
05. Januar 2012
Alter: 1 JahreDas Chaos im Kopf bekämpfen
Das ADHS-Projekt an der Uni Köln hilft Studierenden mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
Hausarbeiten, Klausuren und Prüfungen stehen an. Doch die Zeit verrinnt. Schon nach einer halben Stunde geht es nicht weiter: Man surft lieber im Internet, kann sich nicht konzentrieren, wird unruhig. Aufgaben werden aufgeschoben oder nicht zu Ende geführt, Projekte und komplexere Arbeiten werden unzureichend geplant und angefangen und Seminare wiederholt – wer so etwas erlebt, könnte an ADHS leiden, der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Das ADHS-Projekt an der Uni Köln schafft Abhilfe für Studierende.
Peter K. kennt das Chaos im Kopf: „In der Vorlesung dauert´s nicht lange, dann geht die Konzentration flöten – zu viele Infos, der Geist schweift ab. Zu Hause weiß ich dann nicht wirklich, worum es heute ging. Dabei ist das alles prüfungsrelevant...“ Der Student ist einer der von ADHS betroffenen Kölner Studierenden. Er ist nicht der Einzige. Die Betroffenen fallen sozial auf. Oft bekommen sie zu hören: „Ständig wippst Du herum und wackelst mit den Füßen! Du machst mich ganz hibbelig.“ Der Grund für derartige Auffälligkeiten könnte ein Vorliegen einer ADHS sein, ADHS – die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung denn diese kann – was viele nicht wissen – oftmals bis ins Erwachsenenalter weiter bestehen.
Konkrete Probleme angehen
Um diesen Schwierigkeiten sinnvoll zu begegnen, Planungsfähigkeit und Zeitmanagement zu optimieren oder angemessene Vorgehensweisen und Denkmuster zu erlernen und einzuüben, wurde an der Universität von Professor Gerhard Lauth und Professor Wolf-Rüdiger Minsel ein Training entwickelt. „Das Training konzentriert sich in sechs thematischen Sitzungen speziell auf ADHS-bedingte Probleme, denen sich Studierende im Studium, aber auch im Alltag oft gegenüberstehen“, erklärt Professor Minsel vom Department für Psychologie. Zu den speziellen Problemen gehören das Anfangen und Umsetzen von Aufgaben, Gedächtnis, Konzentration und Co., Prioritäten setzen und Einteilen, Verstehen und Verstanden werden.
Training mit Psychologen
Sechs bis zehn Studierende nehmen für gewöhnlich an dem Training teil. „Das Training wird unter Anleitung von Mitarbeitern des ADHS-Projekts der Uni Köln oder der Psycho-Sozialen Beratung durchgeführt“, erklärt Minsel. Fachliche Qualifikation ist natürlich vorausgesetzt. „Alle sind Psychologinnen und Psychologen oder klinische Psychotherapeuten und –therapeutinnen.“ Möglichst genau wird dabei herausgearbeitet, welche Schwierigkeiten bei jedem Einzelnen momentan vorliegen, aber auch, welche Bereiche unproblematisch sind. Darauf aufbauend werden konkrete Lösungen gesucht und verhaltenstheoretische Strategien vermittelt, um individuelle Ziele zu erreichen und anstehende Aufgaben erfolgreich zu bewältigen.
Mit dem Tandem zum Erfolg
Oftmals berichten Menschen mit ADHS, dass sie ihre Aufgaben zwar selbst nicht „auf die Reihe“ kriegen, aber effektiv und empathisch anderen helfen können. Derartige Ressourcen werden auch im Rahmen des Trainings genutzt, indem Tandems (Zweipersonengruppen) gebildet werden, um sich so gegenseitig Hilfe, ein offenes Ohr oder auch Struktur zu geben. Gerade das Erleben, dass man mit seinen Schwierigkeiten nicht alleine steht sowie das gegenseitige Verständnis innerhalb der Gruppe, werden als entlastend und aufbauend empfunden. Um am Training teilnehmen zu können, geht man folgendermaßen vor: Zunächst schreibt man eine E-Mail (Adresse: s.u.) an das ADHS-Projekt. Daraufhin werden ADHS-spezifische Fragebögen via Mail übersendet, die, nach deren Rückerhalt, ausgewertet werden.
Diskretion garantiert
Anschließend erfolgt eine Einladung zu einem Eingangsgespräch, um einerseits die Ergebnisse der Fragebögen und zum anderen die jeweilige Situation und das weitere Vorgehen und das Training differenziert besprechen zu können. „Dabei terliegen natürlich sämtliche persönliche Daten der Schweigepflicht“, so Koch. Dies gilt ebenfalls für die weiteren Fragebögen, die während des Trainings zu Evaluationszwecken erhoben werden. Für das Training ist eine einmalige Gebühr von 50.– Euro zu entrichten. Dass das Training zu diesem Preis angeboten werden kann, liegt daran, dass es durch den Studierendenförderungsfonds der Universität zu Köln, das Kölner Studentenwerk und zwei Lehrstühle der Humanwissenschaftlichen finanziert wird. Nähere Informationen finden Sie auf der Internetseite www.adhs-projekt.uni-koeln.de und bei weiterem Interesse, zur Klärung von Fragen oder zum Erhalt der Fragebögen stehen Ihnen Dipl.-Psych. Melanie Koch und Cand.-Psych. Michael Standke gerne zur Verfügung:
melanie.koch(at)uni-koeln.de
michael.standke(at)uni-koeln.de
Tel: 0221/470 47 24 (Anrufbeantworter)
www.adhs-projekt.uni-koeln.de
Robert Hahn ist Redakteur in der Abteilung 81 Presse- und Kommunikation
KUZ 6/11

