Aktuelle Meldungen / en-gb Uni Köln Wed, 27 Mar 2019 02:42:29 +0100 Wed, 27 Mar 2019 02:42:29 +0100 TYPO3 EXT:news news-4072 Fri, 19 Feb 2016 12:01:33 +0100 Grüngelbe Feder http://www.portal.uni-koeln.de/index.php?id=8506&tx_news_pi1%5Bnews%5D=4072&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=9c29c92ab89f1f4def1d31e793a7533c Dr. Beatrice Hendrich vom Orientalischen Seminar über eine grüngelbe Schwanzfeder.

Jeder kennt sie, jeder hat sie. Dinge, die unter den vielen Gegenständen, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben, einen besonderen Stellenwert haben. Wir verbinden sie mit einer Person, einer Begegnung oder einem besonderen Augenblick. Wir haben uns umgehört und gefragt, welche Dinge unseren Lesern besonders wichtig sind, und uns ihre Geschichte erzählen lassen. Professorin DR. BÉATRICE HENDRICH vom Orientalischen Seminar über eine grüngelbe Schwanzfeder:

„Eine grüngelbe Feder – im Sommer habe ich eine grüngelbe Schwanzfeder auf dem Boden gefunden. Auf der Straße, vor meinem Büro, mitten in Köln. Seither liegt sie auf meinem Schreibtisch und grüßt mich freundlich, sooft ich sie anblicke. Diese Feder gehörte zu einem Vogel, den es eigentlich hier nicht geben dürfte. 

Ein Bioinvasor, freundlicher gesagt: eine Neozoon, ein tierischer Neubürger, ein Halsbandsittich. Wo ich aufgewachsen bin, gibt es keine Sittiche in Freiheit. Es ist zu kalt, nicht nur für die Sittiche, auch für mich. Wo ich aufgewachsen bin, gibt es Scharen von Krähen und Dohlen auf den Wiesen vor der Universität. Sie ernähren sich von überfahrenen Kaninchen, auch davon gibt es reichlich, und jagen Enten. 

Auf dem Weg zur Bibliothek fühlt man sich manchmal wie in Hitchcocks „Die Vögel“. Krähen sind übrigens, taxonomisch gesprochen, Singvögel. Auch die Wissenschaft kann irren. Seit ich in Köln arbeite, blicke ich auf dem Weg zum Büro in die Baumkronen und spitze die Ohren: Plaudert und ruft es irgendwo dort oben, kann ich in der tiefstehenden Herbstsonne noch einen pfeilschnellen gelben Schatten erkennen? 

Im späten Sommer fliegen die Sittiche in Scharen an meinem Bürofenster vorbei, immer wieder. Und natürlich sind sie dabei laut. Aber aus ihrem Flug spricht die reine Lebensfreude. Und sie zerhacken keine toten Kaninchen. Meine Sittiche leben noch nicht lange in Köln – aber länger als ich. Sie haben überhaupt schon einen langen Weg hinter sich. 

Man sagt, Alexander der Große habe die ersten Exemplare aus Indien mitgebracht nach Griechenland. Von dort aus sind sie weitergezogen in andere europäische Länder, wo der Winter nicht zu hart ist. Oder sie sind als exotisch-schöne Tiere gehandelt worden. Ich blicke auf die Feder und freue mich darüber, dass es einige Halsbandsittiche aus ihren Käfigen in die Freiheit geschafft haben und dort überleben. Ich freue mich darüber, dass ich jetzt in einer Stadt lebe, in der eingewanderte Vögel vor dem Fenster vorbeifliegen.” 

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Dinge, die uns wichtig sind
news-4071 Fri, 19 Feb 2016 10:27:33 +0100 Zweifeln erlaubt http://www.portal.uni-koeln.de/index.php?id=8506&tx_news_pi1%5Bnews%5D=4071&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=0ebe2e4e6ae3ef97877d14351a2fe04d Im Dezember veranstaltete die Zentrale Studienberatung den Informationstag „Zweifel am Studium?“

Jedes Semester melden sich circa 30 Prozent der Studierenden nicht mehr zum Studium zurück. Die Gründe dafür sind vielschichtig und individuell. Mit der Veranstaltung „Zweifel am Studium?“ will die Uni Köln Studierende in problematischen Studiensituationen ansprechen und ihnen möglichst frühzeitig Perspektiven innerhalb und außerhalb der Uni aufzeigen. 

Margarita Sartison studiert im ersten Semester Sozialwissenschaften. Das Fach hat sie gewählt, weil sie in der Schule darin gut war. Doch schnell wurde für sie klar, dass es nicht die richtige Wahl war. Der Stoff ist ihr zu trocken und sie weiß nicht so genau, was sie später damit anfangen soll. Nun möchte sie in ein anderes Fach wechseln. Wie viele Übergänge ist der Studieneinstieg für die meisten jungen Menschen zunächst etwas holprig. Wer nach einem oder zwei Semestern merkt, dass die Studienwahl nicht die richtige war, hat nicht viel verloren. Wer nun schnell handelt und sich über Alternativen informiert, macht alles richtig. Doch es gibt auch Studierende, bei denen die Studienkrise erst nach Jahren kommt. Oder kurz vor dem Examen. 

SCHNELL HANDELN 

„Das Thema war lange tabu“, sagt Professor Stefan Herzig, Prorektor für Lehre und Studium. „Wir müssen für die Studierenden die Übergänge besser gestalten und konstruktive Wege finden, mit der Situation umzugehen.“ Hierfür ist auch der Zeitpunkt der Ansprache wichtig. Studienberatung und Prorektorat haben festgestellt, dass die Studierenden in den meisten Fällen nicht mehr auf Anschreiben und Nachfragen reagieren, wenn sie bereits länger nicht mehr in die Seminare und Vorlesungen gekommen sind. 

Seit Jahren steigt die Zahl der Abiturienten und Abiturientinnen, und mit ihr die Zahl der Studienanfänger. Doch nicht jeder fühlt sich an einer Uni wohl. Der Kontrast zwischen den Systemen Schule und Hochschule ist groß. Manchmal fällt es den Studierenden schwer, sich mit der Universität zu identifizieren. Dennoch beruht nur ein geringer Prozentsatz der Studienabbrüche auf Versagen bei Studienleistungen oder Prüfungen. 

