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Der Rassismus in uns - Zur Anatomie von Diskriminierungsstrukturen

Ein persönlicher Bericht zum Auftakt der Diversity-Woche der Universität zu Köln.
Sina Vogt, 25, studiert Interkulturelle Kommunikation und Bildung an der Universität zu Köln und berichtet von ihren Erfahrungen zur Auftaktveranstaltung der Diversity-Woche 2017.

Am Dienstag, den 20. Juni begrüßt die Prorektorin für Gleichstellung und Diversität Prof.‘ Dr. Manuela Günter die rund 70 Anwesenden im neuen Senatssaal der Universität zu Köln offiziell zur Diversity-Woche. Schilder weisen einem den Weg durch das Hauptgebäude. Viele Uni-Mitarbeiter und vor allem Mitarbeiterinnen, einige Geisteswissenschaftler*innen und viele Studierende, die sich für den Vortrag von Jürgen Schlicher „Der Rassismus in uns – Zur Anatomie von Diskriminierungsstrukturen“ interessieren sind gekommen.

Institutionen vernetzten und Maßnahmen sichtbar machen

Ein großes Schild über dem Haupteingang verweist ebenfalls auf die in diesem Jahr zum dritten Mal stattfindende und vom Referat für Gender und Diversity Management organisierte Diversity-Woche, die unter dem Motto „Diskriminierungen abbauen – Chancen aufbauen“ steht. Die Woche soll, so erklärt die Prorektorin, die vielfältigen Institutionen und Projekte, die sich für Chancen-gleichheit und Vielfalt an der Uni einsetzen, vernetzen sowie deren Maßnahmen sichtbar machen. Die circa 45Veranstaltungen, die vom 19. - 23. Juni allen Interessierten offen stehen, beleuchten unter¬schiedliche Aspekte von Diskriminierung beispielsweise beim Zugang zur Hochschule oder im Unialltag. Da gibt es einen Vortrag zum Studium mit psychischer Erkrankung, Campusführungen im Rollstuhl, ein Workshop zu Gebärdensprache, ein queerer Poetry Slam und zahlreiche weitere Fachgespräche und geöffnete Lehrveranstaltungen, die sich u.a. mit Rassismus, Geschlecht und Sexualität, Fluchterfahrung oder Behinderung beschäftigen.

Kleine Schritte für große Vielfalt

Das klingt super und sollte eigentlich alle interessieren. Doch wie das immer so ist, bekommt man den Eindruck, dass hauptsächlich diejenigen die Angebote nutzen, die sich sowieso schon mit dieser Thematik beschäftigen. Aber gut, immerhin. Auch Prorektorin Günter räumt ein, dass es noch einiges an Arbeit gibt, um die Angebote nach außen hin besser sichtbar zu machen. „Wir kommen nur langsam voran“, gesteht sie ein. Aber kleine Schritte sind besser als keine. Dazu passt der Titel „Du machst den Unterschied!“. Jeder und jede Einzelne der 70 Zuhörer*innen der Auftaktveranstaltung kann bei sich anfangen, kann die eigenen Schubladen überdenken und Diskriminierungen im direkten Umfeld aufdecken. Und genau da setzt der Soziologe Schlicher mit seinem interaktiven Vortrag an. Er berichtet von dem blue-eyed-Experiment, das die Grundschullehrerin Jane Elliott in Amerika mit ihrer Klasse durchführte, um den Schüler*innen zu zeigen, wie schnell wir diskriminieren und vor allem wie es sich anfühlt, einer nicht privilegierten Gruppe anzugehören.

„Ich habe ja nichts gegen Blauäugige, aber…“

Schrittweise geht Schlicher, der selber auf diesem Experiment basierende Seminare gibt, die Prozedur durch, die von einem willkürlich gewählten Kriterium der Unterscheidung wie der Augenfarbe zu schwerwiegender Andersbehandlung führt. Man nehme ein Vorurteil, etwas Macht und behandelt eine Gruppe schlechter. Die Reaktionen auf  Diskriminierung kann von Widerstand über Flucht bis hin zu sich unsichtbar machen oder hinnehmen reichen. Aber der Knackpunkt ist, dass egal welche Strategie man wählt, die privilegierte Gruppe wird es immer als Bestätigung des Vorurteils deuten, da sie das Definitionsmonopol hat. Es scheint beinahe unmöglich, aus dem Teufelskreis auszubrechen.

„Du machst den Unterschied!“

Was ich aus dem Vortrag mitnehme? Solche Workshops, wie das dem blue-eyed-Experiment helfen, den Privilegierten unserer Gesellschaft die Mechanismen von Diskriminierung am eigenen Leib erfahrbar zu machen. Denn diese Gruppe hat die Macht und muss deshalb im Kampf für Chancengleichheit unbedingt mitgenommen werden. Auch wenn das blue-eyed-Experiment für mich und vermutlich einige andere im Raum nicht neu war, es schadet nie, sich erneut vor Augen zu führen, wie schnell wir aufgrund eigentlich sinnloser Kriterien stereotypisieren. Und dass wir es sind, die die Macht haben, genau das nicht zu tun.