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Erfahrungsbericht [Name der Mitarbeiterin]

Mein Name ist [Name der Mitarbeiterin]. Seit meiner Geburt habe ich eine schwere Cerebralparese, sitze deshalb im Rollstuhl und kommuniziere über einen augengesteuerten Sprachcomputer. Fremde beschreiben mich mit den Worten “schwerbehindert” oder “in allen Lebensbereichen erheblich eingeschränkt”. Freunde und Kolleg*innen beschreiben mich als quirlige Quasselstrippe oder als ehrgeizigen Workaholic. Ich selbst beschreibe mich als Rehabilitationswissenschaftlerin, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität zu Köln, Referentin für Unterstützte Kommunikation, Chefin von sieben Assistent*innen und ganz nebenbei auch als eine Frau, die ausschließlich mit Augen spricht.

Aktuell bin ich deutschlandweit die erste unterstützt kommunizierende Wissenschaftlerin, die im Forschungsfeld der Unterstützten Kommunikation tätig ist. Ich bringe die Perspektive der persönlichen Erfahrung mit ein. Damit hoffe ich zu erreichen, dass der Empowermentgedanke in der deutsche UK-Forschung etwas mehr berücksichtigt wird.

Damit ich meine Arbeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin gut bewältigen kann, muss in erster Linie meine besondere Kommunikationsform berücksichtigt werden. Zunächst benötige ich eine kompetente Arbeitsassistenz, die sowohl meine körpereigenen Signale deuten kann als auch meine technische Kommunikationshilfe beherrscht.  Dennoch nimmt die Kommunikation mit mir erheblich mehr Zeit in Anspruch. Dies wirkt sich insbesondere auf Teamsituationen mit aus. Kolleg*innen können mich unterstützen, indem sie mir die Zeit zur Kommunikation einräumen, die ich brauche. Sie brauchen also Geduld! Aber auch ich trage in solchen Situationen dazu bei, dass sich meine Kommunikationsgeschwindigkeit erhöht. So bereite ich Teamsitzungen stets penibel vor und tippe meine Redebeiträge vorab in meinen Sprachcomputer ein.

Zu Beginn meines Studiums musste ich mich zunächst auf die baulichen Gegebenheiten der Universität zu Köln einstellen. Der größte Teil der Universität ist zwar barrierefrei und daher auch für Rollstuhlfahrer*innen gut zugänglich, jedoch existieren einige ungeeignete Gebäude und einzelne Seminarräume. Für solche Lehrveranstaltungen wurden individuelle Lösungen für mich gefunden, z.B. Dozent veranlasste Raumwechsel. Im Rahmen meiner Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin achte ich nun selbst auf barrierefreie Seminarräume.

An der Universität zu Köln studiere arbeite ich gerne, weil ich dort meine Nische gefunden habe. Ich kann etwas so Sinnvolles tun, werde gefordert und wertgeschätzt. Ich erlebe dort Inklusion!

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