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Die Uni Köln in den Farben des Regenbogens

Ein Erfahrungsbericht von Studentin Katharina Kroschel

Rot – Leben
Die Universität zeigt Flagge. Zum Auftakt der 4. Diversity-Woche, die damit praktisch offiziell Tradition ist, werden am Montagnachmittag zum ersten Mal zwei Regenbogenflaggen vor dem Hauptgebäude gehisst. Sie sollen hier für die nächsten drei Wochen wehen und sichtbar ein Zeichen setzen – ein Zeichen für Offenheit, Akzeptanz und die Wertschätzung aller Mitarbeitenden und Studierenden der Universität zu Köln. Nicht nur im Rahmen der Diversity-Woche, sondern auch in Bezug auf den Pride Month und das alltägliche Leben, denn das Leben an der Universität gestaltet sich ungemein divers. Die Prorektorin für Gleichstellung und Diversität, Prof.‘ Dr. Manuela Günter, steigt zum Hissen der Fahne sogar selbst engagiert auf die Leiter. Mit wenigen Handgriffen und unter Applaus flattert die Fahne bald an der Spitze des Fahnenmasts im Wind. Die zweite Flagge ergänzt das Bild und rahmt den Haupteingang des Hauptgebäudes ästhetisch in bunten Farben.

Orange – Gesundheit/Healing
Vielleicht werden einige kritisieren, dass niemandem geholfen ist mit hübschen Fähnchen in lauer Brise, doch ich denke, Symbole sind wichtig. Allein die Fahnen sind ein Zeichen, die Projekte und Handlungsfelder der Universität zu Köln noch viel mehr. Von der Gesellschaft und somit auch von Universitäten diskriminierte Menschen sollen hier offen empfangen, unterstützt und gefördert werden. Der Prozess der Wiedergutmachung, der Heilung, wenn man so will, ist angestoßen und zieht sich – sehr nötig in diesen Zeiten – durchs öffentliche Leben. Dies zeigt auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiers kürzlich formulierte Bitte um Vergebung für die Verfolgung Homosexueller in der deutschen Geschichte und deren mangelhafter Aufarbeitung.

Gelb – Sonnenlicht
Die Sonne scheint nicht während die Flagge gehisst wird.. Dafür bietet uns der Himmel eine dramatische hell- und dunkelgrau gefleckte Leinwand aus Wolken, die effektiv Spannung erzeugt und nicht nur, weil sich alle fragen, ob es gleich anfängt zu regnen. Dunkel heben sich die Regenbogenfarben vor dem grauen Himmel ab. Gerade sind die Flaggen sicher oben, da fallen die ersten Tropfen eines kleinen Schauers. Doch das ist nicht weiter schlimm, wir sind nicht aus Zucker, ein bisschen Nässe kann uns nichts anhaben. Der Wind, der mit dem Regen einsetzt, kommt geradezu gelegen und entfaltet die Flaggen in all ihrer Pracht. Später kommt sogar noch die Sonne heraus und so leuchten die Farben am Ende des Tages gut sichtbar über dem Campus.

Grün – Natur
Das Wetter spielt vielleicht anfangs nicht ganz mit bei unserem bunten Unterfangen, doch zeigt sich die Natur am Ende auf unserer Seite. Nach dem Hissen der Flaggen steht jedoch zunächst die Auftaktveranstaltung der Diversity-Woche an: ‚Tariks Hate-Side-Story: Wenn im Internet die Hass-Post abgeht…‘ Dafür ziehen wir uns aus dem schon abklingenden Schauer nach drinnen zurück. Prof.‘ Dr. Günter begrüßt die Anwesenden und übergibt dann an Tarik Tesfu, der schon einige Erfahrung damit gemacht hat, wie die Natur des Internets ist. Er ist Feminist, Netz-Aktivist und begegnet im Zuge seiner ArbeitHass, der seinen Trollen und Hater*innen offenbar ganz natürlich aus den tippenden Fingern fließt.

Blau – Harmonie
Trotzdem geht es Tarik in seinem Vortrag um Harmonie und um Liebe. Er erzählt, warum er sein Gender Studies Studium selbstständig beendet hat (nicht abgebrochen, denn abgebrochen klingt so nach Scheitern) und was seine (abgeschlossene) Ausbildung zum Erzieher mit seinem Aktivismus zu tun hat. Er berichtet von seinen YouTube Projekten und seiner Arbeit für das ZDF Format ‚Jäger und Sammler‘. Ganz und gar nicht harmonisch wird es allerdings, als Tarik von dem Hackerangriff erzählt, der dazu führte, dass privateste Dinge, wie seine Adresse und seine Lohnsteuerabrechnung, im Netz landeten. Dann liest er ohne mit der Wimper zu zucken einige der Hasskommentare vor, die er in seinem Aktivistenleben bisher gesammelt hat, die den Raum etwas sprachlos zurücklassen. Doch ihn scheint der Hass nicht berühren zu können, er hat sogar eine kleine Antwort auf ihn formuliert: Die "Weil wir dich haten, Tarik-Heul-Mimimi-Hymne".

Violett – Geist
Diese Einstellung teilen wir nicht. Im Gegenteil, Tarik ist authentisch und sympathisch, der Vortrag war sehr gut, er hat ein wenig aufgerüttelt und zum Nachdenken angeregt. Gleichzeitig war er so positiv, dass am Ende kaum ein mulmiges Gefühl des Hasses wegen, der da draußen existiert, bleibt. Tariks Ziel ist es, den Mainstream zu erreichen und als eine ältere Dame erklärt, sie habe vorher wenig Ahnung vom Thema gehabt, aber jetzt wolle sie ihn gerne in einer Talkshow sehen, hat man das Gefühl, dass es so wirklich zu schaffen ist. Im Geiste der Gemeinschaft lassen wir den Abend dann bei Getränken und Bagels ausklingen. Ein gelungener erster bunter Tag, der Lust auf mehr macht.