interdisziplinären Team an einer umfassenden Beschreibung und Modellierung von Prominenzbeziehungen. Sie untersuchen das System Sprache anhand einer Vielzahl von Einzelsprachen (von Afrikanistik bis Slawistik) aus über einem Dutzend großer Sprachfamilien weltweit. Das Team leistet mit einer umfassenden Beschreibung von Prominenz wichtige Grundlagenforschung für ein besseres Verständnis von Sprache als einem System zwischen Kommunikation und Kognition.

Inhaltlicher Kontakt:
Professor Dr. Klaus von Heusinger
Sprecher SFB 1252 „Prominence in Language“
+49 221 470-4884
klaus.vonheusinger(at)uni-koeln.de

Dr. Stefan Hinterwimmer
Organisator der Prominenz-Konferenz
+49 221 470-89904
shinterw(at)uni-koeln.de

Presse und Kommunikation:
Frieda Berg
Kommunikationsmanagerin SFB 1252 „Prominence in Language“
+49 221 470-1704
f.berg(at)uni-koeln.de

Weitere Informationen:
http://sfb1252.uni-koeln.de/prominenceconference2018.html