
04. Januar 2012
Alter: 1 JahreEin Kölner Erfolgsmodell
Kreissparkasse und Universität feiern das elfte Jubiläum des Frühstudiums an der Uni
Ein ungerades Jubiläum führte über hundert Eltern, Schüler, Lehrer und Projektverantwortliche Ende November im KätheKollwitzMuseum zusammen: Anlässlich des elften Jahrestages von „Schüler an der Uni“ wurden Zertifikate für die Schülerstudenten verliehen. Rektor Axel Freimuth und der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse, Alexander Wüerst, überreichten die Urkunden.
„Das gemeinsame Projekt „Schüler an der Universität“ ist eines der erfolgreichsten Projekte zur Förderung leistungsstarker Jugendlicher in Deutschland“, erklärte Rektor Axel Freimuth in seinem Grußwort. Das sieht nicht nur die Kölner Hochschulleitung so. Dem Modell des Frühstudiums von Schülern an Hochschulen folgen inzwischen bundesweit die meisten Universitäten und viele Fachhochschulen.
Vorreiter in dieser Entwicklung war die Universität zu Köln, an der bereits im Wintersemester 2000/2001 die ersten Schüler zum Studium zugelassen wurden. Eine starke Idee, für welche die Kölner die Werbetrommel rührten. „Wir wollten von Anfang an das Projekt nicht für uns selbst behalten, sondern möglichst viele Schülerinnen und Schüler davon profitieren lassen. Deswegen freuen wir uns besonders über den bundesweiten Erfolg des Projektes“, so Freimuth.
Bundesweiter Erfolg
In Köln beteiligen sich drei Fakultäten aktiv an dem Projekt: Die Mathematisch-Naturwissenschaftliche, die Philosophische und die Rechtswissenschaftliche Fakultät. Seit Beginn des Projektes ist es den Frühstudierenden, wie sie auch genannt werden, möglich, Leistungsnachweise zu erwerben und Prüfungen abzulegen. Der Zulauf ist rege: Von 28 Frühstudierenden im Wintersemester2000/2001 - damals nur in Köln - auf deutschlandweit 1700 im laufenden Wintersemester. Maßgeblichen Anteil an der Etablierung des Projektes hatte der damalige Prorektor und spätere Rektor Professor Dr. Tassilo Küpper. Grund für den bundesweiten Erfolg ist die engagierte Werbung für das Projekt von Dr. Ulrich Halbritter, wie der Rektor betont: „Herr Dr. Halbritter hat sich unermüdlich dafür eingesetzt, dass das Projekt auch deutschlandweit ein Erfolg wurde. Das ist ihm und allen Beteiligten in hervorragender Weise gelungen.“
Starke Partner zählen
Gefördert wird das Projekt von Anfang an durch die Hochbegabten-Stiftung der Kreissparkasse Köln, die seit 1998 existiert. Seit 2004 beteiligt sich die Deutsche Telekom Stiftung an der Verbreitung des Frühstudiums. Das Projekt sei „ein bildungspolitischer Volltreffer“, so Alexander Wüerst, der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Köln und Kuratoriumsvorsitzender der Hochbegabten-Stiftung. Wüerst dankte allen Beteiligten für die gute und produktive Zusammenarbeit in dieser Zeit. Begabungsförderung sei allgemein akzeptiert und zu einem selbstverständlichen Element erfolgreicher Bildungspolitik geworden. Gerade sie sei gesellschaftlich von hoher Bedeutung: „Bildung stellt im Kontext der globalen und nationalen Veränderungen unser wichtigstes Zukunftskapital dar.“ Eine exzellente Förderung und Ausbildung für hoch motivierte leistungsstarke Köpfe sei nicht nur Grundlage für ein Mehr an globaler Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch Voraussetzung einer Gesellschaft, die Begabungsvielfalt und -förderung als Elixier gelebter Solidarität begreife. Auch regionale Stiftungen könnten wichtige Leuchtturmprojekte vordenken und darüber eine überregionale Verbreitung anstoßen.
