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Delegationsreise nach Skandinavien

LehrerInnen, wo steht Ihr?

Zwischen dem 19. und 21. Juni 2017 hat eine vom Prorektorat für Internationales organisierte Delegationsreise nach Skandinavien stattgefunden. Zu den TeilnehmerInnen gehörten Vertreter des Rektorats, der Fakultäten, des International Office und des Zentrums für LehrerInnenbildung. Ziel der Reise war es, Erfahrungen im Bereich der LehrerInnenbildung auszutauschen und Kooperationen mit namhaften Hochschulen und Institutionen in Finnland, Schweden und Dänemark auf den Weg zu bringen, um auf diese Weise das Kölner Lehramtsstudium und den Bereich der Forschung in Zukunft weiter zu internationalisieren.

Altkanzler Gerhard Schröder hat mit seinem drastischen Kommentar zur Arbeitsweise der LehrerInnen an deutschen Schulen („faule Säcke“) vor Jahren bekanntlich kontroverse Diskussionen ausgelöst. In Finnland stünde er mit seiner Meinung sehr allein: Dort genießt das Bildungspersonal ein sehr hohes Ansehen. Nur jede zehnte Bewerbung führt zu einem Studienplatz. Ein Grund dafür ist der zweistufige Eignungstest, den die AbiturientInnen vor Beginn des Studiums absolvieren müssen. Das Lehramtsstudium an der Universität Helsinki wirkt ebenfalls fortschrittlich: Es ist geprägt durch „Open Learning Spaces“, es gibt weniger Frontal-Vorlesungen, dafür mehr soziale Interaktion in Seminaren. Die universitäre Lehre im Bereich der LehrerInnenbildung ist stark forschungsorientiert, und auch die Lehrkräfte an den Schulen sind fortwährend in universitäre Forschungsprojekte eingebunden. Dies erklärt die hohe Anzahl an LehrerInnen mit Doktorgrad: an der University Practice School in Helsinki wurden 10% der LehrerInnen mit der Doktorwürde ausgezeichnet.

All dies erfuhren die 14 TeilnehmerInnen der Delegationsreise bei ihrem Treffen mit dem Head of Department of Teacher Education der Universität Helsinki. Der Prorektor für Lehre und Studium Prof. Dr. Herzig stellte das Konzept der Kölner Lehramtsausbildung vor. Besonders die Inklusive Universitätsschule fand großen Anklang: sie ist die erste universitäre, inklusive Praxisschule in Deutschland, deren Eröffnung aus einer studentischen Initiative heraus erfolgte und teilweise nach finnischem Vorbild entwickelt wurde. Für nächsten Herbst wurde bereits ein Termin vereinbart, an dem der Schuldirektor der finnischen University Practice School das Kölner Pendant besucht. Bei den intensiven Gesprächen kristallisierten sich auch gleich gemeinsame Forschungsfelder heraus: in den Bereichen Heterogenität und soziale Ungleichheit, Sonderpädagogik und Didaktik wird in Zukunft eine enge Zusammenarbeit von ForscherInnen aus Helsinki und Köln stattfinden.

Der Rektor der Universität zu Köln, Prof. Dr. Axel Freimuth, trägt sich in das Goldene Buch der Universität Helsinki ein. Foto: Dr. Susanne Berger

Nach dem Besuch an der Universität Helsinki teilte sich die Gruppe auf sechs weitere Universitäten auf. Drei Autostunden nördlich von Helsinki befindet sich die Universität Jyväskylä, die die finnische Tradition der Praxisschulen begonnen hat. 1866 öffnete die Grundschule, 1905 die weiterführende Schule. An dieser Teacher Training School sammeln Studierende Lehrpraxis, forschen LehrerInnen und lehren WissenschaftlerInnen bis heute. Bei dem Treffen tauschten sich die Anwesenden detailliert über ihre Erfahrungen über die universitäre und praktische Lehramtsausbildung aus und schlossen gleich einen Erasmus-Kooperationsvertrag zwischen der Humanwissenschaftlichen Fakultät und der Finnischen Universität.