In vielen Fällen sind es die Rahmenbedingungen, etwa die richtige Balance zwischen Pendeln, Jobben und Studieren, die den Studienabschluss verzögern oder gar verhindern. Und manchmal ist es einfach bequemer, einfach so weiterzumachen wie bisher, als einen neuen Weg einzuschlagen. „Die konkreten Gründe sind vielschichtig und individuell“, erklärt Dr. Daniel Rauprich, der Leiter der Zentralen Studienberatung. „Verschiedene Studien sammeln derzeit Informationen zu dem Phänomen und dem konkreten Bedarf der Studierenden. Auch die Uni Köln ist daran beteiligt und wird die Erkenntnisse daraus bei der Gestaltung der Unterstützungsangebote berücksichtigen.“ 

INDIVIDUELLE SITUATIONEN ANALYSIEREN

Worin bestehen die konkreten Hürden? Und gibt es kritische Phasen im Studium, in denen der Beratungsbedarf besonders hoch ist? Genaue Antworten auf diese Fragen gibt es noch nicht. Aber Rauprich hat bereits Erfahrung auf dem Gebiet. Er kommt von der Uni Bonn, wo eine ähnliche Veranstaltung nun schon zum vierten Mal stattfand. „Das Angebot in Köln ist jedoch umfassender. Das liegt in erster Linie an der Einbindung der einzelnen Fakultäten und der Technischen Hochschule.“

Um zweifelnden Studierenden konstruktiv zu helfen, muss zunächst die individuelle Situation analysiert werden. Liegt es an mangelndem Zeitmanagement? War die Wahl des Studienfachs die falsche? Würde eine andere Hochschulform besser passen? Oder ist doch der Weg in eine Berufsausbildung der richtige? Auf diese Fragen gibt es keine richtigen oder falschen Antworten. Doch in einem Punkt sind sich die Veranstalter einig: Das Problem weiter vor sich herzuschieben, ist in jedem Fall falsch. 

Das Beratungsangebot innerhalb und außerhalb der Uni ist umfassend. Neben den Fachstudienberatungen bietet die Zentrale Studienberatung individuelle Beratungsgespräche an. Daneben gibt es Vorträge und Gruppenangebote. Jeden zweiten Dienstag im Monat bietet zudem die Agentur für Arbeit in den Räumen der Studienberatung persönliche Gespräche zur Berufswahl und den nötigen Qualifizierungsanforderungen an. „Keiner sollte sich scheuen, zu einem Beratungsgespräch zu kommen“, sagt Simone Salz von der Agentur für Arbeit. „Wir sprechen gerne unverbindlich mit jedem Studierenden über Berufsziele und Alternativen. Je früher, desto besser.“ 

Sollte am Ende der Beratung dennoch der Entschluss stehen, das Studium abzubrechen, muss das kein Scheitern bedeuten. Klaas Hülsebeck von der Industrie- und Handelskammer zu Köln hat tagtäglich mit Firmen zu tun, die nach Fachkräften suchen. „Oft rufen Unternehmen direkt bei uns an und fragen nach, ob wir nicht geeignete Studienabbrecher für sie haben. Das soll natürlich niemanden davon überzeugen, das Studium abzubrechen. Aber es zeigt, dass es auch jenseits des Studiums interessante Perspektiven gibt.“ 

Am Studium zu zweifeln ist kein individuelles Problem, obwohl die Betroffenen es oft so empfinden. Der Informationstag hat gezeigt, dass es immer eine Vielzahl von Möglichkeiten gibt. Mit dem Bruch dieses Tabus ist der erste Schritt gemacht, um vielen Studierenden zu mehr Zufriedenheit und Erfolg im Studium zu verhelfen. 

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Studierende
news-4070 Fri, 19 Feb 2016 09:35:12 +0100 Videoclip: Der Rechenschieber http://www.portal.uni-koeln.de/index.php?id=8506&tx_news_pi1%5Bnews%5D=4070&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=ad23e395dab5bc1f5a8a287274556a1b Prof. Dr. Horst Struve vom Mathematischen Institut erklärt Aufbau und Funktion 

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Unileben
news-4069 Fri, 19 Feb 2016 08:41:44 +0100 Die neuen Pilger http://www.portal.uni-koeln.de/index.php?id=8506&tx_news_pi1%5Bnews%5D=4069&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=d1e720f99e0ff11d98220ed343b2de6f Zwischen Seelenheil und Credit Points

Seit einigen Jahrzehnten erfährt der Jakobsweg eine Renaissance. In Deutschland wurde das Pilgern zuletzt durch Hape Kerkelings Erfahrungsbericht populär. Buße, Sündenablass und Reliquienverehrung sind längst nicht mehr die einzigen Gründe, um zu sagen: „Ich bin dann mal weg.“ Dr. Markus Gamper und Professorin Julia Reuter vom Institut für Vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften haben sich für ein Forschungsprojekt selbst auf den Weg gemacht. 

Auf den letzten Kilometern vor Santiago de Compostela kann es in den Pilgerherbergen schon mal voll werden. Richtig eng wird es aber erst, wenn in einem Heiligen Jahr die Zahl der Pilger auf dem Jakobsweg deutlich ansteigt. Das Heilige Compostelanische Jahr wird begangen, wenn der 25. Juli – also der Festtag des Heiligen Jakobus – auf einen Sonntag fällt. Im Volksmund heißt es auch Gnadenjahr, denn immer dann verspricht die katholische Kirche ihren Anhängern, durch die Pilgerreise einen Ablass zu erwerben. Das wirkt wie ein Magnet für Pilger aus der ganzen Welt. Anders war es dagegen 2007. Obwohl der 25. Juli ein ganz gewöhnlicher Mittwoch war, stieg die Anzahl der deutschen Pilger nach Angaben der St. Jakobus-Gesellschaft in diesem Jahr überproportional an: Der sogenannte „Kerkeling-Effekt“ machte sich bemerkbar. Hape Kerkelings Bericht „Ich bin dann mal weg“ über seine Pilgerreise auf dem Jakobsweg war mit über zwei Millionen verkauften Exemplaren das meistverkaufte Buch des Jahres 2006 und löste in Deutschland eine Pilgerwelle aus. 

30 BIS 40 KILOMETER AM TAG 

Der Bestseller zeigt, dass die Kirche keine Deutungshoheit mehr über Sinn und Zweck des Pilgerns hat. Für Dr. Markus Gamper war auch der überraschende Erfolg des Buchs schließlich Anlass, um die unterschiedlichen Motivationen der Pilger zu hinterfragen. Am Institut für Vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften erforscht er, wie sich das Religionsverständnis in verschiedenen Kulturen verändert. 2010 machte er sich – damals noch an der Universität Trier als Projektmitarbeiter am Lehrstuhl Reuter tätig – mit einem kleinen Team selbst auf den Jakobsweg. Von Burgos aus pilgerten sie im Zeichen der Wissenschaft rund 600 Kilometer bis zur Kathedrale von Santiago de Compostela. „Das war schon ein sehr anstrengender Zugang zum Forschungsmaterial“, erinnert sich Gamper. „Um mich darauf vorzubereiten, bin ich mit einem Rucksack joggen gegangen und war mehrmals in der Eifel wandern.“ 

30 bis 40 Kilometer haben die Wissenschaftler jeden Tag auf dem Jakobsweg zurückgelegt. Doch abends, als sie gemeinsam mit anderen Pilgern erschöpft in den Herbergen eintrafen, ging ihre Arbeit erst richtig los. Das Fundament ihrer Forschung bildeten über 40 qualitative Interviews. Sie wollten herausfinden, was die Menschen auf den Jakobsweg treibt, wie sie dort ihre Zeit verbringen und welche Rolle Religion und Spiritualität dabei spielen. Unterstützung erhielten sie zudem von der Jakobusbruderschaft Trier, über die sie in den Pilgerherbergen mehrere tausend Fragebögen verteilen ließen und am Ende statistisch auswerteten. 

