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„Du machst den Unterschied“ – ich also auch?

Ein persönlicher Bericht zur Themenwoche „Du machst den Unterschied! Zusammen gestalten wir Vielfalt“ an der Universität zu Köln vom 8. – 11.06.2015. Von Andreas Klein


Egal wo ich in der Uni herlaufe: Überall sehe ich das Plakat, auf dem mir in bunten Farben die Wörter: „DU MACHST DEN UNTERSCHIED – Zusammen gestalten wir Vielfalt“ entgegen strahlen und die mich auf die Themenwoche der Uni Köln vom 08. bis 11. Juni aufmerksam machen.

Macht wirklich jede*r Einzelne einen Unterschied?

Schnell komme ich nicht umhin mich zu fragen: Macht wirklich ein jeder Einzelne den Unterschied? Und was bedeutet das? Nur, weil ich mich anders verhalte, als vielleicht mein Kommilitone, mache ich deshalb den Unterschied? Gleichzeitig geht es vielleicht auch um die vielen Unterschiede, die wir alle selbst in unseren Köpfen herstellen: Männer und Frauen, Deutsche und Ausländer, Behinderte und Nicht-Behinderte. Sind genau diese Unterscheidungen, wenn nicht gar Stereotypisierungen, nicht auch Teil des Problems?
Ich als Student im 2. Semester nehme mir also vor, mich auf die Themenwoche und ihre Angebote einzulassen. An einer Universität mit ca. 49.000 Studierenden, davon gut 5.000 Studierende mit ausländischer Staatsangehörigkeit und einer Uni, die mit vier Auslandsbüros auf der Welt vertreten ist und zusätzlich 20 offizielle Hochschulpartnerschaften auf dem ganzen Globus pflegt, muss die Vielfalt ja überall anzutreffen sein.

Was wurde auf der Themenwoche alles rund um das Thema Vielfalt angeboten?

Und genau so gestaltet sich dann auch diese spannende Woche auf dem Campus für mich. So vielfältig wie die Universität zu Köln ist, so vielfältig stellen sich nach Durchblättern des ausführlichen Programmhefts auch die Angebote dar. Diversität, stelle ich bei meiner Wochenplanung schnell fest, hat nicht nur was mit unterschiedlicher Herkunft und der Genderfrage zu tun, nein, vielmehr ist es eine Mischung aus allen Eigenschaften, die ein Mensch mit sich trägt.
Ob es um das Studieren im Alter geht, oder darum, wie man als Rollstuhlfahrer*in sicher über den Campus von A nach B kommt, ob es darum geht, wie man mit Kind, Elternzeit und Co. das Studium meistert oder was den sensiblen Umgang mit kulturellen Unterschieden ausmacht, der erste Tag der Themenwoche startet gleich mit interessanten Seminaren, Führungen und Vorträgen durch. Ich sitze also in den barrierefreien PC-Arbeitsräumen, lerne Computerprogramme kennen, denen man ganze Hausarbeiten diktieren kann, diskutiere wenig später mit Leuten von AIESEC über aktuelle globale Trends und strenge anschließend meine Armmuskeln an, in dem ich mich in einem Rollstuhl durch das Hauptgebäude bewege. Die nächsten Tage nehme ich an einem Seminar über den Umgang mit Rassismus an Schulen teil,  besuche die Vorlesungsreihe „Wissen.schaf(f)tGender“ und lache abends herzlich mit rund 300 anderen Studierenden über die unglaublich gute, französische Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“, die das Thema Rassismus mit viel Humor rüber bringt.

Ein voller Erfolg: Prominente Gäste bei der Talkrunde am 3. Diversity-Tag an der Universität zu Köln und was macht dieses schrille Ehepaar da auf dem Albertus Magnus Platz?!

