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23. April 2012

Alter: 1 Jahre

Duala, Nairobi und Kinshasa in der Uni Köln

Von Friderike Mangelsdorf

Institut für Afrikanistik richtet 20. Afrikanistentag aus

Zu allen Zeiten in der Geschichte versuchten sich junge Menschen von der Generation ihrer Eltern abzuheben. Das zeigt sich in Kleidung, Haarlänge aber auch in Sprache. Wer glaubt, dass das nur in diesen Breiten ein Thema ist, wird Anfang Juni an der Universität zu Köln eines Besseren belehrt. Dann findet zum Thema „Jugendsprachen und Sprachdokumentation“ der 20. Afrikanistentag statt. Einer der Gäste der Veranstaltung ist der bekannte südafrikanische Intellektuelle Neville Alexander.

Foto: KISD, Lisa Beller

Innerhalb der letzten zehn Jahre ist das Interesse an den so genannten Jugendsprachen in Afrika erheblich gestiegen und zunehmend Objekt der afrikanischen Forschung geworden. Verschiedene Sprachvarietäten wurden mit Hinblick auf ihren Ursprung und ihre Entwicklung untersucht, ebenso wie ihre Rolle als identitätsstiftendes Element. Im Allgemeinen werden Jugendsprachen als sprachliche Merkmale und Muster bezeichnet, die unterschiedliche Gruppen von Jugendlichen zu verschiedenen Zeiten und Alterstufen und unter verschiedenen Kommunikationsbedingungen und –zielen verwenden. Sie gelten sowohl im europäischen als auch afrikanischen Raum als ein modernes und urbanes Phänomen, was laut neuerer Studien allerdings überdacht werden sollte.

Sheng, Randuk, Kindubile – Jugendsprachen im wissenschaftlichen Mittelpunkt

Der diesjährige Afrikanistentag soll neue Einblicke in das Thema Jugendsprachen und Sprachdokumentation geben. Es geht um die Dokumentation möglichst aller sprachlichen Praktiken, die letztendlich eine Sprache ausmachen. Dazu gehört der genaue Blick auf die Entwicklung von Jugendsprachen, ihrer sprachlichen Praxis und ihren Strategien zur Manipulation der Bedeutung. Außerdem soll geklärt werden, ob Jugendsprachen tatsächlich ein urbanes und modernes Phänomen sind oder ob sie mit Ritualen und Bewegungen assoziiert werden können, die bereits seit langem existieren. Gefragt wird auch, inwiefern Jugendsprache mit Politik verbunden ist und als politischer Marker fungiert.
Neben zahlreichen Präsentationen zu den beiden Forschungsbereichen gibt es Vorträge zu allen Themen afrikanischer Forschung. Die Teilnehmer haben somit die Möglichkeit, ihre Forschungsergebnisse einer breiten wissenschaftlichen Öffentlichkeit zu präsentieren. Das wird vor allem durch die Vernetzung mit der VAD-Tagung (Vereinigung für Afrikawissenschaften in Deutschland) in einer großen Breite von Veranstaltungen möglich sein

Anti-Apartheid-Kämpfer untersucht Sprache

Neben spannenden Themen gibt es dieses Jahr auch hochkarätige Gäste. Einer von ihnen ist Neville Alexander, der als Plenarsprecher der Tagung eingeladen wurde. Neville Alexander, 1936 in Südafrika geboren, gehört zu den angesehensten Intellektuellen Südafrikas. 10 Jahre war der in Deutschland promovierte Literaturwissenschaftler als politischer Gefangener zusammen mit Nelson Mandela aufgrund seiner Aktivitäten im Kampf gegen die Apartheid interniert. Gegenwärtig ist er an der Universität von Kapstadt tätig und Mitglied des Vorstands der “African Academy of Languages”. 2008 erhielt er den Linguapax-Preis für seine Verdienste um die Linguistik und die multilinguale Erziehung. „Es ist eine große Ehre ihn hier zu haben“, freuen sich die Veranstalter, „ebenso die anderen Gäste, die alle aktuelle und spannende Forschungen präsentieren“.

Um den Workshop möglichst effektiv zu gestalten, wurden verschiedene internationale Experten aus Lehre und Forschung eingeladen. In der Zusammenarbeit mit ihnen sollen neue Forschungsgebiete gefunden und am Ende die gesammelten Ergebnisse publiziert werden.

Der 20. Afrikanistentag findet vom 30.05.-01.06.2012 statt.

Friderike Mangelsdorf, Presse und Kommunikation