
29. März 2012
Alter: 1 JahreFrischer Wind für die Chancengleichheit
Die Uni intensiviert ihre Gleichstellungsbestrebungen mit neuem Personal
Neue Gesichter und neue Strategie: Die Universität will die Maßnahmen und Projekte im Bereich Gender Mainstreaming stärker koordinieren und besser sichtbar machen. Mit einer neuen Gleichstellungsbeauftragten und dem Referat für Gender Qualitätsmanagement wird die dynamische und zielorientierte Gleichstellungspolitik als eine zentrale Aufgabe der Hochschulentwicklung betont und optimiert.
„Mit Annelene Gäckle und Britt Dahmen haben wir einen neuen, jungen und innovativen Geist an der Uni“, erklärt Prorektorin Professor Dr. Steinbeck. Die Juristin ist seit gut einem Jahr als Prorektorin für Finanzen, Planung und Gender damit auch für die Genderpolitik der Universität verantwortlich. Ihr erstes Ziel im Bereich Gender war, die Vielzahl der bestehenden Projekte zu verknüpfen und sowohl innerhalb als auch außerhalb der Universität sichtbarer zu machen. „Es ist wichtig, die Kommunikation in der Universität zu verbessern“, ist sie überzeugt. Sie freut sich besonders über zwei Neuzugänge im Laufe der letzten Monate: Annelene Gäckle ist die neue Gleichstellungsbeauftragte, Dr. Britt Dahmen leitet das Referat für Gender Qualitätsmanagement.
Koordination auf zentraler Ebene
Ein wichtiges Anliegen der nächsten Jahre wird es sein, das Zusammenspiel der Fakultäten und der zentralen Ebene abzustimmen und damit zu verbessern, so Anja Steinbeck: „Es läuft sehr viel in den Fakultäten. Aber die eine Fakultät bekommt oft nicht mit, was die andere macht.“ Das neu eingerichtete Referat „Gender Qualitätsmanagement“ soll diese Bemühungen bündeln – Koordination von zentraler Stelle ist gefragt: „Wenn man den Blick von oben hat, dann gelingt es einem, die Wirkung von Einzelmaßnahmen im Gesamtgefüge zu verbessern “, erklärt Steinbeck. Doch nicht nur die vielen Projekte in den Fakultäten gilt es aufeinander abzustimmen. Auch in den Sonderforschungsbereichen stehen Mittel für Gender-Maßnahmen zur Verfügung. Hier kann durch eine Verknüpfung Größeres erreicht werden. Die Gleichstellungsbeauftragte spielt bei der Koordination eine gewichtige Rolle. Annelene Gäckle bringt umfangreiche Erfahrungen mit, die sie sich in ihrer bisherigen Arbeit als Koordinatorin der Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten der Hochschulen und Universitätsklinika des Landes Nordrhein-Westfalen (LaKof NRW) erworben hat. „Wir möchten auch innovative Projekte starten“, erklärt Anja Steinbeck. „Mit Annelene Gäckle ist es uns gelungen, jemanden für die Universität zu gewinnen, die da sehr ausgewiesen ist.“
Karriereweg Frauen und Berufung von Professorinnen
Neben der Koordination der Fördermaßnahmen möchte Steinbeck in Zukunft die Anzahl der Berufung weiblicher Professorinnen weiter erhöhen: „Das Ziel muss es sein, noch mehr exzellente Wissenschaftlerinnen nach Köln zu bekommen.“ Insbesondere gilt dies für die W3-Stellen. Bis jetzt sind zwar schon 21 Prozent der Professuren mit Frauen besetzt. Doch bei den höherdotierten W3-Stellen sind es gerade einmal 16 Prozent. „Da ist immer noch der Gender Pay Gap sichtbar“, so Steinbeck. Beispiel Berufungsverfahren: Dort gibt es sehr viele Schritte, die man gender-sensibel gestalten kann, sodass Frauen besser zur Geltung kommen. „Wir sind gerade dabei das Verfahren zu durchleuchten, um es für Frauen chancenwahrender auszugestalten“, so Steinbeck. Auch der Karriereknick nach der Promotion ist weiterhin ein Problem: Obwohl mehr als die Hälfte aller Studierenden und knapp die Hälfte der Promovierenden Frauen sind, sinkt der Anteil von Frauen an AssistentInnenenstellen dramatisch. Grund dafür ist die berufliche und private Unsicherheit von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern. Tenure Track-Programme könnten eine Lösung sein, um mehr Sicherheit zu bieten.
