
04. Januar 2012
Alter: 1 JahreEin Ort für Lehrer
Das Zentrum für LehrerInnenbildung hat seine Arbeit aufgenommen
Über zehntausend Studierende in Köln bereiten sich auf das Lehramt an Schulen vor. Das ist ein Viertel aller Studierenden an der Universität. Damit ist Köln der größte Lehrerausbildungsstandort in Nordrhein-Westfalen. Nirgendwo sonst wird eine derart große Vielfalt von Fächerkombinationen angeboten. Durch das Lehrerausbildungsgesetz (LABG) aus dem Jahr 2009 sind nun die Hochschulen selbst für Beratung, Prüfung und Qualitätssicherung in der Lehrerausbildung zuständig.
Das neue Herz der Lehrerausbildung an der Universität schlägt in der Immermannstraße. Dort steht das neue Zentrum für LehrerInnenbildung (ZfL), die zentrale Anlaufstelle für die Studierenden der neuen Bachelor-Studiengänge für das Lehramt. „Wir wollen einen Ort schaffen, von dem die Studierenden wissen: Dort sind wir willkommen und beheimatet“, erklärt Professor Hans-Joachim Roth, der wissenschaftliche Leiter des Zentrums. Alle Fragen der Lehrerausbildung, die die Studierenden betreffen, sollen hier beantwortet werden, so der Bildungswissenschaftler, denn: „Lehrerausbildung ist ein Kerngeschäft der Uni“. Mit der Einrichtung der Bachelorstudiengänge für das Lehramt ist den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Zentrums ein großer Schritt nach vorne gelungen. Doch große Aufgaben stehen noch an. Das Ziel ist es, die Lehrerausbildung deutlicher zu professionalisieren und praxisnäher zu gestalten.“
Konzertierte Aktion beim Auf- und Ausbau
Knapp 1800 Studierende haben in diesem Semester den Start ins Lehramt gewählt. Sie absolvieren ein zehnsemestriges Studium (6
Semester Bachelor und 4 Semester Master), absolvieren anschließend den 18-monatigen Vorbereitungsdienst (das Referendariat) bevor sie als Lehrerinnen und Lehrer in den Schuldienst eintreten können. Der konsekutive Masterstudiengang wird bereits vorbereitet. Er soll ab 2014 angeboten werden. Parallel laufen die vom staatlichen Prüfungsamt betreuten alten Lehramtsstudiengänge mit Staatsexamensabschluss aus. Noch bevor im Mai 2009 vom Landtag das LABG beschlossen wurde, begannen die lehrerbildenden Fakultäten mit Unterstützung des Rektorats mit der Konzeption der neuen Lehramtsstudiengänge und bereiteten die anschließende Akkreditierung vor. Parallel entwickelten der Rektor und die DekanInnen der lehrerbildenden Fakultäten ein Konzept für das zukünftige ZfL der Universität zu Köln. Im Juli 2010 gab der damalige Prorektor für Lehre und Studium, Professor Dr. Thomas Kaul, den Startschuss für den Aufbau des Zentrums. Innerhalb eines Jahres wurden komplett neue Strukturen geplant und im Sommersemester 2011 so weit implementiert, dass dem offiziellen Start am 1. Oktober 2011 nichts mehr im Wege stand. Ein enormer Erfolg, so Myrle Dziak-Mahler, die Geschäftsführerin des ZfL: „Die Zusammenarbeit von vier Fakultäten und mit zwei Hochschulen sowie das breiteste Fächerangebot in NRW mit über 1000 Fächerkombinationen machen die Betreuung der angehenden Lehrer zu einer komplexen Angelegenheit.“
Große Unterstützung aus allen Ebenen
Die Mitarbeiter des ZfL gehen hoch motiviert zu Werke, denn vor ihnen liegt noch ein großes Stück Arbeit. „Wir sind durch die Umstände gezwungen, den Aus- und Aufbau gleichzeitig zu betreiben“, so die Geschäftsführerin. Die Mitarbeiter des ZfL sind froh, dass sie bei dem ‚Großunternehmen‘ auf die nachhaltige Hilfe des Rektorats, der Fakultäten und der Verwaltung zählen können. „Wir haben soviel Unterstützung bekommen, ohne die das alles überhaupt nicht möglich gewesen wäre“, erinnert sich Daniel Kramp, Leiter des Bereichs
Qualitätssicherung des Zentrums. Er war zusammen mit Dziak-Mahler am Aufbauprogramm beteiligt und ist noch immer beeindruckt, in welcher Geschwindigkeit die verschiedensten Bereiche der großen Universität kooperierten. „Das ging Schlag auf Schlag. Innerhalb kürzester Zeit hatten wir Übergangsräume, die Anmietung der Räume in der Immermannstraße wurde vorbereitet, der Umbau vorgenommen, Personal wurde eingestellt. Das ging alles sehr schnell.“
Beratung und Betreuung
Das Zentrum übernimmt nun auch Aufgaben, für die die Universität früher nicht zuständig war. „Mit der Umstellung der ehemaligen Staatsexamensstudiengänge auf Bachelor- und Master geht die Prüfungsverantwortung von den staatlichen Landesprüfungsämtern an die Universität über. Wir müssen an den Fakultäten und im ZfL neue Prüfungsstrukturen aufsetzen. Angefangen von den Prüfungsordnungen über Verwaltungsvorgänge“, so Kramp. Eine der vorrangigen Aufgaben der neuen Leitung im Sommer war es daher auch, die Leitung des Prüfungsamts zu besetzen – auch dieses wieder in Kooperation mit einer gemischten Kommission aus den lehrerbildenden Fakultäten und der Verwaltung.