JAKOBSMUSCHEL, PILGERSTAB UND WANDERSCHUHE 

„Der Jakobsweg ist für Soziologen ein recht dankbares Feld“, sagt Gamper. „Die Leute wollen reden. Am Tag laufen zwar sehr viele Pilger alleine, doch abends in der Herberge tauschen sie sich über ihre Erfahrungen aus.“ Gamper spricht von einer Schicksalsgemeinschaft auf Zeit. Unter den Pilgern sind nicht nur bekennende Christen, sondern etwa auch Wanderer oder Sportler, die den Weg eher als körperliche und nicht als spirituelle Herausforderung sehen. Die Leute kommen außerdem von überall her, selbst aus Südkorea. 

Doch ist jeder, der auf dem Jakobsweg wandert, automatisch Teil dieser Gemeinschaft? Die Wissenschaftler konnten während ihrer vierwöchigen Feldforschung Abgrenzungsmechanismen erkennen. Demnach gebe es ein Konstrukt des idealen und ursprünglichen Pilgers, der auf die katholische Tradition zurückgeht: Er ist ausschließlich zu Fuß unterwegs, verzichtet auf jeglichen Luxus und übernachtet in einfachen Herbergen. Auch die typischen Insignien wie Jakobsmuschel, Pilgerstab und Wanderschuhe tragen zu dem Bild bei. Auf der anderen Seite der Skala stehen dagegen die sogenannten „Tourigrinos“, die eine kurze Strecke des Jakobswegs in Turnschuhen laufen und sich das Gepäck von einem Hotel zum anderen liefern lassen. „Wer aber gibt uns das Recht zu sagen, dass das keine Pilger sind“, fragt sich Gamper. „Als Soziologe sehe ich das natürlich zunächst einmal neutral.“ 

EINE URKUNDE, DIE GUT IN DEN LEBENSLAUF PASST 

Man könnte meinen, dass die Pilgerurkunde Fakten schafft: Wer mindestens die letzten 100 Kilometer des Jakobswegs zu Fuß geht und sich dies in den Herbergen per Stempel bescheinigen lässt, erhält die sogenannte Compostela. Neben der der Urkunde für religiös motivierte Pilger gibt es auch ein offizielles Dokument für kulturell oder sportlich motivierte Pilger. Manch einer beschreitet den Jakobsweg, weil die Urkunde gut in den Lebenslauf passt, andere bekommen an ihrer Universität sogar Credit Points dafür. 

Nach dem Verständnis der katholischen Kirche allerdings ist jeder, der aus religiösen Gründen zum Grab des Heiligen Jakobus kommt, ein Pilger – unabhängig von der Art der Anreise. Dennoch profitiert die Kirche davon, dass der Jakobsweg so populär ist. Hier lernen die Menschen eine andere Kirche kennen, als den Pfarrer auf der Kanzel oder die Kirchensteuer. „Man umarmt dich, man kocht für dich, man bereitet dir ein Bett vor. Du bist der Gast, um den man sich kümmert“, sagt Gamper. „Das ist ein Gefühl, das die Leute sehr schätzen.“ 

DIE INSTITUTION KIRCHE VERLIERT AN BEDEUTUNG 

Dem Forscherteam ist aufgefallen, dass selbst bei Pilgern, die keinen Bezug zur Institution Kirche haben, spirituelle Erfahrungen auf dem Jakobsweg dazugehören. „Auf die Frage, ob man schon etwas Spirituelles erlebt hat, kam oft die Antwort, dass die Kirchenglocke klingelte, wenn man in ein Dorf kam“, sagt Gamper. „Die Leute könnten auch vier Wochen für eine Wanderung in die Eifel gehen, aber sie erwarten ja etwas Bestimmtes, von dem sie glauben, es woanders nicht finden zu können.“ Kirchen dienen in diesem Fall eher als Kulisse bei der individuellen Suche nach Spiritualität. Ähnlich ist es mit gemeinsamen Erlebnissen währen des Pilgerns, die teilweise an christliche Rituale erinnern: Abends in den Herbergen nimmt man gemeinsam eine Mahlzeit ein und verarztet sich gegenseitig die Blessuren. 

Religion und Spiritualität spielen zwar nach wie vor eine wichtige Rolle, gleichzeitig verliert die Institution Kirche immer mehr an Bedeutung. „Jeder Pilger bastelt sich heute seine eigene Suche nach dem Sinn zusammen“, sagt Gamper. Früher sind die Menschen gepilgert, um beispielsweise ihren christlichen Glauben zu festigen oder auch Buße zu tun. Die neuen Pilger wollen vielmehr hier und jetzt auf Erden eine neue Erfahrung machen und einfach nur „entschleunigen“. So wird wohl der Pilgerboom der letzten Jahre weiterhin anhalten. 

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Forschung
news-4067 Wed, 17 Feb 2016 13:31:55 +0100 1985 http://www.portal.uni-koeln.de/index.php?id=8506&tx_news_pi1%5Bnews%5D=4067&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=116042f0c8888f3a32a32f074b3efe16 Schlange stehen im E-Raum Der Erfrischungsraum im Hauptgebäude begleitet viele Studierende vom Anfang bis zum Ende ihres Studiums: als Ort zum Entspannen, Essen, Plaudern oder Arbeiten. Hier werden wissenschaftliche Arbeiten verfasst, treffen sich Verliebte oder werden endlose Diskussionen bei Kaffee und Brötchen geführt. Seit dem Bau des Hauptgebäudes gibt es diesen Ort, seit Ende der 1990er Jahre hat er sein heutiges Gesicht.

Betrieben wird der E-Raum wie alle gastronomischen Einrichtungen der Uni vom Kölner Studierendenwerk. Insgesamt 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen für das leibliche Wohl von Studierenden, Lehrenden und Angestellten.

Margret Rubino arbeitet seit 1989 im E-Raum. Sie erinnert sich: „Das Bild ist aus den 1980er Jahren. Damals sah es hier noch etwas anders aus. Das Essen lag in Glastheken, den Durchreichen, die wir von hinten befüllten. Die Studierenden konnten sich dann das Essen vorne rausnehmen. Wir hatten gar keinen direkten Kontakt zu unseren Kunden, es sei denn wir waren an der Kasse. Damals gab es auch noch Geländer bis zur Kasse, damit man sich ordentlich anstellte. Das Angebot war auch noch etwas einfacher als heute: Es gab die normalen Spitzbrötchen und Teilchen, nicht viel mehr. Mittags wurden 120 Portionen eines Gerichtes aus der Mensa geliefert. Inzwischen machen wir hier das warme Essen selber.

