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Migration in den Neuen Medien: Bildgeschichten und Bildungsprozesse

Projektverantwortlich

Prof. Dr. Hans-Joachim Roth

Beteiligung

Prof.‘in Dr.‘in Sandra Aßmann
Dipl.-Päd. Tim Wolfgarten

Projektlaufzeit

10/2015 bis 09/2017 (4 Semester)

Kurzbeschreibung

Medien und Migration sind zwei Begriffe, die oftmals in Verbindung auftreten; der grenzüberschreitende globale Raum legt dies nahe und spätestens seit der Einführung des Web 2.0 gehören Migrationsnarrative sowie Zeugnisse transnationaler Mobilität zu unserer alltäglichen Rezeption gesellschaftlich verhandelter Themen. Über den individuellen Zugang zu diversen medialen Räumen treten viele persönliche Wissens- und Erfahrungsbestände an die Stelle der einen großen (Einwanderungs-)Geschichte. Die „große Erzählung“ ist allerdings nicht einfach abgelöst durch die vielen kleinen Geschichten, sondern wird nun anders konstituiert. Ziel des Lehr-Forschungsprojekt ist es zunächst den vielen „kleinen“ Geschichten von Migration und gesellschaftlicher Heterogenität in den Medien nachzugehen und dabei auch zu beobachten, wie sich im Hintergrund „große Erzählungen“ wirkmächtig entfalten oder auch relativieren.

Denn die individualisierten Medienzugänge und Rezeptionen von Themen sind nicht etwa autonom zu betrachten, sondern eingebunden in gewisse Gemeinsamkeiten besagter Wissens- und Erfahrungsbestände. Bestimmte Ereignisse aus dem Kontext von Migration – beispielsweise die Folgen von 9/11, die Einführung der Blue Card, Diskurstränge vor allem hinsichtlich aktueller Debatten zu Flucht und Migration sowie Darstellungen der Ankunft von zahlreichen Menschen an Bahnhöfen aus den 1950er und 60er Jahren oder die visuelle Verhandlung von ‚Integration’ in Klassenzimmern –  sind vielen als Bilder bekannt und bilden einen gemeinsamen Grundstock des kollektiven bzw. kulturellen visuellen Gedächtnisses. Analytisch lässt sich darin eine Struktur ausmachen, die als eine Art Rahmen für individuell rezipierte Medienbeiträge fungiert.

Erziehungswissenschaftlich relevant wird diese neue Art der Rezeption in ihrer Funktion, die rezipierten Themen, Gegenstände und Wissensbestände in informelle Bildungsinhalte zu transformieren, die eben nicht unabhängig voneinander zu betrachten sind. Daher richtet sich der Fokus des Studienprojekts – über die persönlichen Rezeptionen – weiter auf diskursive bzw. viskursive Strukturen (Text und Bild) innerhalb informeller Bildungsprozesse, um jene Aspekte zu erarbeiten, die den formbildenden Kontext der Rezeption bestimmen und kanonisieren. Dabei soll den in den Medien verwendeten Bildern sowie deren Funktion als Präfiguration verinnerlichter bzw. imaginärer Bilder von und über Migration ein zentraler Stellenwert zu kommen. Um mit Georges Didi-Huberman zu sprechen, gilt es im Projekt das „Nachleben“ von Migration in der jüngeren Geschichte zu verfolgen und dessen Bedingungen auf einer medial-strukturellen Ebene herauszufinden.

Die Zielgruppe für das Lehr-Forschungsprojekt wurde bewusst interdisziplinär angelegt, so dass unterschiedliche Kompetenzen innerhalb der in den Kleingruppen arbeitenden Studierenden zu tragen kommen. Masterstudierende aus dem Lehramt (HRGe) verfügen über ein profundes Wissen hinsichtlich allgemeiner Lern- und Bildungsprozesse, Studierende aus dem Masterstudiengang ‚Interkulturelle Kommunikation und Bildung‘ bringen Expertise  zu den Themen Migration und gesellschaftliche Integration mit; und Bachelorstudierende aus dem Studiengang ‚intermedia‘ stehen für Kompetenzen bezüglich des fokussierten Mediums Web 2.0.

Projektfortschritt

2015

  • Einführungsveranstaltung für die Studierende
  • Bildung der Kleinforschungsgruppen
  • Sammlung sowie Erstellung des Untersuchungskorpus
  • Erste analytische Betrachtungen auf struktureller Ebene

2016

  • Vertiefende inhaltliche sowie bildinterpretatorische Analyse
  • Projektpräsentation im Rahmen eines Publikationsbeitrages: Wolfgarten, Tim/Roth, Hans-Joachim, in Zusammenarbeit mit Sandra Assmann (2016): Migration in den Neuen Medien – Bildgeschichten und Bildungsprozesse. Ein Lehrforschungsprojekt der Universität zu Köln. In: Barsch, Sebastian/Glutsch, Nina/Massumi, Mona (Hrsg.): Blickwechsel / Diversity. Internationale Perspektiven in der LehrerInnenbildung. Münster: Waxmann Verlag, (i.E.)
  • Ergebnisdarstellung auf Kleingruppenebene
  • Start der zweiten Kohorte von Studierenden bis September 2017
  • Einführungsveranstaltung für die Studierenden
  • Bildung der Kleinforschungsgruppen
  • Sammlung sowie Erstellung des Untersuchungskorpus
  • Erste analytische Betrachtungen auf struktureller Ebene

Plan 2017

    • Vertiefende inhaltliche sowie bildinterpretatorische Analysen
    • Ergebnisdarstellung auf Kleingruppenebene sowie auf Gesamtebene der zwei Forschungsklassen
    • Erstellung einer Handreichung zur Implementierung des erprobten und evaluierten Formates „Migration in den Neuen Medien“ mit gleichzeitiger Öffnung für weitere, wie z.B. genderthematische Inhalte.

Ausgewählte Ergebnisse der ersten Kohorte

Affekte: Wie lesen wir Bilder? Was ist das ikonische Potential und was ist ein Bilderkanon? Welche Rolle spielen diesbezüglich Emotionen und wie ist das Bild der Mutter im Kontext von Migration zu sehen?

Vanessa Becker, Silke Müller, Sarah Frerichs




Ordnung(en): Wie wird Differenz bildlich hergestellt? Welche Rolle spielt dabei das Kopftuch und welche Darstellungsformen werden diesbezüglich verwendet?

Ibrahim Göçer, Georgios Petrou, Silvio Vallecoccia




Bildung?! Wer hat Zugang zu Bildung? Wer partizipiert am öffentlichen Diskurs von migrationsgesellschaftlichen Themen und wer konstruiert Bilder von Migration?

Lisa Flick, Alina Schmid, Judith Teßmann




Weltansichten! Wie wirken Bilder und welche Rolle kommt ihnen in der Berichtserstattung zu Migration zu? Welche medialen Qualitäten lassen sich in diesem Kontext ausmachen? Was ist unter ikonischer Macht zu verstehen und an welches Bildgedächtnis knüpfen aktuelle Bootsdarstellungen aus dem Kontext Flucht an?

Nora Ahren, Michelle Holz, Karoline Kandler




Kontext: Wie werden Bilder in der Medienberichtserstattung kontextualisiert? Welche Bedeutung kommt dem Kontext des Begleittextes zu, welche dem der Zeit oder dem des Raumes? Wie werden diesbezüglich Bootsdarstellungen im Kontext von Flucht lesbar gemacht und welche Rolle spielen dabei weitere kontextualisierenden Mittel wie die Typo oder die Bildposition?

Eva Hoos, Lukas Jahn, Sophie Kaiser, Timo Waamelink