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Wallraf digital: Digitalisierung als Karrierechance - Professorin Gersmann im Interview

Eine neue Generation von jungen ForscherInnen greift derzeit nach den Sternen am Wissenschaftshimmel. Die „digital natives“ greifen hierbei auf neue vielfältige Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens und Veröffentlichens zurück, die die Digitalisierung mit sich bringt. Frau Professor Gersmann, Inhaberin des Lehrstuhls für  Geschichte der frühen Neuzeit, hat mit der Entwicklung des Kölner Modellprojekts Wallraf digital einen großen Schritt in der Diskussion um die digitale Wissensvermittlung in der Wissenschaft  nach vorn gemacht.

Das Interview führte Svenja Rausch

Frau Professor Gersmann, beschreiben Sie uns Ihr Modellprojekt Wallraf digital, worum geht es im Kern?


Im Kern geht es darum, erstens die digitalen Möglichkeiten bewusst zu nützen, wissenschaftliche Erkenntnisse breiter und frei zugänglich an verschiedene Zielgruppen zu vermitteln und zweitens den wissenschaftlichen Nachwuchs früh an das digitale Medium heranzuführen.  Mit Wallraf digital ist das beispielhaft umgesetzt:  Der aktuelle Wissenstand zu Wallraf, einer bedeutenden Kölner Stadtpersönlichkeit um 1800, wird hier erstmalig zusammengefasst und digital präsentiert.  Das Konzept umfasst weitaus mehr als 60 wissenschaftliche Beiträge, die unter Mitarbeit von Studierenden im Sinne des "forschenden Lernens" entstanden und auf einer eigenen Online-Umgebung  publiziert worden sind. Es gibt verschiedene Videos, eine  digitale Zeitleiste rund um Wallraf , eine eigene Bilddatenbank zu seinen Sammlungsobjekten und auch noch eine App zu Wallrafs Köln. Die wissenschaftlichen MitarbeiterInnen im Projekt waren daher nicht nur mit den Inhalten beschäftigt, sondern auch mit der Umsetzung der digitalen Publikation und medialen Präsentation.

Was bedeutet das Projekt für die Wissenschaft?


Wallraf zeigt Möglichkeiten auf, Forschungsergebnisse oder Wissen digital transparent und breiter zugänglich zu machen. Damit wird das Projekt beispielhaft  der zunehmenden Forderung nach Wissenstransfer in die Gesellschaft gerecht, die gerade auch vor den Geisteswissenschaften nicht Halt macht. Das bedeutet aber auch, dass junge WissenschaftlerInnen digital denken lernen und sich mit digitalen Formen der Wissensrepräsentation befassen müssen, im nationalen wie internationalen Kontext.

Was können wir im Laufe der nächsten Monate über das Projekt erfahren und was folgt nach dem Modellprojekt?

Wir haben gerade einen neuen Blog aufgesetzt, den wir auch dafür nützen werden, ergänzendes Wissen über Wallraf in Form von Blog-Posts zu kommunizieren. Es geht darum, Geschichte oder besser Geschichte(n) wissenschaftlich fundiert zu erzählen und dafür auch die jeweils passende Sprache im Digitalen zu finden. Wir begleiten das Wallraf Portal und die Wallraf App mit Blogbeiträgen, laden aber auch unsere Projektpartner ein, Beiträge zu bestimmten Themen zu schreiben. Damit führen wir digital gut dosiert  hin zu zwei Ausstellungsprojekten, die für Ende 2017/Anfang 2018 in Köln geplant sind und das Thema Wallraf in der Stadt analog  abrunden werden.
Nach Wallraf digital  werden wir  digitales Publizieren, Präsentieren und Kommunizieren natürlich an anderen wissenschaftlichen Inhalten weiterentwickeln.


Vervollständigen Sie diesen Satz: Die Digitalisierung verhilft  jungen WissenschaftlerInnen zu…

...besserer Sichtbarkeit, schnellerer Wahrnehmung und Teilhabe am nationalen und internationalen Diskurs, da Erkenntnisse weltweit digital geteilt und rezipiert werden können. Als Beispiele nenne ich hier gerne auch unsere jungen AutorInnen, die ihre Dissertationen bei uns auf MAP unter www.humanities-map.net publizieren. MAP unterstützt insbesondere deren digitale Verbreitung.