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Charakterisierung von Belohnungsprozessierung, Ruhemetabolismus, sozialen Kognitionen sowie Verhalten und Motivation während sozialer Vergleiche bei Patienten mit therapieresistenter Zwangsstörung und schwerer stoffgebundener Abhängigkeit



Die Fähigkeit und der Antrieb erfolgreich mit anderen Menschen zu interagieren, trägt in hohem Maße zu Wohlbefinden und Lebensqualität bei.

In der Vergangenheit konnten Antrieb und Motivation sozialer Interaktionen mit dem sogenannten Belohnungssystem des Gehirns (dabei spielt der Nucleus Accumbens (NAcc) eine entscheidende Rolle) in Verbindung gebracht werden. Dabei konnten sogenannte soziale Kognitionen, also die Fähigkeit das Verhalten anderer zu verstehen, erklären und vorherzusagen, mit einem weitreichenden kortikalen Netzwerk assoziiert werden, welches auch das „soziale Gehirn“ genannt wird.

Diese Befunde gehen vorwiegend auf bildgebende Verfahren zurück, welche meist von korrelativer Natur sind und daher nicht in der Lage sind kausale Aussagen bezüglich dieser beiden neurofunktionellen Systeme zu treffen.Im Zuge dessen kann die Einführung von tiefer Hirnstimulation (THS) nicht nur als Erweiterung von Therapiemethoden von psychiatrischen Erkrankungen angesehen werden, sondern kann potentiell instrumentalisiert werden, um die kausale Rolle der Modulation von Gehirnsystemen, welche Affekt, Motivation und Verhalten in sozialen Kontexten beeinflussen, zu untersuchen.

Im vorliegenden Projekt wird die THS, durch die damit immanente Möglichkeit neurale Systeme direkt zu stimulieren (Stimulation An versus Aus) als „Instrument“ verwendet um neurale Mechanismen von Belohnungsprozessierung und sozialen Kognitionen sowie deren pathophysiologische Dysregulation zu explorieren.  

Zur Operationalisierung von Verhaltensparametern und neuralen Reaktionen werden komplexe, neuartige und ökologisch valide soziale Paradigmen verwendet. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass das Projekt bei Patienten mit schwerer Zwangsstörung und stoffgebundener Abhängigkeit zur Anwendung kommt, weil diese Patienten bereits  eine THS des NAcc aus therapeutischen Gründen erfahren haben.

Allerdings wird gerade bei diesen Patientenkollektiven eine Dysregulation der relevanten Regelkreise angenommen. Daher postulieren wir, dass die THS des NAcc Belohnungsprozessierung und soziale Kognitionen über entsprechende Netzwerkmodulation in Richtung eines normalen Funktionsniveaus moduliert. Um die analysierten behavioralen Ergebnisse mit neuronalen Aktivitäten assoziieren zu können, werden zusätzlich ON/OFF Effekte mittels [18F]FDG-PET aufgezeichnet.