Am 3. Deutschen Diversity Tag am 09.06.2015 geht auf dem Albertus Magnus Platz im wahrsten Sinne des Wortes die Post ab. Früh stelle ich mein Rad ab und habe noch nicht mal den Schlüssel im Schloss gedreht, da kommen auch schon zwei Leute auf mich zu. Sie in einem pinken Kittel und gelben Haarband, er in einem grauen Kittel und einem Blecheimer in der Hand. Beide sind gut in ihren Sechzigern. Beide sind laut. Beide kommen wild gestikulierend auf mich zu. Beide reden durcheinander etwas über die Talkrunde heut Abend, einen pinken Stempel und kostenfreien, bereits frankierte Postkarten. Bei den Beiden handelt es sich um zwei Schauspieler des Improvisationstheaters Caracho. Irmgard und Kurt stellen ein schrilles Hausmeisterehepaar dar und haben die Studierenden, die über den Platz hetzen, fest im Griff. Mit ihrer offenen und sehr humorvollen Art setzen sie sich von allen anderen Promotionsleuten, die heute auf dem Campus unterwegs sind, ab. Sie drücken selbst den eher uninteressierten Studierenden einen pinken „Du machst den Unterschied“ Stempel auf den Arm und ernennen damit alle Leute gleich zum Botschafter der Diversität. Während Irmgard aus ihrer 70iger Jahre Tupperdose die frankierten Postkarten mit Botschaften zur Vielfalt und Chancengerechtigkeit verteilt, fischt Kurt aus seinem Blecheimer Einladungen für die Talkrunde am Abend und informiert über Gäste und Themen. Auch der Stand des Referats für Gender- und Qualitätsmanagement der Uni Köln mitten auf dem Albertus Magnus Platz, der mit allerlei Informationsmaterial rund um Diversität und die Themenwoche ausgestattet ist, wird gut besucht und angenommen. Fragen werden geklärt, Interesse geweckt, Vorurteile aus dem Weg geräumt. Die Leute lachen gemeinsam, nicken, stimmen sich zu oder aber diskutieren angeregt über verschiedene Ansichten. Außerdem nehmen sie Postkarten, Kugelschreiber, Anstecker und Pfefferminzdosen mit und werden somit noch in Wochen an diesen Tag erinnert. Abends gehe ich über die Projektbörse im Hörsaalgebäude, bekomme einige Projekte rund um die Diversität vorgestellt, bevor ich mir einen guten Platz im Hörsaalgebäude suche um der Talkrunde zuzuhören. Der Titel klingt vielversprechend: „Wir machen den Unterschied im Umgang mit Vielfalt in Deutschland“. Marius Jung, Kabarettist aus Köln, macht mit einem kleinem fünf minütigem Solo den Start und hat dann die ganzen Zuschauer*innen auf seiner Seite. Die Talkrunde wird die nächsten 90 Minuten von Giesela Steinhauer moderiert. Sie hat ihre Gäste Vera Thamm (Paralympicsteilnehmertin 2012), Tina Adomako (Neue Deutsche Medienmacher e.V.), Prof.’ Dr.’ Argyro Panagiotopoulou (Wissenschaftlerin an der Uni Köln) und Marius Jung perfekt im Griff und leitet mit interessanten Fragen durch den Abend. So gestaltet sich die Talkrunde sehr interaktiv und die Mischung der Gäste führt zu diskutierfreudigen Themen über den Umgang mit Rassismus, körperlichen Behinderungen und über die Vielfalt im Allgemeinen. Als Giesela Steinhauer dann zur Schlussrunde aufruft und jeder der Gäste noch ein kurzes Statement zum Ende hin abgibt, sind die Zuschauenden im Hörsaal begeistert und ein jeder wieder um ein paar vielfältige Ansichten reicher.

Mache ich denn nun einen Unterschied oder nicht?

Während ich später heim radle, mache ich mir also meine Gedanken über die Woche und die Frage, inwiefern ich nun einen Unterschied machen kann. Schon allein die Auseinandersetzung mit dem Thema Vielfalt und die ganzen Eindrücke der letzten Tage lassen mich wissen, dass ich einen Unterschied mache. Als ich mit dem Rollstuhl über den Campus fuhr und wenig später eine Whatsapp eines Freundes bekam, wie gezielt und souverän ich mich darin durch die Massen von Studierenden bewegt hätte und dass auch er nun mit offeneren Augen auf das Thema Vielfalt achten würde, wusste ich für mich, dass der Unterschied in einem selbst steckt und dass das Nachaußentragen dieses Wissens den Unterschied macht.

Denn am Ende ist es doch so, dass Kurt und Irmgard am 3. internationalem Diverity Tag recht behalten haben mit dem, was sie mir und allen anderen auf dem Albertus Magnus Platz entgegen riefen: DU MACHST DEN UNTERSCHIED!