Das ZfL-Beratungszentrum hat täglich von 11 bis 16 Uhr, mittwochs von 8 bis 20 Uhr geöffnet. „Wir haben damit viel Zeit, die Studenten persönlich zu beraten“, so Dziak-Mahler. Die Homepage des ZfL (http://zfl.uni-koeln.de) deckt allgemeine Fragen ab, mit dem „Beratungsnavi“ finden die Studierenden ihre Ansprechpartner an der Uni. „Wir wollen die Studierenden zu einem Zeitpunkt abfangen, bevor die Probleme entstehen.“ Dabei sollen auch Angebote des Zentrums helfen: Die Einrichtung von Lernteams, themenbezogenen Workshops und das CafeEinblick, bei dem man sich einmal im Monat mit Schulpraktikern austauschen kann. Kramp: „Ich wünsche mir, dass die Schulen am Ende sagen: Wir möchten als Referendare Absolventen aus Köln. Da wissen wir, das sind Top-Leute.“
Professionalisierung und Portfolio
Und dazu gehört vor allem eins: Die Professionalisierung im Rahmen der Lehrerausbildung. Denn noch merken viel zu viele Lehramtsstudierende zu spät, im Referendariat oder sogar erst als Lehrer, dass sie nicht für den anstrengenden und fordernden Job des Lehrers geeignet sind. Für Professor Roth heißt das, die Lehrerpersönlichkeit zu bilden: „Wir müssen stärker thematisieren, was einen Lehrer oder eine Lehrerin ausmacht.“ Von Anfang an müssen intensiver als früher fachwissenschaftliche und fachdidaktische mit bildungswissenschaftlichen Aspekten verknüpft werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei das sogenannte Portfolio, ein Instrument, mit dem die Studierenden ihre Ausbildung hinsichtlich der Theorie-Praxis-Verknüpfung dokumentieren und reflektieren. „Weshalb will ich Lehrer werden, was ist mein Selbstverständnis? Was sind die Kompetenzen, die ich mitbringe? – Das Portfolio ist in PISA-Gewinner-Ländern schon länger Teil der Ausbildung“, so Roth.
Einen besonderen Stellenwert haben auch Professionalisierung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in den Fachdidaktiken und der Bildungsforschung. Hierfür wurde eigens eine Graduiertenschule am Zentrum für LehrerInnenbildung eingerichtet. „Hier eröffnen sich uns hervorragende Möglichkeiten, an internationale Forschung in den Fachdidaktiken anzuschließen und dem Nachwuchsmangel in diesem Bereich wirksam zu begegnen“, so Professor Dr. Michael Becker-Mrotzek, Leiter der Graduiertenschule.
Schwerpunkt Praxis
Ein weiterer Schwerpunkt des Lehramtsstudiums werden umfangreiche Praxisphasen sein. Das Zentrum muss Kontakte zu den 1350 Schulen in die Ausbildungsregion, der Bezirksregierung und den Zentren für Schulpraktische Lehrerbildung in Gang setzen. Eine logistische Meisterleistung, die Studierenden, die zwei Fächer und Bildungswissenschaften studieren, zielgenau auf die Praxisplätze zu leiten. All diese Praktika müssen von den Lehrenden begleitet werden. Roth: „Für mich ist es ein wesentliches Ziel, dass wir die Praxisphasen als roten Faden durch das Studium hindurch im Zuge einer Professionalisierung der Studierenden verankern.“
Robert Hahn ist Redakteur in der Abteilung 81 Presse- und Kommunikation
KUZ 6/11