Kölsches Jubiläum zum Elften
Die Organisatoren sind sehr froh über die Hilfe der Stiftungen. „Das Schwierige sind oft die Fahrtkosten“, so Dr. Ulrich Halbritter vom Mathematischen Institut, der Koordinator des Kölner Programms. Manche Schüler kämen aus der Eifel oder ähnlich weit abgelegenen Gebieten. Da die Fahrtkosten zu finanzieren, das fiele doch manchem sehr schwer. Zweihundert Euro im Semester seien nicht selten. „Und da greifen die Kreissparkasse und auch die Deutsche Telekom Stiftung ein.“ Die Jubiläumsfeier folgte einem gemeinsamen Wunsch von Hochschulleitung und Kreissparkassenvorstand: „Der Rektor hat mich angesprochen, ob wir das nicht mal wieder im großen Rahmen machen wollten. Da traf es sich gut, dass der Geschäftsführer der Hochbegabtenstiftung, Herr Christian Brand, sich ähnlich geäußert hatte.“, so Halbritter. Mit der Feier sollte auch das elfte Jubiläum eines Projekts gewürdigt werden, das 2000 von Köln seinen Ausgang nahm.
Das Frühstudium an der Universität ist inzwischen ein anerkannter und fest etablierter Baustein in der nachhaltigen Förderung leistungsstarker Schüler geworden. Dabei muss man sehr wohl unterscheiden zwischen begabt und leistungsstark, so Halbritter: „Eine hohe Begabung zeigt nur ein hohes Potential. Hochleistung dagegen bekommen Sie nur mit einem hohen Intelligenzquotienten plus gediegener Arbeitshaltung.“
Orientierung an der Uni
Prinzipiell sind den Schülern an der Uni keine Grenzen gesetzt. So schlug der Fall des Felix Dietlein, der als erster Schüler sein Diplom vor dem Abitur gemacht hat, in den Medien hohe Wellen. Solche Ausnahme unter den Ausnahmen,so Halbritter, sei aber keineswegs das Ziel des Programms oder die Vorstellung dahinter: „Das Ziel ist ja nicht, schnell arbeitsmarktfähig zu werden. Die Schüler sollen sich vielmehr in einem Fach, das sie interessiert, auf akademischem Niveau weiterbilden.“ Es gehe um die Vertiefung der Interessensgebiete, um Bildungszuwachs. Drei bis fünf Prozent der Bevölkerung gelten als hochbegabt. Sie bringen die Anlagen mit, die ein solches Projekt fordert. Den Nutzen, den die Schüler aus ihrem Besuch der Hochschule ziehen, sieht Halbritter erst einmal ganz praktisch: „Sie wissen danach, was sie studieren werden oder was sie sicher nicht wählen werden.“ Das bestätigte auch Dr. Verena Wockenfuss von der Universität Duisburg-Essen in ihrer Festrede. Und so sieht es auch Studiendirektor Rolf Theil vom Rheingymnasium, der von Beginn an bei der Etablierung des Projektes beteiligt war und viele Frühstudierende betreut hat.
Einblick ins Studium
33 Schüler erhielten diesmal Zertifikate über die erbrachten Leistungen. Einer von ihnen ist Tjark Pogoda von der Freiherr-vom-Stein-Schule in Rösrath. Der 17jährige Schüler hat Seminare an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät belegt: Staatslehre, Deutsche Rechtsgeschichte und Staatsrecht II. „Man bekommt einen Überblick, wie so alles abläuft und kann mit den anderen Studierenden sprechen“, findet er. Neues gab es auch hinsichtlich der Methodik und der Anforderungen an der Uni: „Man muss schon sehr regelmäßig und selbstständig arbeiten.“ Die Art des Arbeitens gefiel dem Schüler aber sehr gut: „Man kann sich selbst Prioritäten setzen.“ Im laufenden Semester hört er parallel zum Abitur: „Staatsrecht III“.
Robert Hahn ist Redakteur in der Abteilung 81 Presse- und Kommunikation
KUZ 6/11

