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Unter dem Meer: Was der Boden des Atlantischen Ozeans über Vulkane und Biodiversität erzählt

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen starten vierwöchige Atlantik-Expedition mit der FS METEOR von Panama bis Kap Verde / Ozean-Blog nimmt Leserinnen und Leser mit auf die Expeditionen „Bright Flows“ und „Deep Microbes“

Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Biologie und der Geowissenschaften aus Köln, Wien, Kiel und Oldenburg startet am 8. Juli 2017 in Panama zwei parallele Expeditionen auf dem Forschungsschiff FS METEOR. Vom Wasser und Grund, aus den tiefen Schichten des Meeres versprechen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die bewegte Geschichte des Atlantischen Ozeans und seiner kleinsten Bewohner. Auf dem Onlineblog „Deep-Sea Microbial Food Webs and Volcanism in the Atlantic Ocean“ (www.oceanblogs.org/m139/) lässt sich die abwechslungsreiche Teamarbeit an Bord des Schiffs fortlaufend verfolgen.  
 
„Auf der FS Meteor haben wir über vier Wochen Zeit, mithilfe neuer Methoden Proben zu entnehmen. Dabei interessieren wir uns für die Wasser- und Sedimentproben aus den Tiefen des Ozeans und hier vor allem für die darin enthaltenen Bakterien und Einzeller, von denen wir annehmen, dass sie den Hauptanteil der Stoffumsätze in der Tiefsee leisten“, beschreibt der Leiter der Expedition, Prof. Dr. Hartmut Arndt von der Universität zu Köln, das Teilprojekt „Deep Microbes“ (z. Dt. Mikroben in tiefen Schichten).
Die Tiefsee ist das am wenigsten erforschte Ökosystem der Erde. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass etliche bisher noch unentdeckte Arten sie bevölkern. „Aber welche Lebewesen dies sind und wie sie es hinbekommen, sich an die Veränderung der Tiefsee, beispielsweise an die spezifischen Druckbedingungen, das geringe Nahrungsangebot und die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen, dieses Wissen möchten wir gerne ans Licht befördern“, erklärt Hartmut Arndt. Mit einem neuartigen Entnahmegerät sollen die Aktivitäten der Mikroorganismen direkt in 4000 Metern Tiefe bestimmt werden.

Eine weitere Fragestellung ist das Alter von Vulkanen auf der alten ozeanischen Kruste (Projekttitel „Bright Flows“, z. Dt. helle Lavaströme). Mithilfe moderner Echolote können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler akustische Signale hinunter zum Boden der Tiefsee aussenden und ihre Rückstrahlung, also ihre akustische Antwort messen. Die Qualität und Intensität der akustischen Antwort gibt dann Rückschluss, wie der Boden strukturiert und wie dick das Sediment ausgeprägt ist. Die Sedimentschicht ist ein Indikator für das Alter der Meeresbodenstrukturen.

Dr. Nico Augustin vom GEOMAR Kiel leitet die geologischen Untersuchungen. Er erläutert: „Die Messungen mit dem Echolot sollen insbesondere eine Vermutung bestätigen: Wir haben Indizien dafür, dass sich inmitten einer 20 Millionen Jahre alten, dick sedimentierten Gesteinskruste auch kleinere Gebiete zeigen, die bloß weniger als eine halbe Million Jahre alt sein dürften. Wir kennen ähnliche Strukturen aus dem geologisch sehr jungen Roten Meer. Es könnte sich bei diesen karg bedeckten Flächen im Atlantik um eine neue Art des Intraplattenvulkanismus handeln, der bisher in all der majestätischen Tiefe nicht aufgefallen war.“
Die Expedition startet am 8. Juli in Panama und endet am 8. August 2017 in Kap Verde. Gefördert wird M139 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Inhaltlicher Kontakt:
Prof. Dr. Hartmut Arndt
Institut für Zoologie, Abteilung Allgemeine Ökologie der Universität zu Köln
An Bord: h.arndt(at)meteor.briese-research.de (Bitte keine Anhänge senden!)

Dr. Nico Augustin
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, Forschungsbereich 4: Dynamik des Ozeanbodens
naugustin(at)geomar.de

Presse und Kommunikation:
Frieda Berg
+49 221 470-1704
f.berg(at)uni-koeln.de

Weitere Informationen:
http://www.oceanblogs.org/m139/