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Zukunft-Machen im ländlichen Afrika


Afrika im Wandel · Chancen & Ungewissheit

In weiten Teilen des ländlichen Afrikas finden derzeit enorme Transformationsprozesse statt, die Millionen von Menschen und ihre natürlichen Lebensgrundlagen betreffen. Weitläufige Landstriche werden neu genutzt, neue Eigentumsverhältnisse entstehen und neue Produktionsformen werden geschaffen. Und doch bleibt es weitgehend ungewiss, wohin diese vielfältigen Veränderungen führen werden.



Zukunft als Aushandlungsprozess

Die Zukunft des ländlichen Afrikas ist offen – für Wandel, Überraschungen, Hoffnungen, Ängste, Spekulation und Widersprüche.

Diese Beobachtung ist der Ausgangspunkt des an den Universitäten Köln und Bonn neu gegründeten Sonderforschungsbereiches/Transregio 228, „Future Rural Africa“.

Der Forschungsverbund beschäftigt sich mit der Frage, wie Zukunft hergestellt wird und welche Auswirkungen unterschiedliche Visionen von Zukunft auf gegenwärtige Verteilungs- und Konfliktsituationen haben. „Zukunft-Machen“ wird hier vor allem als ein Zusammenspiel sozialer und ökologischer Veränderungsprozesse verstanden, als ein Aufeinandertreffen unterschiedlicher Praktiken, Interessen und Vorstellungen.

Dr. Clemens Greiner

Der Blick auf die Zukunftsvorstellungen unterschiedlicher Akteure bietet einen innovativen Ansatz zur Erforschung des gegenwärtigen Landnutzungswandels im ländlichen Afrika.

Dr. Clemens Greiner, Senior Researcher

Landnutzung im Wandel

Der regionale Forschungsfokus richtet sich auf das Kenianische Rift Valley, den Southern Agricultural Growth Corridor (SAGCOT) in Tansania und den grenzüberschreitenden Kavango-Zambezi Park im südlichen Afrika (Kaza).

In Tansania wird die Intensivierung der Landwirtschaft derzeit als die Lösung für den globalen Hunger betrachtet. Am Beispiel des SAGCOT untersucht das Forschungskonsortium, wie eine „globale Allianz für Ernährungssicherung“ die industrielle Landwirtschaft in einem Gebiet mit der Größe Italiens vorantreiben will.

In Kenia werden die Transport- und Energieinfrastrukturen im großen Stile ausgebaut, um vormals periphere Regionen und deren Ressourcen zu erschließen. So ist am Lake Turkana dar größte Windpark Afrikas entstanden und der Ausbau der Geothermie als Energieträger schreitet rapide voran.

Mit der Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area soll im südlichen Afrika das weltweit größte grenzübergreifende Naturschutzgebiet angelegt werden. Ziel ist der Erhalt der großen Wildtierpopulationen und der Ausbau einer nachhaltigen Tourismusindustrie.

Diese unterschiedlichen Prozesse der Landnutzungsänderung überlagern und beeinflussen sich gegenseitig und führen zu einer tiefgreifenden Neubestimmung der Beziehungen zwischen den Menschen und ihrer Umwelt im ländlichen Afrika.



Von Afrikanistik bis Virologie

Während sozial-ökologische Transformationsprozesse bisher vorwiegend aus der Vergangenheit abgeleitet wurde, folgt der Transregio 228 einer anderen Perspektive: Sozialökologische Transformation wird als Ausdruck von 'Zukunft-Machen' verstanden.Damit werden aktuelle Debatten aus dem interdisziplinären Feld der Zukunftsstudien aufgegriffen und weiterentwickelt.

Daran beteiligt sich eine Vielzahl unterschiedlicher Disziplinen aus den Natur-, Gesellschafts- und Geisteswissenschaften, von Afrikanistik bis Virologie. Der Transregio 228 vertieft die Beziehungen zu den wissenschaftlichen Partnerinstitutionen in Afrika, engagiert sich in der Nachwuchsförderung und verfolgt das Ziel, Bonn-Köln zu einem führenden Zentrum der Afrika-bezogenen Zukunfts- und Transformationsforschung zu entwickeln.

Prof. Dr. Michael Bollig

Nur ein interdisziplinärer, Natur- und Sozialwissenschaften verbindender Ansatz ermöglicht es, sozial-ökologische Veränderungsprozesse in den Forschungsregionen  überzeugend zu bearbeiten.

Prof. Dr. Michael Bollig, Institut für Ethnologie