
15. Februar 2012
Alter: 1 JahreGeheimschrift, Kreml, Domglocken
Das Mathematische Institut und die Staatliche Pädagogische Universität in Moskau organisieren gemeinsame Seminare
Von Köln nach Moskau – von Moskau nach Köln: Zwei deutsch-russische Seminare wurden Ende des letzten Jahres abgehalten: Professor Tassilo Küpper vom Mathematischen Institut besuchte mit seinen Studierenden die Moskauer Staatliche Pädagogische Hochschule – und empfing die russischen Gäste einen Monat später in Köln. Ein Kooperationsvertrag zwischen der Staatlichen Pädagogischen Hochschule und der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät soll jetzt als Grundlage für künftige Projekte dienen. Unterstützt wurden die Seminare von der Hanns Martin Schleyer-Stiftung und der Heinz Nixdorf Stiftung.
Janna Barz gerät ins Schwärmen, wenn sie an das Seminar in Moskau denkt: „Es waren tolle Erfahrungen, die wir da machen konnten“, erinnert sich die Lehramtsstudentin für Mathematik und Physik an die zwei Seminare. Zusammen mit zehn Kommilitonen nahm die zukünftige Lehrerin Anfang November in Moskau an dem gemeinsamen Seminar deutscher und russischer Mathematik-Studierender teil. Anfang Dezember wurden die russischen Partner dann zu einem Seminar in Köln empfangen. „Gerade der Kontakt mit den russischen Studenten war toll. Das sollte man nicht verpassen“, so Barz. Aber auch das Seminarprogramm in Moskau hatte es in sich: Gemeinsam mit ihren russischen Kommilitoninnen und Kommilitonen wurden theoretische Aspekte der Lehrerbildung erörtert und praktische Projekte für die Kölner KinderUni konzipiert. Darauf kam es dem deutschen Organisator der Seminare an: Professor Tassilo Küpper vom Mathematischen Institut. Der ehemalige Rektor der Universität will den deutschen Studierenden ein anderes Schulsystem zeigen: „Mathematik und Naturwissenschaften hatten und haben einen sehr hohen Stellenwert im russischen Schulsystem. Gerade in diesen Fächern genießt die russische Bildung international einen sehr guten Ruf.“ Dementsprechend gibt es in Russland eine Reihe interessanter Fördermaßnahmen. Deshalb läge es nahe, sich mit den dort verwendeten Konzepten zu befassen, um von den russischen Erfahrungen lernen zu können, so Küpper.
Beziehungen nach Russland
Persönliche Beziehungen waren es, die den Grundstein der gemeinsamen Aktivitäten legten. Neben seinen persönlichen wissenschaftlichen Kontakten nach Moskau, konnte Professor Küpper während seiner Zeit als Rektor der Universität weitere Bande mit der Staatlichen Pädagogischen Universität knüpfen. „Früher gab es Kontakte zur Erziehungswissenschaftlichen Fakultät. Ich bin als Rektor zu Jubiläen da gewesen und habe mich um diese Verbindung gekümmert.“ Küpper wurde Honorarprofessor der Hochschule. „Da habe ich überlegt, was man da machen kann und eine dieser Ideen war das Seminar, das wir veranstaltet haben.“ Küpper wollte einen konkreten fachlichen Gedankenaustausch, der unter anderem der Kölner KinderUni zugute kommen sollte. „Das schien mir dann ein Ansatz zu sein, ein konkretes Projekt mit Studierenden aus Moskau durchzuführen.“ Die Idee war vom Zeitaufwand her überschaubar und passend für beide Seiten, um Erfahrungen auszutauschen. Die russischen Reaktionen auf Küppers Idee waren sehr positiv.
Theorie und Praxis
In Moskau ging es erst einmal um Grundlagen der Lehrer- und Schulausbildung und die Vergleiche von deutschem und russischen Schulsystemen. Doch nicht nur der theoretische Bildungsbereich sollte behandelt werden. Arbeitsgruppen mit je drei russischen und deutschen Studierenden arbeiteten für den Aufenthalt in Köln Projekte aus, die in Form jeweils einer KinderUni-Vorlesung in Köln fortgesetzt und am Ende präsentiert wurden. „In unserem Projekt geht es um Kryptographie, Geheimschriften“, so Janna Barz. Professor Küpper freut sich über die gewonnenen Eindrücke des Moskaubesuchs: „Generell war der Erfahrungsaustausch für beide Seiten interessant. Es war interessant zu sehen, wie da einzelne Einrichtungen funktionieren.“ Ein Besuch im „Kinderpalast“, einer naturwissenschaftlich-pädagogischen Lehrstätte, und einer Schule waren ebenso Teil des Programms. „Was wir gesehen haben war beeindruckend“, erinnert sich Küpper. „Eine Paradeschule.“ So funktioniere Schule im besten Sinne. „Gerade bei dem Kinderpalast könnten wir uns etwas abgucken“, meint auch Janna Barz. „Der Besuch im Gymnasium war unheimlich beeindruckend, weil der Schulleiter eine große Wärme versprüht hat. Dieser Eindruck wird mich dann auch später begleiten, als Lehrerin, wenn mal etwas nicht so rund läuft.“
Domglocken und Atomphysik
Bei diesen positiven Erfahrungen verstand es sich von selbst, dass sich die Kölner als Gastgeber im Dezember revanchierten: Ein Programm mit Besuch im Labor der Atomphysik, einer Vorlesung und der Grüneberg-Schule in Kalk – eine Schule mit naturwissenschaftlichem Profil, die in besonderem Maße die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund fördert – wurde organisiert. Ein Besuch auf dem Dach des Kölner Doms hatte einen besonderen Hintergrund: für die Kinderuni wurde ein Projekt über die Glocken im Dom entwickelt. „Ich glaube, die Kölner Uni hat keinen schlechten Eindruck hinterlassen“, ist Küpper überzeugt. Der formale Partnerschaftsvertrag zwischen der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät und der Staatlichen Pädagogischen Universität in Moskau ist eine Plattform für weitere Projekte, betont Professor Küpper. Welcher Wissenschaftler diese Möglichkeiten dann wahrnehmen wird, ist leider offen. Der Mathematiker wird bald in den Ruhestand gehen. „Von russischer Seite besteht aber starkes Interesse, das weiterzumachen - eine große Chance für die Kölner Uni“, so Küpper.
Robert Hahn, Presse und Kommunikation
KUZ 1/12

