Historisches

Das Hauptgeb�ude in den 30er jahren (Quelle: Universit�tsarchiv)
Das Hauptgebäude in den 30er jahren (Quelle: Universitätsarchiv)

Rascher Aufstieg und drohende Zersplitterung

Bereits ein Jahrzehnt vor der Grundsteinlegung im Jahr 1929 beschäftigte das Thema Universitätsneubau die Verantwortlichen sowohl der Stadt Köln als auch der Universität. Bis zur Fertigstellung des neuen Gebäudes dauerte es nach der Grundsteinlegung allerdings weitere fünf Jahre. Angesichts der Größe des Gebäudes, es ist immerhin 220 Meter lang und 72 Meter breit und beherbergte bei seiner Fertigstellung 400 Räume, scheint die fünfjährige Bauzeit nicht unbedingt ungewöhnlich, geschuldet ist sie allerdings weniger den Ausmaßen des Neubaus als vielmehr der Weltwirtschaftskrise, die eine ursprünglich für 1932 geplante Fertigstellung verhinderte. Nachdem der Rohbau bereits 1930 fertig gestellt werden konnte, ruhten die Arbeiten von 1931 an, bis sie schließlich im Herbst 1933 wieder aufgenommen werden konnten - nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Bereits die anlässlich der Grundsteinlegung am 16. Oktober 1929 in den Grundstein eingesenkte Urkunde dokumentiert die schwierige Finanzierung des geplanten Neubaus, dessen bevorstehende Realisierung insbesondere großzügigen "Stiftungen von Freunden der Hochschule" und "einer opferbereiten Stadtvertretung" zu verdanken sei.

Die Grundsteinlegungsurkunde bezeugt zudem die prekäre Lage der erst 1919 wiedereröffneten Hochschule. Ein "unerwartet rascher Aufstieg der erneuerten Hochschule in schwersten Jahren", heißt es da, "brachte eine Raumnot mit sich, welche die Weiterentwicklung ernstlich gefährdete". Mitte der 1920er Jahre bereits war die Unterbringung aller Fakultäten mit Ausnahme der Medizinischen im damaligen Gebäude an der Claudiusstraße (dem heutigen Sitz der Fachhochschule) unzureichend. Aufgrund der angespannten finanziellen Lage plädierte Christian Eckert, erster Rektor der neugegründeten Universität und seit 1920 geschäftsführender Vorsitzender des Kuratoriums, zunächst dafür, dem Hamburger Vorbild zu folgen und angesichts der angespannten finanziellen Lage die Zahl der Studierenden 2.500 nicht übersteigen zu lassen, um somit keine Mittel für Neubauten aufbringen zu müssen.

Im Sommer 1923 hatte die Studierendenzahl allerdings die Marke von 5.000 überschritten und eine externe Unterbringung von Instituten war nicht mehr zu umgehen. Neben der räumlichen Enge machte der Universität daher auch eine zunehmende äußerliche Zersplitterung zu schaffen. 1926 wurden auf Wunsch von Oberbürgermeister Konrad Adenauer bereits bestehende Pläne für einen Erweiterungsbau der alten Universität wieder aufgegriffen, das Erweiterungsprojekt später jedoch zugunsten des Neubaus aufgegeben.

 

Zeitgemäß und zweckorientiert

Mit den Planungen für einen Neubau wurde Adolf Abel beauftragt, seit 1925 Baudirektor der Stadt. Abels Anliegen war es, aus verschiedenen spezialisierten Gebäuden durch verbindende Bauteile eine Einheit zu schaffen. Auf diese Weise sollte bei gleichzeitiger Nähe aller Institutionen zueinander ein weitgehend ungestörter Studienbetrieb ermöglicht werden. Entsprechend sahen Abels Pläne eine Gliederung des Gebäudes in drei hintereinander gestaffelte, untereinander verbundene Einheiten vor: Ein dem Albertus-Magnus-Platz zugewandter Verwaltungstrakt, in dessen Nordflügel nach der Fertigstellung die Universitäts­verwaltung untergebracht war. Der Südflügel beherbergte bis zum Neubau 1966/67 die Universitäts- und Stadtbibliothek: Im Untergeschoss befand sich ein Lesesaal mit 250 Plätzen, ein Zeitschriftensaal, ein Ausstellungsraum, ein Katalog- und Ausleihraum sowie die Bibliotheksverwaltung. In den weiteren Geschossen war eine Handbibliothek mit 150.000 Bänden untergebracht, während sich das Magazin mit 800.000 Bänden im obersten Geschoss des gesamten Verwaltungstraktes befand.

Die zweite Einheit bildete der Hörsaaltrakt mit der Aula als Zentrum und zwei weiteren kleineren Hörsälen, von der Aula jeweils durch einen Binnenhof getrennt. Die dahinter liegende dritte Einheit gliederte sich in sechs viergeschossige Seminartrakte, untereinander verbunden durch zweigeschossige Quertrakte sowie eine große, nach Osten liegende Halle. Jeweils drei Seminartrakte waren zu einem Flügel zusammengefasst, dem wiederum einer der kleineren Hörsäle zugeordnet war.

Der Neubau sollte sich von den Universitätsbauten des 19. Jahrhunderts abheben. Abel wollte einen zeitgemäßen zweckorientierten Bau schaffen und rückte daher die funktionsorientierte Gliederung der Bauteile in den Vordergrund. Als modern und fortschrittlich galt dabei auch die Einbeziehung von Erholungsbereichen für Studierende und Lehrende. So war beispielsweise vorgesehen, die Flachdächer der als Verbindung zwischen den Seminarblöcken angelegten Quertrakte als Dachterrassen zu gestalten und zu Erholungs- und Studienzwecken gleichermaßen zu nutzen. Gegenüber dem ursprünglichen Entwurf musste das Bauvolumen aus finanziellen Gründen reduziert werden. Eine Erweiterung der Vorderfront um zwei L-förmige Instituts- und Seminarflügel und ein in Verlängerung des Südflügels geplanter Bücherturm mit 16 Geschossen wurden nicht realisiert.

 

Heimische Baustoffe

Beim Bau wurden bevorzugt heimische Baustoffe verwendet. Die an der Fassade angebrachten Platten bestehen aus Tuffstein aus der Eifel ("Ettringer Kerntuff"), einem Naturstein vulkanischen Ursprungs, der seit der Römerzeit in der östlichen Eifel abgebaut und verarbeitet wird. Für die dunklen Einfassungen der Fenster des ersten Geschosses sowie für den Eingangsbereich wurde ebenfalls aus der Eifel stammender Basaltlava verwendet.

 

Am 2. November 1934 wurde der Neubau der Universität in Betrieb genommen, bei der Eröffnung hing das Hakenkreuz über dem Haupteingang. Während die Nationalsozialisten die Vollendung des zuvor als "Hochschulpalast" kritisierten Baus nun für sich reklamierten, waren die treibenden Kräfte des Neubauprojektes, Konrad Adenauer und Christian Eckert, bereits ihrer Ämter enthoben und durch nationalsozialistische Parteifunktionäre ersetzt worden. Die Schlussurkunde erwähnt weder die Verdienste von Konrad Adenauer noch die des Architekten Adolf Abel, genannt werden stattdessen der neue nationalsozialistische Oberbürgermeister Riese, der Gauleiter und der neue Regierungsbaumeister.