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23. April 2012

Alter: 1 Jahre

Götter und Kaiser

Von Robert Hahn

Das Zentrum für die antiken Kulturen des Mittelmeerraumes erforscht das Thema „Macht und Religion“ mit einem Studienkurs in Rom

Macht und Religion – ein aktuelles Thema. Schon in der Antike lag Zündstoff im Verhältnis von Kaiser und Kult. Religiöse Legitimation gehörte bei den Cäsaren zur Staatsideologie. Das Zentrum für die antiken Kulturen des Mittelmeerraumes (ZAKMIRA) nahm sich dieses Jahr des Themas mit einem Studienkurs in Rom an. In dem interdisziplinären Projekt trafen junge Doktoranden und Postdocs auf erfahrene Wissenschaftler. Ihr Ziel: Die Architektur der römischen Baumonumente zwischen Macht und Religion zu erforschen. Gefördert wurde der Kurs durch Alumni/Freunde und Förderer der Uni sowie die Thyssen-Stiftung.

Foto: Prof. Claudia Sode

Zehn Tage dauerte der Kurs Ende März, fünfzehn junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen nahmen daran teil. Organisiert wurde das Unternehmen von fünf Kölner Professoren unter Federführung von Jürgen Hammerstaedt vom Institut für Altertumskunde: „Macht und Religion hatten in der Antike eine starke Verknüpfung“, so der Altphilologe. „Dieses Verhältnis ist während der europäischen Geschichte seitdem immer wieder wirksam geworden.“ Vertreter der verschiedensten Disziplinen waren bei der Exkursion mit am Start: Alte Geschichte, Archäologie, Byzantinistik, Klassische Philologie.

Überzeitliche Problematik

Im Fokus der Betrachtung lagen die architektonischen Überbleibsel der römischen Königs-, Republiks- und Kaiserzeit. Doch der Rekurs auf Vergangenes bedeutet für Hammerstaedt nicht, dass die steingewordenen Dokumente römischer Macht und römischer Religion uns heute nichts mehr sagen könnten: „Macht und Religion manifestieren sich heute noch architektonisch in vielen Weltregionen. Man muss nur an den Moscheebau in Köln denken. Dort positioniert sich eine Religion in der Öffentlichkeit.“ Eine überzeitliche Problematik, die in der Antike sehr gut wahrnehmbar ist, weil es viele Quellen zu Kaiserideologie und Machtideologie gibt. „Es hilft uns, heutige Problematiken nicht als singulär sondern als logische Entwicklung zu verstehen und vielleicht auch gelassener zu betrachten“, so Professor Hammerstaedt.

Inschriften und Architektur

Ein zentraler Anlaufpunkt des Studienkurses waren die Kaiserforen. Diese öffentlichen Plätze dienten der Selbstdarstellung der Kaiser und der von ihnen vertretenen Ideologie. Die Interaktion zwischen Macht, ihrem Anspruch auf religiöse Legitimation und der religiösen Wirklichkeit lassen sich an Architektur, skulpturaler Ausgestaltung und nicht zuletzt an Inschriften erkennen. „In Rom kann man natürlich nicht überall mit archäologischen Neuigkeiten aufwarten“, erklärt Hammerstaedt. „Doch die Exkursion machte die Dinge in neuem Licht sichtbar.“ Die teilnehmenden Wissenschaftler bearbeiteten dabei spezielle Themen und präsentierten sie ihren Kollegen. So wurden Triumphatorentempel und Portiken untersucht, die Stätten der Kaiserkulte analysiert oder die Sakraltopologie von Ostia erörtert. „Für mich war Ostia ein Highlight“, bekennt der Altphilologe Hammerstaedt in Erinnerung an Roms Kolonie an der Tibermündung. „Die Stadt hat einen außergewöhnlichen Erhaltungszustand, weil sie nicht überbaut wurde.“

Byzantinische Epoche inklusive

Durch die Anwesenheit von Professorin Claudia Sode wurde die Zeitskala bis ins frühe Mittelalter, die byzantinische Epoche Roms verlängert. „Für uns als Byzantinisten ist Rom nur ein Außenposten“, erklärt Professorin Sode. Denn im sechsten und siebten Jahrhundert war Konstantinopel die Hauptstadt des verbliebenen oströmischen Reiches. Trotzdem gibt es in der italienischen Hauptstadt frühmittelalterliche Schätze zu entdecken. Etwa in Santa Maria Antiqua, einer Villa, die in eine Kirche umgebaut wurde. Hier hat sich Wandmalerei im byzantinischen Stil erhalten. Das ZAKMIRA möchte mit dem Studienkurs nach außen wirken. Bereits im letzten Jahr wurde ein ähnliches Angebot den Studierenden gemacht. Der nächste Schritt gilt dann der breiteren wissenschaftlichen Öffentlichkeit: „Im nächsten Jahr planen wir mit dem Morphomata-Kolleg einen Kongress, ebenfalls mit dem Thema Macht und Religion“, so Professor Hammerstaedt.

Robert Hahn, Presse und Kommunikation