Wie man auf dem Bild sieht, gab es auch hin und wieder kleine warme Gerichte, wie Bockwürste. Auch Süßigkeiten wurden angeboten. Auf dem Bild sieht man noch, wie für Langnese geworben wird. Neben den Durchreichen gab es noch einen Kaffee-Automaten, da konnte man sich aber nur einen Filterkaffee ziehen, das große Angebot mit Latte Macchiato und Cappuccino und anderen Heißgetränken, das wir heute haben, gab es nicht. Die Becher waren noch aus Plastik, das hat sich auch geändert.

Früher durfte man auch noch im vordersten Teil, direkt an der Fensterfront rauchen, was heute natürlich verboten ist. Ab Anfang der 1990er Jahre haben wir dann unser Angebot erweitert: Salate, Waffeln und so etwas. Heute haben wir ein breit gefächertes Sortiment. 1998 wurde der ERaum dann umgebaut, es war alles doch etwas alt und abgenutzt geworden. Seitdem sieht er so aus, wie man ihn heute kennt.“ 

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Damals
news-4066 Wed, 17 Feb 2016 13:28:42 +0100 Haben Sie Gott im Gehirn gefunden? http://www.portal.uni-koeln.de/index.php?id=8506&tx_news_pi1%5Bnews%5D=4066&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=0c5dea961f08b808e0eea26c68cd1d53 Es antwortete Professor Dr. Volker Sturm, bis 2012 Direktor der Klinik für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie der Universität zu Köln   

Als mir diese Frage gestellt wurde, bezweifelte ich ihre Ernsthaftigkeit. Kein Neurowissenschaftler und schon gar kein Neurochirurg wird nach der Lokalisation der „Seele“ oder gar Gottes im Gehirn fragen, wohl aber nach der neuronalen Repräsentation religiöser Gefühle in dem Organ, das bei Homo sapiens sapiens über circa 100 Millionen Neuronen verfügt, von denen jedes bis zu 10.000 synaptische Kontakte mit anderen Nervenzellen bildet. 

Die theoretisch denkbaren Verschaltungsmöglichkeiten werden auf 1080 geschätzt, eine unfassbare Zahl. 

Wie alle emotionalen Leistungen ist auch religiöses Empfinden an die Integrität bestimmter Hirnareale gebunden, die mit funktioneller Bildgebung lokalisierbar sind. Fallen diese Areale zum Beispiel bei Demenz aus, wird das religiöse Empfinden wie an- dere Emotionen eingeschränkt oder aufgehoben. Bei bestimmten Formen der Epilepsie können Wesensänderungen mit übersteigertem Interesse an religiösen Themen oder kurzen Zuständen höchster Glückseligkeit auftreten, die religiös missgedeutet werden könnten. Religiöses Empfinden hat gesicherte neurophysiologische Korrelate. 

Dies bedeutet aber keineswegs, dass hierdurch der materialistisch geprägte Atheismus des 19. und frühen 20. Jahrhunderts bestätigt wird. Jeder ernsthafte Neurowissenschaftler wird einräumen, dass unsere Kenntnisse des Gehirns, euphemistisch ausgedrückt, sehr rudimentär sind. Das Verständnis einiger Basisfunktionen ermöglicht zwar effektive Therapien bestimmter neurologischer oder psychiatrischer Erkrankungen, beantwortet aber keine der Fragen nach dem Entstehen des Bewusstseins, insbesondere des Selbstbewusstseins, der Emotionen und des freien Willens. Sind diese Phänomene nur Resultate der Summe von Modulen und Schaltkreisen? 

Können Physik und Neurowissenschaften die Existenz Gottes widerlegen? Ich glaube nicht. Der von mir hoch geschätzte Tübinger Theologe Hans Küng kam in Anlehnung an Immanuel Kant und Blaise Pascal zu folgendem Resümee: Gott steht über Zeit und Raum, ist transzendent und immanent und mit der „reinen Vernunft“, also mathematisch und physikalisch nicht beweisbar, aber noch weniger zu widerlegen. Gott, der sich nach meinem christlichen Verständnis in Jesus manifestiert hat, kann nur im vertrauenden Glauben und allenfalls mit der praktischen Vernunft erfahren werden. Wir sollten, wie von Kant gefordert, versuchen, „das Unbegreifliche begreifen zu lernen“. 

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Gute Frage
news-4065 Wed, 17 Feb 2016 13:17:09 +0100 51.000 http://www.portal.uni-koeln.de/index.php?id=8506&tx_news_pi1%5Bnews%5D=4065&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=0e2ff834d666b9429192abd6ca540e51 51.000 KILOMETER beträgt die Distanz, die Studierende und Beschäftigte der Uni Köln letztes Jahr auf den Laufbändern im UniFit zurückgelegt haben. Tatsächlich treten immer mehr Läuferinnen und Läufer auf der Stelle. Naturverliebte, hartgesottene Sportlerinnen und Sportler rümpfen zwar die Nase, das Laufband-Training ist dennoch eine gute Alternative zum Outdoor-Training. Der größte Vorteil ist, dass man vom Wetter und von der Tageszeit unabhängig ist. Probleme mit Dunkelheit, Regen, Kälte und Sicherheit gibt es auf einem Laufband nicht. Dank moderner Unterhaltungselektronik kann das Kalorien-Killen auf dem Laufband sehr kurzweilig sein. Via Konsole lässt sich das Training individuell steuern. Während draußen die Natur die Bedingungen vorgibt, können drinnen Puls, Tempo und Steigung nach Belieben variiert und kontrolliert werden. Eine gedämpfte Lauffläche entlastet die Gelenke und eignet sich hervorragend, um die Lauftechnik zu schulen. Wer nicht weiß, wie und wie schnell er laufen sollte, kann im UniFit eine Leistungsdiagnostik machen. Mit dem aeroscan, einer Atemgasanalyse, wird unter professioneller Anleitung der Weg zum individuellen Trainingsziel geebnet. Einzigartig sind auch die Kombinationsmöglichkeiten im Studio: Innerhalb einer Trainingseinheit kann man nicht nur unterschiedliche Cardio-Geräte abwechselnd nutzen, sondern auch Laufen, Heben, Stemmen und Drücken verbinden. Gibt es etwas Besseres als ein Allround-Workout, das Ausdauertraining und Krafttraining vereint?  Uni in Zahlen news-4064 Wed, 17 Feb 2016 13:04:34 +0100 Sonderfall Deutschland http://www.portal.uni-koeln.de/index.php?id=8506&tx_news_pi1%5Bnews%5D=4064&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=c46c2d05b315778016b32434f26a7ba9 Kölner Rechtswissenschaftler wollen ein Unternehmensstrafrecht entwickeln In vielen Ländern der Welt können Unternehmen als juristische Personen bestraft werden – nur in Deutschland nicht. Bislang glaubten viele, der deutsche Schuldbegriff stehe dem entgegen; nur Individuen könnten schuldhafte Handlungen begehen. Eine Kölner Forschergruppe um Professor Michael Kubiciel und Juniorprofessorin Elisa Hoven stellt diese Ansicht nun in Frage. 

