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02. Juli 2012

Alter: 326 Tage

Studieren auf Europäisch

Von Sebastian Grote

Das europäische Bildungsprogramm Erasmus feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Jubiläum. Die Universität zu Köln war von Anfang an mit dabei.

ERASMUS ist eine Erfolgsgeschichte. Europaweit haben bisher etwa 2,5 Millionen Studierende in 33 Ländern mit dem Programm ein Auslandssemester absolviert. Das feierten Studierende der Universität zu Köln unter anderem mit einer Menschenkette um den Dom.

Foto: Mathias Martin

Ende der 1980er Jahre schien ein vereintes Europa noch fern. Der Eiserne Vorhang teilte den Kontinent und die Vorgängerin der EU, die Europäische Gemeinschaft, bestand gerade mal aus zwölf Staaten. Mit einem neuen Austauschprogramm wollten Politiker damals junge Menschen zu Trägern des Europa-Gedankens machen. Ein Name war schnell gefunden: Am 15. Juni 1987 riefen sie ERASMUS ins Leben, benannt nach dem europäischen Universalgelehrten Erasmus von Rotterdam. Gerade einmal 20 Studierende der Universität zu Köln sind damals für einen Austausch ins europäische Ausland gegangen. Dieses Jahr sind es rund 600. Sie profitierten dabei nicht nur von einem Stipendium, sondern auch von festgeschriebenen Kooperationen zwischen den Hochschulen.

Nicht nur für Studierende

Bildungsprogramme sind meistens nur für einen bestimmten Zeitraum vorgesehen. Dass ERASMUS nach 25 Jahren nicht mehr aus der europäischen Hochschullandschaft wegzudenken ist, verdankt es unter anderem seinem unbürokratischen Konzept. Alle Studierenden sollen dazu ermutigt werden, an dem europäischen Austausch teilzunehmen. Da haben komplizierte Bewerbungsverfahren und Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den Universitäten nichts verloren. Laut der Kölner ERASMUS-Koordinatorin Christiane Biehl hat der vergleichsweise unbürokratische Charakter des Programms dazu beigetragen, dass so viele Studierende daran teilgenommen haben. Die Teamleiterin für die Bereiche „EU-Programme“ sowie „Studieren und Forschen im Ausland“ des Akademischen Auslandsamtes, die dieses Jahr außerdem zur ERASMUS-Botschafterin für Deutschland gewählt wurde, ist überzeugt von dem Erfolg des europäischen Austausches: „ERASMUS ist heute ein Programm, das auch über die Hochschulen hinaus sehr bekannt ist. Es richtet sich nicht nur an Studierende, sondern auch an Lehrende und seit neustem sogar an das Verwaltungspersonal, das so ebenfalls internationale Erfahrungen sammeln kann“, sagt Biehl.

Die Karriere steht oft nicht im Mittelpunkt

ERASMUS ist mittlerweile ein fester Bestandteil in den Lebensläufen vieler Studierender geworden. Für die Meisten sind Karrieregründe aber nicht das Hauptmotiv für ein Auslandssemester. Wichtiger ist es ihnen, einmal über den Tellerrand der eigenen Universität zu schauen und ein anderes Land kennenzulernen. Die Favoriten sind ganz klar Frankreich und Spanien. Aber auch osteuropäische Länder sind immer mehr gefragt. Der VWL-Student Philipp Thrun zum Beispiel war ein Semester in Estland: „Ich wollte etwas ganz anderes machen. Im Studium habe ich auch schon viel über das Baltikum gelesen.“ Ein weiterer Newcomer ist die Türkei, die im letzten Jahr Platz Drei der beliebtesten Länder für ein Auslandssemester belegte. Die Lehramtsstudentin Vahide Kuran studierte ein Semester in Istanbul: „Ich habe türkische Eltern und war auch schon oft in der Türkei. Jetzt wollte ich das richte Leben dort kennenlernen. Dort zu studieren war ein ganz neues Erlebnis für mich“.

Mehr als nur ein Semester Party

Einige Studierende möchten auch nach ihrer Rückkehr nicht auf das internationale Flair verzichteten. So etwa Valerija Schwarz, die nach ihrem Auslandsaufenthalt in Spanien die Kölner Gruppe des europaweiten Erasmus Student Network, kurz ESN, gegründet hat. In diesem Netzwerk unterstützt sie zusammen mit anderen Studierenden der Universität zu Köln ERASMUS-Stipendiaten aus dem Ausland. Außerdem organisiert die Gruppe jedes Semester ein Kultur- und Freizeitprogramm für die Gäste: Sportveranstaltungen, Exkursionen nach Berlin und nicht zuletzt Partys. „Partys gehören zu einem Auslandssemester dazu“, sagt Valerija Schwarz. „Es ist aber schade, dass ERASMUS oft nur dieses Partyimage hat. Es ist wirklich viel mehr und eine Bereicherung für jeden, der es gemacht hat“. Der Geburtstag des Bildungsprogramms wurde auch bei den Studierenden gefeiert. Sie schafften es, die größte deutschlandweite ESN-Veranstaltung zum Jubiläum nach Köln zu holen. Über 600 Studierende aus ganz Europa versammelten sich in der Stadt und verbrachten ein internationales Wochenende. Ein Höhepunkt war währenddessen sicherlich die Menschenkette um den Dom, mit der sie den Zusammenhalt Europas symbolisierten.

ERASMUS für alle?

Zwischen den Universitäten Europas wird es auch in Zukunft einen regen Austausch geben. In vielen Punkten sind sich Politiker und Hochschulen einig: Die EU-Kommission will das Budget für das Erfolgsprogramm deutlich erhöhen. Zudem soll Studierenden aus sozial schwachen Familien oder mit einer Behinderung ein Auslandssemester erleichtert werden kann. Zur Diskussion steht dagegen der geplante neue Name des Programms „ERASMUS for all“. Bisher hatten verschiedene Bildungsbereiche einen eigenen Namen für den Austausch. „Dass man jetzt überlegt, dass ganze Programm ERASMUS zu nennen, zeigt, wie populär es ist“ sagt Christiane Biehl. „Für die Hochschulen ist ERASMUS aber mittlerweile auch ein Markenname geworden, den wir ungern abgeben wollen“