
30. Juli 2012
Alter: 299 TageGemeinsam Hürden überwinden
Um Studium und Behinderung in Einklang zu bringen, müssen betroffene Studierende oftmals Hürden überwinden. In der Abteilung 23 - Besondere Studienangelegenheiten - werden technische und organisatorische Hilfen für Studierende mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen angeboten. Lana Katharina Martin von der Beratungsstelle für Rehabilitationstechnik und assistive Technologien beschreibt ihre Arbeit.
Frau Martin, zunächst eine banale Frage: wie sieht Ihre tägliche Arbeit aus?
Meine tägliche Arbeit ist immer anders und immer spannend: Sie unterteilt sich einerseits in das Tagesgeschäft, also Beratung von Studierenden und Angehörigen der Universität zur Organisation ihres Studiums, zum Beispiel Klausurorganisation – was ein sehr wichtiges Thema ist. Andererseits gibt es die Projektarbeit: Wir erstellen zum Beispiel gerade einen Fragebogen, der an die Studierenden verteilt werden soll. Eine andere Projektarbeit ist die Aufrüstung der Technik, die es an der Uni für blinde und sehbehinderte Studierende gibt, sowie die Erweiterung der Hard- und Software für andere Behinderungsarten. Den größten Teil nimmt aktuell die Beratung der Studierenden ein.
Wie nehmen die Studierenden Kontakt zu Ihnen auf? „Findet“ man Sie und Ihr Angebot schnell?
Dies ist sehr unterschiedlich. Seit ich an der Uni bin, haben die Anfragen von Studieninteressierten zugenommen, was mich natürlich sehr freut. Denn je früher wir die Leute abfangen können, desto besser können wir sie unterstützen, können sofort Fallen vermeiden und Fehler reduzieren. Die Studierenden finden mich teilweise über die direkte Internetsuche, die man noch verbessern könnte. Das ist an allen Hochschulen ein bekanntes Problem. Es gibt immer Studierende, die bereits im sechsten oder achten Semester sind und leider einige Probleme oder negative Erfahrungen gemacht haben und dann sagen „Oh, ich wusste gar nicht, dass es Sie gibt, bzw. dass ich ein solches Angebot mit meiner Grunderkrankung nutzen kann.“
Für mich ist die Netzwerkarbeit ganz wichtig. Ich arbeite zum Beispiel mit dem Behindertenreferat zusammen, ich war beim Studentenwerk, um mein Beratungsangebot vorzustellen. Im Laufe der Zeit möchte ich noch mehr die Fakultäten ansprechen, damit das Beratungsangebot bekannter wird und wir besser zusammenarbeiten können.
Es gibt viele Situationen, die Studierenden und Universitätsangehörigen ohne Behinderung nicht direkt auffallen, die aber für Menschen mit Behinderung ein Problem darstellen können. Wie könnte man Studierende und Universitätsangehörige zu diesem Thema sensibilisieren?
Das ist ein sehr weites Feld, bei dem es sehr unterschiedliche Anknüpfungspunkte gibt. Einer ist natürlich die Barrierefreiheit. Da kann man Universitätsangehörige und Studierende darauf ansprechen, dass z.B. Gänge nicht zugestellt werden, gerade aktuell auch im Rahmen der Bauarbeiten. Das Blindenleitsystem ist auch so ein Klassiker: Es stört sehr, dass darauf immer die Fahrräder abgestellt werden, was natürlich die Orientierung mit dem Langstock auf dem Blindenleitsystem erschwert. Fahrräder sind wirklich fiese schmerzhafte Hindernisse, wenn man sie nicht sieht. Auf der anderen Seite ist es unsere Aufgabe als Behindertenberater noch aktiver auf die Fakultäten und alle anderen Beteiligten zuzugehen und zu sagen “Hallo, wir sind da und stehen auch für Sie als Ansprechpartner zur Verfügung." Das ist an dieser Stelle eine Einladung an die Fakultäten und Beteiligten, uns anzusprechen.
Es ist auch eine Aufgabe für die Lehrenden, sich im Zuge der Inklusion von behinderten Studierenden - NRW hat gerade auch seinen Aktionsplan zur Inklusion veröffentlicht – zu informieren, wie sie Studierende einbeziehen können, die nicht dem Durchschnittsstudierenden entsprechen und spezielle Bedingungen brauchen. Dass man z.B. als DozentIn eben nicht mit dem Rücken zu den Studierenden steht und redet, denn dann bekommen die hörgeschädigten Studierenden die Information nicht mehr mit. Ein Klassiker aus meiner eigenen Studienzeit: Jedes Mal wenn der Dozent einfach nur auf die Folien zeigt und sagt, „Dieser Satz ist sehr wichtig.“ ist man als Blinder oder Sehbehinderter schnell draußen.
Welchen Service, welche Hilfe bietet die Universität?
Als Ansprechpartner gibt es für die Studierenden den Rektoratsbeauftragten für die Belange von Studierenden mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen, dies ist Professor Hansen, ihm zur Seite steht Herr Fassbender als Koordinator. In der Verwaltung kümmert sich Frau Wanitzke um die Härtefälle, aber auch sehr aktiv um die baulichen Angelegenheiten. Dann gibt es noch mich als Beraterin. Ich kümmere mich schwerpunktmäßig um die technischen Belange, bin aber auch großteils beratend tätig zum Thema Nachteilsausgleichung, kümmere mich auch darum, welche Hilfsmittel die sinnes- und körperbehinderten Studierenden für ihr Studium brauchen und wie sie sie bekommen. Ich helfe ihnen zum Beispiel bei der Antragstellung und decke somit den praktischen Bereich ab.
Außerdem gibt es noch die Assistentenstelle, in der Freiwillige im Sozialen Jahr und Studentische Hilfskräfte arbeiten. Sie helfen den Studierenden im Studienalltag, begleiten sie zum Beispiel in Vorlesungen und schreiben für sie mit. Die AssistentInnen unterstützen auch bei Klausuren (helfen bei der Auführung, natürlich nicht bei der inhaltlichen Bearbeitung), sehen bspw. zu, dass die Technik korrekt funktioniert. Sie helfen auch beim Toilettengang. Es herrscht natürlich immer größere Nachfrage. Zurzeit arbeiten bei uns zwei Freiwillige im Sozialen Jahr und drei Studentische Hilfskräfte für die Uni Köln. Mehr Leute wären immer toll und sind sehr willkommen.
Es gibt auch noch das Behindertenreferat des AStA, das ich für sehr wichtig halte, da sich hier Studierende von anderen Studierenden beraten lassen können, die selbst eine Behinderung haben.
Bietet die Uni auch außerhalb des Studiums, bzw. nach dem Studium Services an? Freizeitgestaltung?
Es gibt bei campussport (das universitäre Sportangebot) Fußballkurse für Blinde. Campussport ist gerade für Sehbehinderte gut ausgestattet. Wenn man sich dort für einen Sportkurs anmeldet, ist man gut aufgehoben. Natürlich helfen wir auch hier gerne, die ersten Hürden zu überwinden, aber am wichtigsten ist uns zunächst, dass die Studierenden ihr Studium bestmöglich meistern können.