Sie gehen davon aus, dass die Einführung eines Verbandstrafrechts im Ermessen des Gesetzgebers liege. Daher müsse nicht mehr, wie bisher, über das „Ob“ sondern auch um das „Wie“ diskutiert werden. Ein überfälliger Schritt, wie viele bekannte Experten meinen, die sich dem Projekt angeschlossen haben. Ihr Ziel: Die theoretischen Probleme und die praktische Anwendung eines Unternehmensstrafrechts in Deutschland klären. Am Ende soll ein eigener „Kölner Entwurf zum Unternehmensstrafrecht“ stehen. Eine spannende Diskussion mit weitreichenden Konsequenzen für das deutsche Recht steht an. 

Der VW-Skandal um manipulierte Abgasdaten in Amerika hat der Öffentlichkeit zu Bewusstsein gebracht, dass Unternehmen in vielen Ländern bestraft werden können – nur in Deutschland nicht. Das amerikanische Recht sieht vor, dass auch sogenannte „juristische Personen“, also Unternehmen und Verbände für eine Straftat zur Rechenschaft gezogen werden können und nicht nur einzelne Vertreter dieser Körperschaften. Ähnlich wird es inzwischen in vielen Rechtskulturen der Welt gesehen.

In Europa neuerdings auch in Österreich und in der Schweiz. Hierzulande hingegen gelten Verfehlungen eines Unternehmens aber nur als Ordnungswidrigkeit, die mit maximal 10 Millionen Euro Bußgeld belegt werden kann. Der Grund: Strafbar können nach deutschem Recht bis jetzt nur natürliche Personen sein, juristische Personen wie Unternehmen und Verbände hingegen nicht. 

Professor Dr. Michael Kubiciel vom Institut für Strafrecht und Strafprozessrecht und Juniorprofessorin Dr. Elisa Hoven halten diese gesetzliche Regelung für theoretisch nicht zwingend und praktisch unzeitgemäß. „Die Ablehnung des Verbands- oder Unternehmensstrafrechts wurde in Deutschland nur für wenige Jahrzehnte materiell begründet“, erklärt der Strafrechtstheoretiker Kubiciel. „Danach wurde der Satz, Unternehmen könnten nicht schuldhaft handeln und bestraft werden, zu einem Dogma, dessen Grund- lage vor rund drei Jahrzehnten weggebrochen ist.“ 

Hinzu kommt, dass Deutschland als Exportnation auch in seinem Rechtssystem dem internationalen Vergleich ausgesetzt ist: „Die deutsche Strafrechtswissenschaft und Kriminalpolitik ist in diesem Punkt international nicht mehr diskursfähig, wenn wir uns auf den Standpunkt stellen: ‚Alles, was um uns in der Welt geschieht, ist mit dem deutschen Schuldbegriff nicht kompatibel, deswegen weigern wir uns überhaupt, über die Normen und Prozesse nachzudenken.‘ Dann bestimmen weiterhin andere Staaten die Regeln und die Anwendungspraxis und Deutschland bleibt was es ist: kein relevanter Player.“ Will Deutschland ein Sonderfall bleiben? 

„KÖLNER ENTWURF“ SOLL KLARHEIT BRINGEN 

Dabei war es die Politik, die den Stein ins Rollen und die Diskussion in Gang brachte, erläutert Elisa Hoven. Mit dem Entwurf des nordrhein-westfälischen Justizministers zur Einführung eines wirklichen Verbands- oder Unternehmensstrafrechtes im Jahre 2013 wurden Rechtswissenschaft und Politik mit der Dringlichkeit eines solchen Rechtes konfrontiert. Bis jetzt kann die Rechtswissenschaft aber keine Antworten auf die dringlichen Fragen finden, so Kubiciel, denn: „Man hat in den vergangenen Jahrzehnten immer nur über das ‚ob‘ diskutiert, nie über das ‚wie‘. Man hat vor allem nie darüber nachgedacht, welche Folgen ein solches Gesetz für die Praxis hat: für Gerichte, Staatsanwaltschaften und vor allem Unternehmen.“ 

In ihrer Forschergruppe möchten die beiden Wissenschaftler zusammen mit ihren Kollegen Martin Henssler (Arbeits- und Wirtschaftsrecht) und Thomas Weigend (Strafverfahrensrecht) sowie einer Gruppe externer Experten einen eigenständigen „Kölner Entwurf des Verbandsstrafrechtes“ erarbeiten, der manche Schwächen des NRW-Entwurfes ausbessert. Der Entwurf soll substantiell über die NRW-Vorlage hinausgehen und von einer großen Gruppe von Experten getragen werden.  Gleichzeitig soll dieser Entwurf kommentiert werden. „Wir wollen nicht nur sagen, wie ein Gesetz aussehen könnte, sondern im zweiten Teil zeigen, wie dieses in der Rechtspraxis und der Unternehmenspraxis angewendet würde und welche Auswirkungen es hätte, kurz: ‚Was sollte der Gesetzgeber tun und welche Folgen hätte dies in der Praxis?‘“ Gefördert werden die Wissenschaftler dabei für drei Jahre von der VW-Stiftung. 

INTERDISZIPLINÄRE FORSCHUNGSGRUPPE, VORGEHEN 

Die Folgen eines Unternehmensstrafrechts erstrecken sich auf viele weitere Rechtsgebiete: Verfahrensrecht, Wirtschaftsrecht, Arbeitsrecht und Gesellschaftsrecht. Deswegen wird die Kölner Forschergruppe von externen Experten aus allen relevanten Rechtsbereichen und der Wirtschaft beraten. „Wir sind glücklich, dass wir derart renommierte Personen gewinnen konnten“, so Kubiciel. Die Kölner Zivilrechtswissenschaftlerin Professorin Dr. Barbara Dauner-Lieb, der Kölner Strafrechtler Martin Wassmer und der Kölner Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Achim Wambach unterstützen die Forschungsgruppe als Kooperationspartner. 

Elisa Hoven wird den kriminologischen Teil des Forschungsprojektes leiten. Im Moment stehen sich zwei unversöhnliche Lager in der Diskussion gegenüber: Während das NRW-Justizministerium eine völlig uneinheitliche Anwendung von Ordnungsstrafen sieht, beharren viele Unternehmen und Verteidiger auf dem Ordnungswidrigkeitenrecht als ausreichendem Instrument. „Beide berufen sich auf eine Faktenlage, die ja im Prinzip zu klären ist“, stellt die Wissenschaftlerin nüchtern fest. „Wir möchten eine empirische Studie dazu durchführen, wie das Ordnungswidrigkeitenrecht bislang deutschlandweit tatsächlich angewandt wird.“ 

Die Kölner Wissenschaftler wollen über Konferenzen und Workshops zusätzlich einen größeren Kreis von Experten in das Projekt involvieren. Auch Erfahrungen aus dem Ausland werden dabei studiert werden. Der Entwurf soll nach allen Seiten hin abgesichert sein. PROBLEME UND THEORETISCHE FRAGEN Eine intensive und spannende Forschung voller theoretischer Fragen und Weichenstellungen steht an. Fragen aus dem Strafprozessrecht müssen von den Forschern beantwortet werden: Wer tritt für das Unternehmen vor Gericht? Was passiert, wenn der Vorstand ebenfalls angeklagt wird? Wie steht es mit den Schweigerechten – muss ein Angestellter gegen sein Unternehmen aussagen? 

