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Zeit haben. Körper sein. Zur Politik der Ent-Entfremdung

Dieser Vortrag nimmt die Skulptur Moule (2015) der Künstlerin Anna Lena Grau zum Ausgangspunkt, um Rahmenbedingungen für politische Handlungsmacht nachzudenken. Moule ist eine überlebensgroße und begehbare Form, ein Negativabdruck einer aus Ton modellierten Hand, die sich als Gussform potenziell zur geballten Faust rekonstruieren ließe. In ihrer Monumentalität soll die Skulptur demonstrieren, dass jede Annäherung an ihre Motivgeschichte nicht darüber hinwegsehen kann, dass das Symbol der geballten Faust auch von totalitären Regimen wie dem Faschismus und dem Stalinismus übernommen worden ist. Ferner sorgt die Klischeehaftigkeit des Symbols dafür, dass es die Dringlichkeit eines einmaligen Appels verloren hat und in postmoderner Manier als Zitat und als Label einer – möglicherweise – verschwundenen Haltung eines kämpferischen politischen Protestes angesehen werden kann. Die Inversion der Form sorgt jedoch auch dafür, dass Erkenntnisprozesse verlangsamt werden. In diesem Vortrag soll auf der Grundlage feministischer Theorien gefragt werden, inwieweit die Spurensuche, die das Moule initiiert, einen wichtigen Bruch mit der Schnelligkeit und globalen Verbreitung von Informationen darstellt. Welches Potenzial liegt im Zurückgeworfensein auf das Nicht-Wissen enthalten, im körperlichen Ausleuchten und Ertasten von demjenigen, was man noch nicht erfahren hat?

 

Zeit: 20.06.2017 18:00 - 21:00

Ort: Hörsaalgebäude, Hörsaal D

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Rückfragen an: Karolin Kalmbach

http://gestik.uni-koeln.de/12721.html?&L=0