Kölner VertreterInnen beim Lunch mit dem Rektor und der Prorektorin der Universität Jyväskylä. Von links nach rechts: Prof.‘ Dr.‘ Lisa Rosen, Rektor Prof. Dr. Matti Manninen, Prof. Dr. Stefan Neubert, Prorektorin Prof.‘ Dr.‘ Helena Rasku-Puttonen, Prof.‘ Dr.‘ Argyro Panagiotopoulou. Foto: Jenna Strzykala

Westlich von Helsinki liegt die historische, zweisprachige Stadt Turku, die dieses Jahr das 50-jährige Jubiläum mit der Stadt Köln feiert. Wie in Jyväskylä besuchte die Gruppe die dortige universitäre Praxisschule. Im Rahmen der Gespräche konnte die Basis für eine Kooperation zwischen Turku und der Inklusiven Universitätsschule geschaffen werden.

Musikklassenzimmer der University of Turku Teacher Training School. Foto: Prof. Dr. Stefan Herzig

Entlang der Küste Richtung Norden, am Bottnischen Meerbusen, befindet sich die zweitgrößte Universität Finnlands, die University of Oulu. Auch dort waren die TeilnehmerInnen der Reise erfolgreich. In Zukunft haben Kölner Lehramtsstudierende die Möglichkeit, englischsprachige Praktika an Schulen in Oulu abzuleisten. Zudem wurde die Vorbereitung für ein Erasmus-Abkommen in die Wege geleitet, das auch WissenschaftlerInnen einen Aufenthalt an der Universität in Oulu ermöglicht.

Eine weitere Teilgruppe der Delegation nahm einen Termin an der südschwedischen Universität Lund an. Dort äußerten die schwedischen VertreterInnen Interesse an einem Doktorandenaustausch- und Forschungsprogramm mit der Universität zu Köln an. Auch hier wurde bereits eine konkrete Zusammenarbeit zugesagt: Kölner Lehramtsstudierende werden Schulpraktika in der südschwedischen Provinz Skåne län absolvieren können.

Die Universität Lund Foto: Astrid Krämer

In Göteborg, der zweitgrößten Stadt Schwedens, wurde bei dem Treffen der Kölner Teilgruppe (Prof. Dr. Becker-Mrotzek, Dr.‘ Berger, Prof.‘ Dr.‘ Gersmann und Prof. Dr. Schröder) mit den schwedischen Kolleginnen beidseitiges Interesse für gemeinsame Aktivitäten bekundet. Zu den intensiv diskutierten Ideen zählen eine gemeinsame Summer- oder Winter School im Bereich der LehrerInnenbildung und eine gemeinsame DoktorandInnenausbildung von graduierten LehrerInnen. Um diese Ideen weiterzuverfolgen, sprachen die Kölner Delegierten eine Einladung zu einem Gegenbesuch in Köln im November dieses Jahres aus – und freuen sich auf schwedischen Besuch.

Prof. Dr. Schröder (mitte rechts) und Dr.‘ Susanne Berger (rechts) beim Abendessen mit dem Göteborger Dekan der Faculty of Education, Prof. Dr. Åke Ingerman (links), und der Internationalisierungsbeauftragten der Faculty of Education, Ilse Hakvoort (mitte links). Foto: Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek

Dänemark war in der Reise mit der Universität Aarhus vertreten. Sie ist besonders im Bereich der LehrerInnenbildung eng mit der Universität in Kopenhagen assoziiert. Nach intensiven Gesprächen äußerten die VertreterInnen aus Aarhus  (Dekan Prof. Dr. Johnny Laursen, Prof. Dr. David Reimer, Elsebeth Jensen und Lotte Holm) ihr großes Interesse an Bewerbungen von Kölner PostDocs am Institute for Advanced Studies Aarhus. Das trans- und interdisziplinäre Institut bietet WissenschaftlerInnen die Möglichkeit, ihren Forschungsvorhaben in einem internationalen und hochrangigen Umfeld nachzukommen. Eine weitere Einladung richtet sich auch an die Kölner Lehramtsstudierenden: Diese werden demnächst die Gelegenheit haben, Schulpraktika auf Englisch und auf Deutsch zu absolvieren. Um weitere Kooperationsfelder zu besprechen und zu konkretisieren, wie etwa Forschungskooperationen im Bereich der Professionalisierung der LehrerInnenbildung, sind die VertreterInnen der Universität Aarhus und der Universität Kopenhagen herzlich nach Köln eingeladen.