Karriereweg Frauen
„Frauen kommen auf dem Karriereweg abhanden“, konstatiert auch Annelene Gäckle. Seit Anfang Januar ist sie die neue Gleichstellungsbeauftragte der Universität. Die diplomierte Sozialpädagogin und Masterabsolventin kennt den Knackpunkt der Wissenschaftlerinnenkarriere: „Der Bruch zwischen Promotionen und Habilitationen ist bei Frauen gewaltig.“ In den letzten sechs Jahren vermittelte sie für die „LaKof NRW“ zwischen Wissenschaftsministerium, Politik und Hochschulen auf landespolitischer Ebene bei gleichstellungsrelevanten Anliegen. Die frischgebackene Gleichstellungsbeauftragte freut sich auf ihre neuen Aufgaben an der Uni. Sie sieht enormes Potenzial, da zahlreiche Akteurinnen und Akteure am Werk sind: Das Referat für Gender Qualitätsmanagement, die Fakultäten, die Sonderforschungsbereiche, die dezentralen Gleichstellungsbeauftragten, der DualCareer und Family Support und viele mehr. „Es ist inzwischen ein schönes weites Spektrum der Anstrengungen geworden“, so Gäckle. „Es ist mir ein Anliegen, gemeinsam die Chancengleichheit der Geschlechter voranzutreiben.“ Eine Gleichstellungsbeauftragte alleine könne diese Aufgaben nicht vertreten und umsetzen: „Gleichstellung ist eine Querschnittsaufgabe an einer Hochschule und wird auch als diese wahrgenommen“.
Projekte in der Frauenförderung
Für die Gleichstellungsbeauftragte gibt es immer noch klassische Themen wie Equal Pay oder die Steigerung des Anteils von Frauen in Leitungs- und Gremienpositionen.
Die Voraussetzungen für eine gedeihliche Gleichstellungspolitik an der Uni seien günstig, so die Gleichstellungsbeauftragte: „Es ist sehr erfreulich, dass sich das Rektorat dieses Themas sehr engagiert annimmt.“ In den letzten zwanzig Jahren, seit es das Landesgleichstellungsgesetz gibt, sei sehr viel geschafft worden, so Gäckle. Es bleibe allerdings wichtig, dass Frauen gefördert werden, da ihre Repräsentanz in Leitungsebenen und bei Professuren noch zu wünschen übrig lässt. Beispielhaft ist hier das Cornelia Harte Mentoring-Programme (CHM) für Schülerinnen, Studentinnen und Wissenschaftlerinnen oder das Female Career Center (FCC) für Studentinnen, Wissenschaftlerinnen und weibliche Angestellte, aber auch das neue CHM Family, das bald ein Mentoringangebot für Eltern und Pflegende beider Geschlechter bietet. Desweiteren gibt es Schnupperunis & Studientage (GPS) für Schülerinnen und viele weitere Fördermaßnahmen. Daneben gehört zum täglichen Geschäft der Gleichstellungsbeauftragten auch die Einzelfallförderung. Das betrifft zum Beispiel junge Wissenschaftlerinnen, die während der Promotion ein Kind bekommen. „Damit sie ihre Karriere weiter verfolgen können und oben ankommen, muss man auch in Einzelfällen helfen“, so Gäckle.
Strategische Planung und Qualitätsmanagement
Für die Koordination der verschiedenen gleichstellungs- und familienbezogenen Aktivitäten ist Dr. Britt Dahmen zuständig. Seit Anfang September 2011 leitet sie das Referat für Gender Qualitätsmanagement: „Wir haben die Aufgabe, das Rektorat in Fragen der Gleichstellung strategisch zu unterstützen.“ Außerdem soll hier das genderorientierte Qualitätsmanagement entwickelt werden. Das Referat wird ein regelmäßiges Monitoring zu genderspezifischen Daten betreiben, Berichte zum Thema Gleichstellung erstellen, sowie Evaluations und Controlling-Instrumente für die Realisierung von gleichstellungsspezifischen Zielen implementieren. Die Aufstellung von Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit den Fakultäten ist eine weitere Aufgabe von Dahmen. Schließlich wird auch hier ein Schwerpunkt in der Netzwerkarbeit liegen. Dahmen sieht wie Steinbeck und Gäckle die Notwendigkeit, die einzelnen Projekte enger abzustimmen und damit insgesamt schlagkräftiger zu machen: „Wir möchten ein Netzwerk mit den verschiedensten Beteiligten aufbauen, die im Bereich Gleichstellung aktiv sind.“
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