Auch das Arbeits- und Gesellschaftsrecht wird von einem Entwurf eines Unternehmensstrafrechtes betroffen sein. Für die Mitarbeiter und leitenden Angestellten eines Unternehmens werden eventuell neue Haftungsansprüche entstehen oder sich schon existierendes Haftungsrecht ändern. „Fraglich ist auch, ob Mitarbeiter fair behandelt werden, wenn das Unternehmen ein Interesse daran hat, einen Verdacht schnell aufzuklären“, erklärt Kubiciel. „Hier stellt sich unter anderem die Frage, ob Arbeitnehmer gegen unternehmensinterne Ermittlungen hinreichend geschützt werden.“ 

Fraglich ist auch, welchen Geltungsbereich das neue Recht haben soll. Soll es sich auch über das deutsche Territorium hinaus erstrecken und multinationale Unternehmen miteinbeziehen? Amerikanisches Recht erlaubt, gegen Siemens vorzugehen, obwohl die strafbaren Handlungen in Italien, Argentinien und Russland vorliegen, und nicht in den USA. Sollte Deutschland das auch tun? „Vor dem Hintergrund einer auf allen Weltmärkten sehr aktiven deutschen Wirtschaft wäre es strategisch nicht ganz unklug, das eigene Strafrecht auszuweiten“, sagt Kubiciel. Nur dann habe man Einfluss auf die Aushandlung der Regeln, nach denen multinationale Unternehmen sanktioniert werden. 

STRAFEN – ABER WIE? 

Auch die Frage nach der Art und dem Ausmaß der Strafen für die Unternehmen muss diskutiert werden. Zuvorderst steht da die Geldstrafe, so Kubiciel: „Eine Geldstrafe wird von der Gesellschaft anders aufgenommen als eine Geldbuße. Das scheuen die Unternehmen, das muss man ganz deutlich sagen.“ Außerdem sei die Geldbuße im Grundsatz bei 10 Millionen Euro gedeckelt und lasse kaum Spielraum für die tat- und täterproportionale Zumessung, während eine Geldstrafe sich an der Leistungsfähigkeit der Person, nach deren Einkommen oder dem Umsatz berechne. „Das wäre schon eine deutliche quantitative und qualitative Veränderung des Rechts.“ Hinzu kommt: Ob ein Bußgeld gegen ein Unternehmen verhängt wird, ist letztendlich eine Frage, die im Ermessen des Staatsanwaltes liegt. Im Strafrecht muss der Staatsanwalt ermitteln und ist begründungspflichtig, wenn er das Verfahren einstellt. 

Michael Kubiciel und Elisa Hoven sehen unter den führenden Rechtsgelehrten in Deutschland die einhellige Bereitschaft, an der Forschergruppe mitzuwirken. „Die Diskussion wird spannend, sehr spannend werden“, freut sich Kubiciel. „Und das ist auch etwas, wofür gerade die Universität zu Köln steht: die Verbindung aus innovativen Ideen und Praxis. Deswegen bin ich nach Köln gekommen.“ Schon jetzt werden die Forschungen der Rechtswissenschaftler von der Politik aufmerksam verfolgt und Interesse am Ergebnis artikuliert, so Kubiciel: „Die Reaktion ist meist: ‚Tolles Projekt – wann sind Sie fertig?‘“ 

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Forschung
news-4060 Tue, 16 Feb 2016 11:47:51 +0100 Über Wisssenschaft müssen wir reden http://www.portal.uni-koeln.de/index.php?id=8506&tx_news_pi1%5Bnews%5D=4060&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=1b359a9ecb9aa7cdc90911a7af36c8ae Rektor Professor Dr. Axel Freimuth zur Krise in der Wissenschaftskommunikation 

Laborteams erforschen die Ursachen der Demenz. Eine Professorin beschreibt anhand von Satellitenbildern den Klimawandel und seine Folgen. Ein Doktorand entdeckt in alten Büchern einen eigentlich längst vergessenen Philosophen, dessen Arbeiten uns heute aber noch viel zu sagen haben. Beispiele aus dem Alltag der Universität zu Köln. Sie sprechen für eine lebendige Wissenschaft, die ihren Platz mitten in unserer Gesellschaft hat.

Doch komplexe Themen müssen einem breiten Publikum auch zugänglich gemacht werden: Es gilt, die Rollen von Wissenschaftlern, PR-Experten und Journalisten – insbesondere im Kontext der Digitalisierung – neu auszutarieren. Wie kann das geschehen? 

WISSENSCHAFTSJOURNALISMUS IN DER KRISE 

In den vergangenen Jahren haben viele Redaktionen ihre Wissenschaftsressorts kleingespart oder komplett aufgelöst. Zugleich wurden Formate kreiert, die zwar wissenschaftliche Methoden nachahmen, in denen Wissenschaftler und Fachjournalisten aber kaum mehr zu Wort kommen. Sogenannte „Infotainment-Formate“ wie Galileo auf dem Privatsender ProSieben laufen seit fast 20 Jahren erfolgreich, obwohl die Qualität der Beiträge nicht immer wissenschaftlichen Standards entspricht. „Überraschende Fakten und faszinierende Bilder“, so auf den Webseiten der Sendung, sprächen eben ein größeres Publikum an als die Beschreibung eines typischen, manchmal ereignisarmen, Forscheralltags. Der Raum, in dem sich fundierter Wissenschaftsjournalismus entfalten kann, wird anscheinend kleiner und kleiner. Und das, obwohl das Interesse an wissenschaftlichen Themen gleichbleibend hoch ist. Nach einer aktuellen Befragung von „Wissenschaft im Dialog“, einer bundes weiten Initiative von Wissenschaftseinrichtungen und Förderern, geben mehr als ein Drittel der befragten Deutschen an, ein sehr großes oder zumindest eher großes Interesse an wissenschaftlichen Themen zu haben. 


