
15. Februar 2012
Alter: 1 JahreEhrendoktor für den Schriftenschöpfer
Kölner Afrikanistin nimmt an der Verleihung der Ehrendoktorwürde an David Wabeladio Payi teil
Kinshasa in der Demokratischen Republik Kongo: Eine volle Aula mit 1000 Besuchern, ein Fanfarenchor und Musiker des Symphonieorchesters von Kinshasa haben sich versammelt. Mit dabei: Helma Pasch vom Institut für Afrikanistik. Eine feierliche Kulisse der Verleihung der Ehrendoktorwürde an David Wabeladio Payi. 1978 entwickelte er die Mandombe-Schrift, eine abstrakt und ästhetisch aussehende Silbenschrift.
Auch Dr. Helma Pasch hatte ihren festlichen Ornat angelegt: „Ich musste mir noch im letzten Augenblick in Köln einen Talar der Philosophischen Fakultät ausleihen“, erinnert sich die Afrikanistin schmunzelnd. Während in Deutschland winterliches Wetter herrschte, tat sich die Wissenschaftlerin im mitgebrachten Festgewand schwer: „Unsere Talare sind nicht für diese Temperaturen ausgelegt“, so Pasch. Als Mitglied der Jury sollte sie bei der Verleihung des Doktors honoris causa zugegen sein. Der Grund für ihre Einladung: Pasch beschäftigt sich mit afrikanischen Schriften und publiziert dazu. „Ich bin durch einen Zufall im Internet auf Mandombe gestoßen und habe dann weiter nachgehakt.“ Aus der anfänglichen Neugier wurde ein dauerhaftes Forschungsthema. „Meine Publikationen sind zumindest teilweise in der demokratischen Republik Kongo bekannt geworden“, so Dr. Pasch - eine Voraussetzung für die Verleihung.
Kirche gibt Unterstützung
Neben dem deutschen Gast waren der Bildungsminister der Republik, der Rektor und die Dekane der Fakultäten anwesend. Der neue Ehrendoktor Wabeladio Payi ist Mitglied der Kimbanguistenkirche, einer großen evangelischen Kirche im Kongo, die als einzige afrikanische Kirche dem Weltkirchenrat angehört. „Wie bei vielen Schriften gab es da einen göttlichen Befehl“, so Pasch. Dieser wurde im Traum von Simon Kimbangu, dem 1951 verstorbenen Gründer der Kirche, an den sehr frommen Schriftenschöpfer ausgesprochen. “Die Schrift hat eine ganze Reihe von Schülern wird aber noch sehr wenig als Schreibmedium benutzt. Innerhalb der Kirche hat sie aber einen ganz guten Status.“ Ohne eine starke Gruppe wie die Kimbanguistische Kirche wäre die Weiterentwicklung der Schrift nicht möglich. „Die Kirche liefert ihm den geschützten Raum wo er arbeiten kann“, so Pasch. Als Silbenschrift wird Mandombe vorwiegend für die Sprachen Kikongo und Lingala benutzt. Für diese Sprachen ist eine Silbenschrift gut geeignet, da die Silbenstruktur vorwiegend aus der Abfolge von Konsonant und Vokal besteht.
Eine Frage der Identität
Für die Afrikanistin Pasch ist Mandombe etwas Besonderes: „Mandombe ist die erste voll funktionsfähige Schrift, die südlich des Äquators geschaffen wurde“, erklärt die Wissenschaftlerin. Und es ist die einzige Schrift, die aus vorhandenen Symbolen, den stilisierten Ziffern „2“ und „5“ kreiert wurde. Gerade letzteres macht sie zu etwas Besonderem, so die Wissenschaftlerin: „Die Schrift hat etwas mit Identität zu tun. Mandombe heißt: ‚Pour les Noirs’.“ Aufgrund der Bedeutung für Kirche und Identität plädierten einheimische Wissenschaftler dafür, Wabeladio die Ehrendoktorwürde zu verleihen. Er selber ist kein Akademiker, arbeitet aber als Lehrbeauftragter an der privaten Universität der Kimbanguistischen Kirche. Wer Lust hat die exotische Schrift zu lernen, sollte sich nicht vom ungewohnten Aussehen abschrecken lassen. Die Schrift ist nicht so kompliziert, wie ihr Äußeres vermuten lässt, weiß Pasch: „Das Prinzip hat man in ein zwei Stunden begriffen. Doch dann muss man noch: üben, üben, üben.“
Robert Hahn, Presse und Kommunikation
KUZ 1/12

