zum Inhalt springen

1939, Stud. Phil. Heinrich Böll

Am 21.12.2017  hätte  Heinrich  Böll  seinen   100.  Geburtstag  gefeiert.  Eine  Etappe  auf  seinem Weg zum Schriftsteller war die Uni Köln.

Die akademischen   Studien   des  späteren   Literaturnobelpreisträgers waren allerdings durch die Zeitläufte und seine persönliche Entwicklung recht kurz. Mehr Licht auf die bisher  obskure  Episode  im  Leben  des  Kölner  Schriftsteller s wirft jetzt eine Studie des Universitätsarchivars Dr. Andreas Freitäger.  

Heinrich Böll an der Universität? An der Universität zu Köln? Bei der Betrachtung von Heinrich Bölls Biographie gerät die Universität zu Köln  »sicher  nicht  als  erstes  in   den Blick«, formuliert es Andreas Freitäger  vorsichtig. Und  doch hat der  international  bekannte  deutsche Schriftsteller, der durch sein Werk als moralisches Gewis- sen der Nachkriegszeit galt, hier studiert – allerdings nur  für drei Semester: Über die kurze Studienzeit des Schriftstellers  war  bis  jetzt wenig  bekannt. Freitäger  hat  deswegen den ersten Band der Reihe »Sedes Sapientiae« – Beiträge  zur Kölner  Universitäts-  und  Wissenschaftsgeschichte – dem Studium Bölls gewidmet.  

Lateinische Stilübungen und Goethe

Im Sommer 1939 immatrikuliert sich der Abiturient Böll  für  das  Studium  der  Alt-Philologie  und  der  Germanistik, im Herbst wird er zur Wehrmacht einberufen. Sechs  harte,  prägende Kriegsjahre  folgen.  Erst  im  Mai 1946 kann Böll sich erneut  immatrikulieren  und  sein Studium fortsetzen – bis er sich 1947 nach zwei weiteren Semestern exmatrikuliert.

 Das  von  Böll  geführte  Studienbuch  gelangte im Februar   2009   mit    weiteren   Nachlassunterlagen   in das Historische Archiv der Stadt Köln und befand sich dort,    als am 9. März 2009 das Magazingebäude einstürzte. Es gilt derzeit als vermisst. Im Archiv der Universität liegen jedoch seit Jahrzehnten die Matrikelkarte des Nobelpreisträgers und die von 1926/27 bis 1952 lückenlos erhaltenen Kolleggeldrechnungen der Universitätskasse. Aus ihnen lässt sich der Studienverlauf Heinrich Bölls lückenlos rekonstruieren. Zum Vergleich zog Archivar Freitäger Unterlagen von Kommilitonen und akademischen Lehrern des Schriftstellers heran.

Böll besuchte vor wie nach dem Krieg Vorlesungen Ernst Bertrams über Goethe – Reminiszenzen daran finden sich später in seinen Werken. Daneben belegte Böll 1939 Veranstaltungen von Gottfried Weber über die Geschichte der Deutschen Dichtung im Spätmittelalter, griechische und lateinische Stilübungen bei Wolfgang Schmid und zusätzlich Veranstaltungen in Philosophie. Einen Berufswunsch für die Zeit nach seinem Studium hatte er damals offengelassen. »Bölls Studien lassen aber am ehesten den Schluss zu, dass er eine Lehrerkarriere ins Auge gefasst hatte«, so Freitäger. Sein Studium dauerte nicht lange. Anfang September wurde Böll zur Wehrmacht einberufen und von der Uni »als Wehrmachtsangehöriger ohne Gebühr beurlaubt«.

Neustart nach dem Krieg

Im Mai 1946, wenige Monate nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft, immatrikulierte sich Böll erneut an der Uni. Im Wintersemester 1946/47 belegte er noch Veranstaltungen zur Philosophie, dem jungen Schiller und zur Deutschen Dichtung der jüngeren Zeit. Zu dieser Zeit waren schriftstellerische Arbeiten bereits in den Vordergrund getreten. Im August 1946 hatte er die Beurlaubung für das Wintersemester beantragt, um sich ganz seinen freien schriftstellerischen Arbeiten widmen zu können. Dies wurde nicht bewilligt. Am 21. April 1947 exmatrikuliert sich B ren schriftstellerische Arbeiten bereits in den Vordergrund getreten. Im August 1946 hatte er die Beurlaubung für das Wintersemester beantragt, um sich ganz seinen freien schriftstellerischen Arbeiten widmen zu können. Dies wurde nicht bewilligt. Am 21. April 1947 exmatrikuliert sich Böll schließlich. Grund: Aufgabe des Studiums.

Weiterlesen
Andreas Freitäger: Stud. Phil. Heinrich Böll. Die Kölner Studiensemester des Nobelpreisträgers: Chronologie, Kommentar und literarische Reflexe. (Sedes Sapientiae – Beiträge zur Kölner Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte; 1). Universität zu Köln, Historisches Archiv, 2017 (ISBN: 978-3-7450-0162-4).