DIE „NEUE“ WISSENSCHAFTSKOMMUNIKATION 

Dieses Interesse wird heutzutage aber ganz offensichtlich über andere Medien gestillt. Zwei Drittel der Befragten geben an, sich im Internet über Wissenschaft und Forschung zu informieren. Wissenschaftliche Informationen auf Videoplattformen wie YouTube oder in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter erreichen dabei knapp die Hälfte beziehungsweise ein Drittel derjenigen, die sich generell im Internet über Wissenschaft informieren. Gerade in der jüngeren Generation findet eine breite Abwanderung zu Social-Media-Kanälen und Online- Medien statt. Die Universität zu Köln erreicht mit einem Post bei Facebook zum Beispiel bis zu 120.000 Menschen, ihre Videos auf Plattformen von Youtube und iTunes U werden weltweit geteilt. Durch die Nutzung digitaler Medien kann über alle Grenzen hinweg sehr schnell und effektiv kommuniziert werden. Mit Veranstaltungen, die die Uni über ihre internationalen Portale bewirbt, erreichet sie sogar in den USA tausende „Follower“. Die werden in Echtzeit mitgenommen und können sich live über Streaming Veranstaltungen aus den Hörsälen in ihre Wohnzimmer holen. 

WARUM WIR TROTZDEM DEN „GUTEN“ JOURNALISMUS BRAUCHEN

Ist es nicht ganz hervorragend, dass Wissenschaftler direkt Leser, Zuschauer oder Zuhörer ansprechen können, ohne den Umweg über Journalisten gehen zu müssen? Auf den ersten Blick mag das zutreffen, auf den zweiten ist diese Einstellung jedoch kurzsichtig, denn: Guter Journalismus mit fundierten Recherchen und einer breiten Wissensbasis ist in einer Welt voller ungefilterter Informationen wichtiger denn je. Als kritische Instanz, die einordnet und bewertet. Die, unabhängig von Organisationsinteressen, Forschungsergebnisse auf ihre Wertigkeit überprüft. Journalisten müssen diese Aufgabe aber natürlich auch wahrnehmen können und wollen. Sie benötigen die Ressourcen und die Möglichkeiten, nicht nur die vermeintlich massenwirksamen Themen abzubilden, wie Hightech-Roboter und Untersuchungen zum Paarungsverhalten von Großstädtern. Sonst wird im „Sensationismus“ ihre Berichterstattung beliebig und damit wertlos. 

WELCHE AUFGABEN DER WISSENSCHAFT ZUKOMMEN 

Doch auch die Wissenschaft selbst muss ihrer Verantwortung innerhalb der Gesellschaft nachkommen und darf sich den neuen medialen Entwicklungen nicht verschließen. Wissenschaftler müssen sich heute auch Formaten stellen, in denen Partizipation großgeschrieben wird. Das alte Sender- Empfänger-Modell hat ebenso ausgedient wie der Elfenbeinturm: Am digitalen Lagerfeuer tauscht man sich auf Augenhöhe aus. Die Welt ist schneller geworden. Erkenntnisse über die Ursachen von Demenz, über Klimawandel und Philosophie werden im Sekundentakt auf Webseiten verbreitet und in Social-Media-Foren diskutiert. Experten müssen gesellschaftlich relevante Themen mit allem „Für und Wider“ darstellen und damit das befeuern, was heute in der Wissenschaftskommunikation am wichtigsten ist. Menschen in die Lage zu versetzen, faktenbasiert an Diskussionen teilzunehmen. Kein Zweifel: Wissenschaft braucht Kommunikation. Aber eben die richtige. 

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Hochschule
news-4059 Tue, 16 Feb 2016 09:36:38 +0100 Zurück zum Glück http://www.portal.uni-koeln.de/index.php?id=8506&tx_news_pi1%5Bnews%5D=4059&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=0d848123e155abcda56374cf738e5a51 Maike Luhmann untersucht, wie wichtige Ereignisse das Wohlbefinden und die Lebenszufriedenheit verändern.

Welche schwerwiegenden Lebenserfahrungen bringen uns aus dem Gleichgewicht? Und wie schnell schaffen wir es, wieder glücklich zu werden? Stimmt es, dass man dem Glück nicht hinterherlaufen sollte? Juniorprofessorin Dr. Maike Luhmann vom Department für Psychologie untersucht das Phänomen Glück. Ein Gespräch über Ehe, Scheidung, Kinder und Haustiere – und warum man sein Geld lieber für andere ausgeben sollte.  

Frau Dr. Luhmann: Sind Sie glücklich? 

Ja, zum Glück! In der Psychologie sprechen wir aber nicht von Glück, sondern lieber von subjektivem Wohlbefinden. Das setzt sich zum einen zusammen aus der kognitiven Komponente Lebenszufriedenheit – kognitiv deshalb, weil man sein eigenes Leben oder bestimmte Bereiche wie Arbeit oder Ehe reflektiert und bewusst bewertet. Zum anderen ist da das affektive Wohlbefinden. Das ist die Frage: Ist man gut drauf? Fühlt man sich gerade glücklich? 

Was interessiert Sie dabei? 

Ich möchte verstehen, wann und warum sich Wohlbefinden ändert. Dazu habe ich mir besonders den Einfluss großer Lebensereignisse angeschaut. In der psychologischen Glücksforschung gab es lange Zeit die Idee, dass man eigentlich nicht glücklicher werden kann, egal wie sehr man es versucht. Das nennt man auch die hedonistische Tretmühle: Man rennt dem Glück hinterher und bleibt doch auf der Stelle, selbst wenn man alles bekommen hat, was man wollte. In den letzten 10 Jahren gab es allerdings Studien, die gezeigt haben, dass es schon Ereignisse gibt, die gravierende und langfristig anhaltende Einflüsse auf das Wohlbefinden haben können – besonders negative. Sind es solche Lebensereignisse, die bestimmen, ob wir glücklich oder unglücklich sind? Generell wird unser Wohlbefinden durch drei Faktoren beeinflusst. Erstens dadurch, welche Persönlichkeit wir haben. Menschen, die von Natur aus wenig neurotisch und emotional stabil sind, sind meist glücklicher. Auch Menschen, die extravertiert sind, haben es ein bisschen leichter. Zweitens die objektiven Lebensumstände, etwa ob man einen Partner oder Geld hat. Darunter fallen auch die Lebensereignisse. Solche Dinge machen auch etwas aus – aber die Persönlichkeit zählt mehr für das Wohlbefinden. Deshalb hat man früher geschlussfolgert, dass die Lebensumstände nicht so wichtig für das Wohlbefinden seien. Als drittes zählen noch die Dinge, die man selber tut. Wir haben also alle selbst erhebliche Einflussmöglichkeiten auf unser Wohlbefinden. 

Worauf legen Sie den Schwerpunkt bei Ihren Forschungen? 

Ich konzentriere mich in meiner Forschung auf die objektiven Lebensbedingungen und wie sie sich auf das Wohlbefinden auswirken, ob also Veränderungen in den Lebensbedingungen auch Veränderungen im Wohlbefinden hervorrufen können. Interessant finde ich auch die Adaptationsprozesse der Menschen, wie schnell und warum man also nach einem Ereignis wieder auf das Glücksniveau von vor dem Ereignis zurückkommt. 

In einer großen Metaanalyse habe ich Längsschnittstudien zu acht verschiedenen Lebensereignissen zusammengesucht: Familiäre Ereignisse wie Heirat, Scheidung, Geburt eines Kindes, Verwitwung, und berufliche Ereignisse wie Arbeitslosigkeit, Wiedereinstellung nach einer Arbeitslosigkeit, wenn man in Rente geht oder umzieht. Dazu haben wir mehrere hundert Studien zusammengesucht und haben analysiert, wie sich das Wohlbefinden nach dem Ereignis im Vergleich zu vor dem Ereignis unterscheidet, abhängig davon wie viel Zeit vergangen ist. Dabei haben wir zwischen dem affektiven Wohlbefinden und der Lebenszufriedenheit unterschieden. 

Was haben Sie festgestellt? 

Nach den meisten einschneidenden Ereignissen geht es nach einer gewissen Zeit im Mittel wieder zum Ausgangspunkt zurück. Es gibt definitiv den Trend, dass man sich wieder erholt. Das geht allerdings nicht ganz so schnell, wie man das früher glaubte, da sprach man von zwei oder drei Monaten. 

Gehen wir mal in die Einzelheiten: Eine Scheidung geht sicherlich an die Nieren? Wie sah es dabei aus? 

Ereignisse wie Heirat oder Scheidung haben gar nicht so lang anhaltende Effekte. Bei der Scheidung sind es eher die Monate davor, die die schlimmsten sind. Danach geht das Wohlbefinden relativ schnell wieder hoch. Eine absolute Ausnahme ist das Thema Arbeitslosigkeit: Auch wenn es den Betroffenen gelingt, eine neue Arbeit zu finden, kann man kaum eine Erholung beobachten. Obwohl objektiv wieder alles wie vorher ist. Eine neue Studie von mir hat sogar ergeben, dass nicht nur die betroffene Person darunter leidet, sondern langfristig auch der Partner. Nicht ganz so stark, aber auch signifikant. Allerdings erholt sich der Partner dann schneller. 

Das verblüfft mich jetzt ein wenig. Wieso verhält sich die Arbeitslosigkeit so anders als Scheidung oder Heirat? 

Das ist noch nicht ganz klar. Vermutlich wird Arbeitslosigkeit als weniger kontrollierbar wahrgenommen und wirkt sich deswegen stärker auf das Wohlbefinden aus. Auch erleben Menschen mit Arbeit mehr Sinn in ihrem Leben, der den Arbeitslosen dann fehlt. Je länger die Arbeitslosigkeit anhält, desto schlimmer werden die Auswirkungen auf das Wohlbefinden – im Gegensatz zu den meisten anderen Ereignissen, über die man nach einiger Zeit hinwegkommt. 

Jetzt haben wir aber viel vom Unglücklichsein gesprochen. Unser Thema sollte ja das Glück sein. Wie sieht es mit der Geburt eines Kindes aus? Das muss doch glücklicher machen? 

Bei der Geburt eines Kindes haben wir festgestellt, dass das affektive Wohlbefinden nach der Geburt etwas positiver ist, allerdings nicht sehr viel. Die Lebenszufriedenheit aber und vor allem die Zufriedenheit mit der Partnerbeziehung gehen klar runter. Das sind klar gegenläufige Entwicklungen. 

Wenn die Geburt eines Kindes nicht glücklicher macht, dann sind Kinder doch sicher langfristig Glücklichmacher? 

Im Mittel über lange Zeit hinweg nicht, weil Kinder Dinge mit sich bringen, die sehr glücklich machen und Dinge, die sehr unglücklich machen. Das gleicht sich wieder aus. 

Insgesamt sind aber gute Beziehungen für das Wohlbefinden wichtig, zum Beispiel die Beziehung zum Partner. Verheiratete Menschen sind glücklicher als unverheiratete Menschen. Gute Freunde sind wichtig, insgesamt gute soziale Beziehungen. 

Ich gebe nicht auf. Wie sieht es denn mit Haustieren aus? Machen die glücklicher? 

Eine meine Masterstudentinnen hat sich in ihrer Masterarbeit mit dem Thema Haustiere und Wohlbefinden beschäftigt. Dort wurde das Wohlbefinden von Hunde-, Katzen- und Pferdebesitzern verglichen. Heraus kam: Die Pferdebesitzer sind am zufriedensten. Aber wenn man das Einkommen kontrolliert, dann verschwindet der Unterschied. Das heißt: Pferdebesitzer sind wahrscheinlicher zufriedener weil sie über mehr Geld verfügen und nicht, weil sie ein Pferd besitzen. 

Also mal wieder das liebe Geld. Ja: Geld macht glücklich. Die sehr Reichen sind im Mittel glücklicher als die weniger Reichen und die sind glücklicher als die ganz Armen. 

Was sollten denn diejenigen von uns machen, deren Einkommen beschränkt ist? Gibt es Aktivitäten, die glücklicher machen? 

Da gibt es sehr spannende Befunde, wie man sein Geld ausgeben kann. Wer sein Geld für Erfahrungen ausgibt, wird glücklicher als derjenige, der sein Geld nur für den Erwerb von Gegenständen ausgibt. Von der Erfahrung kann man nämlich sehr lange zehren, gerade wenn man etwas mit anderen Personen macht. Die Erinnerung bleibt. An ein neu erworbenes Handy gewöhnt man sich sehr schnell. Die Effekte von materiellen Dingen lassen sehr schnell nach. Auch macht schenken glücklicher als das Geld für sich selber auszugeben. 

Kann man eigentlich wirklich selber beeinflussen, wie glücklich man ist? 

Eine aktuelle Studie hat ergeben: Wenn Menschen das Glücklichsein sehr wertschätzen, dann sind sie am Ende unglücklicher als die, die Glücklichsein nicht so wertschätzen. Das ist schon eine alte Idee der Philosophie: Wenn man dem Glück hinterherläuft, dann fängt man es nicht. Das heißt, man sollte nicht versuchen, glücklich zu werden, weil es unglücklich macht. Man kann nur vom Glück gefunden werden. Das widerspricht allerdings einigen anderen Befunden, denn es gibt bestimmte Dinge, die jeder von uns im Alltag tun kann, die uns glücklicher machen. Und die Menschen, die das tun, wissen auch, dass diese Dinge sie glücklicher machen sollen und trotzdem funktionieren sie. Nach der alten Idee sollten die dann gerade nicht funktionieren. Wir haben deshalb die genannte Studie überprüft und methodische Mängel gefunden. Wenn man die herausrechnet, kommt man zu einem anderen Ergebnis, nämlich dass das Wertschätzen von Glück nicht systematisch mit dem Wohlbefinden zusammenhängt. 

Beherzigen Sie selber solche Erkenntnisse? 

Teilweise schon. Ein wissenschaftlicher Befund ist, dass Menschen, die länger als dreißig Minuten zur Arbeit pendeln, unglücklicher werden und sich eher scheiden lassen. Ich habe mich mit meiner Familie immer für die kleinere Wohnung in der Nähe der Arbeit entschieden als für die größere, von der wir länger pendeln mussten. 

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